Fremdeln

Mein neues Pad ist sicher genial. Nur ich bin es nicht. Wir fremdeln miteinander. Es bleibt gelassen. Nur ich leider nicht. Nämlich dann, wenn ich, wie gerade, verzweifelt versuche, ihm auf die Schliche zu kommen. Seine ach so raffinierten, wahrscheinlich genialen Schliche. Dafür bin ich zu altmodisch gestrickt.

Spannend ist, dass ich dabei mir selber ein bißchen mehr auf die Schliche komme. Was passiert, wenn ich Neuem begegne?

Ich bin neugierig, offen, interessiert, bejahend. Ein, zwei Schritte weiter wird es etwas schwierig, dann noch mehr. Ich bleibe, mehr oder weniger verzweifelt, aber offen. Mein Gegenüber hat sich dann oft schon abgewandt. Jetzt spreche ich von Menschen. Langsam, wahrscheinlich zu langsam, fange ich an zu verstehen.

Ein Glück, dass das Pad unendlich geduldig ist. Zumindest so lange, bis ich versuche ihm mit meiner eigenen Genialität beizukommen. Dann versteht ES nicht mehr und stürzt ab. Und meine Hilfeschreie verhallen ungehört – bis irgendwann dann doch Rettung erscheint.

Vergleichsweise ist dieses Szenario easy. Doch wenn es um Menschen geht? Da kehrt sich offenbar etwas um. Ich höre auf zu fremdeln und sie fangen damit an. Irgendwie haben sie in mir etwas gesehen, was ich nicht bin. Oder ich bin zu anstrengend. Irgendwie so…

Bei Babys hat die Fremdelphase etwas mit dem ersten noch unbewussten Erwachen an der Welt zu tun. Die Selbstverständlichkeit des Geborgenseins hört auf. Jetzt hilft nur noch der sichere Ort, die Mutter oder…

Doch erwachsen, da kann ich den Schutz nur in mir selber suchen. Was heißt kann. Ich muß es können. Und das ist jetzt gerade mit dem Pad wieder mal so eine Lernsituation.

Genauer gesagt: Ein Schrittchen auf dem Weg der lebenslangen Selbsterkenntnis. Mein Gestus bei der Begegnung mit Neuem wird sich nicht ändern. Er gehört zu meiner Wesensart. ABER: Darum wissend und um die Konsequenzen, werde ich selbst wieder etwas freier. Aus Verzweiflung entsteht ein Schritt in die Freiheit. Und das wiederum ist eine Chance für neue Kreativität in schwierigen Situationen.

Danke, liebes neues IPad, für die Anregung. Mal schauen, wie lange unser Fremdeln noch anhält.

Vor diesem Szenario das Pad, das sich vorsichtshalber versteckt hat

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