Das Wort Ohnmacht hat etwas Mystisches für mich, schwer zu fassen. Handlungsunfähig zu sein ist weniger als ohnmächtig zu sein.
Ich glaube, es hakt bei mir beim Wort Macht. Machthaber, die Maechtigen, Machtspiele kommen mir in den Sinn. Damit habe ich wirklich nichts im Sinn.
Aber: Im Wortstamm steckt auch das „Machen“. Vom Machen, zum Gestalten, zum Kreativsein ist es für mich nur ein kleiner Schritt. Wenn ich eine (gewisse) Macht habe, gewinne ich leichter Spielräume fürs Kreative. Doch: Macht worüber? Über Dinge, über Menschen…
Sehr fragwürdig.
Gibt es eine positive Macht? Eine, die sich nicht verselbstständigt? Eine Macht, die keine Macht mehr ist, aber auch keine Ohnmacht. Keine Aneignung des anderen dinglichen oder menschlichen Seins. So ein Miteinander, aus dem Neues, Schönes entsteht – geboren in einem Raum geistigen Einvernehmens. Einem Raum, der errungen geschaffen werden will.
Da könnte die Ohnmacht eine neue Bedeutung erlangen.
Vielleicht hat das dann etwas mit Hingabe zu tun. Aus dem vermeintlich Passiven wird etwas Aktives. Eine aktive Ohnmacht…
Von der Bewusstlosigkeit zur aktiven Hingabe ohne Machtansprüche. So etwa.
Während Rilkes Weihnachtskorrespondenzen samt Lesezeichen noch neben dem Kopfkissen mit mir zusammen vor sich hindoesen, liegt draußen Schnee. Richtiger Schnee und ganz schön viel. Seit endlos vielen Jahren mal wieder. Unter meinem Fenster rodeln begeistert die Minis aus den umliegenden Kitas. Im Gefrierfach wartet geduldig das Schokoeis vom letzten Jahr auf die Leckermäuler. Die glänzenden Kastanien mussten nun endgültig mit den Tannenzweigen weichen. Mit ihnen auch ein paar bunte Herbstblaetter. Das neue Jahr fordert unweigerlich seinen Raum. Zum Frühstück lachen mich, die ersten gelben Blüten aus der Vase an. Ein Frühlingsversprechen, ein allererstes. Dennoch: Seit der letzten frostigen Nacht lassen die üppigen Christrosen auf dem Balkon die Köpfen hängen. Ich bin zuversichtlich, sie werden es schaffen.
Vier Jahreszeiten gleichzeitig und friedlich vereint.
Die Krönung entstand im Wohnzimmer ganz zufällig: Die schönsten Blüten der letzten zwölf Monate durften auf einem großen Teller trocknen. Jetzt wärmen sie die Seele und geben der Freude an Schnee und Eis eine Chance…
Und ich frage mich: Wo ist der Anfang und wo das Ende?
Auf einem Teller vereint: Die schönsten Blüten der letzten zwölf Monate
Wir schreiben den 1. Januar anno 2026. Im Radio klingt es beschaulich, viel Klassik. Gefühlte Stille.
Es sind noch keine 24 Stunden vergangen, da war die Welt aufgekratzt, in Feierlaune, übermütig bis albern, mancherorts auch außer Rand und Band.
Vielleicht so: Das alte Jahr ist bewältigt, ich hab’s geschafft, es hat mich nicht geschafft…?
Ich empfinde anders. Ich möchte im zu Ende gehenden Jahr noch mal zurückschauen. Was ist gelungen, was weniger, was ist schief gegangen, wie könnte ich es besser machen? Was war einfach nur schön: Tage, Stunden, bewusst erlebte Momente, vor allem die.
Und dann am nächsten Morgen der Jubel: Wieder 365 geschenkte Tage zum Weitergehen, Ausprobieren, zum Entdecken, zum besser Machen. Und heraus gefordert werden.
Entzaubert liegen die ersten Weihnachtsbäume vor der Haustür. Schnell weg damit, ehe der Nadelsegen Fußboden und Teppich bedeckt. Oder, damit wieder Platz wird im Wohnzimmer. Das Durchhalten bis zum Dreikönigstag, das gibt es aber auch noch.
Lametta, das war einmal. Und Engel – die sind allerdings auch noch an den Bäumen zu entdecken. Ich finde es faszinierend, wie sich Weihnachtssitten gewandelt haben. Vor allem aber der Umgang mit dem Weihnachtsbaum. Der mutierte inzwischen zunehmend, auch in den Familien, zum Adventsbaum.
In meiner Kindheit wurden die Lamettafäden noch sorgsam und einzeln über die Äste gefädelt und ebenso wieder zurück beordert fürs nächste Jahr. Als ich älter war, wurde ich an dem fragwürdigen Vergnügen beteiligt. Was geblieben ist, ist die Erinnerung an einen strahlenden Weihnachtsbaum, der sich in einer Spieldose aus Vaters Kindheit drehte. Zwölf Kerzen, für jeden Monat des Jahres eine, selbstverständlich aus Wachs. Zwischen dem Lametta schwebten kleine bunte Holzfiguren, auch Engelchen. Aber, das Größte war: Fondant- und Schokoladenkringel versteckten sich in den Zweigen, die beim Abschmücken genascht werden durften. Na ja, manchmal verschwanden sie auch schon eher spurlos.
Das waren die Fünfziger Jahre.
Meinen Kindern blieb die sich immer noch drehende und singende Spieldose erhalten. Die Walze ließ „Ihr Kinderlein kommet“ und „Stille Nacht, heilige Nacht erklingen. Anfangs wurde auch noch Lametta gesichtet. Das allerdings landete nach Gebrauch im Abfall. Ein erlöster Kindheitsalbtraum. Die Schmuckwahl veränderte sich mehrfach zwischen den Siebzigern und Neunzigern. Holz- und Glasperlenketten, Schleifen – rot oder weiß, irgendwann kamen auch die zerbrechlichen Kugeln dazu.
Als die Kinder aus dem Haus waren, habe ich dann meine Weihnachtsbaumorgien ausgelebt. Mit Kügelchen und Kugeln, mit silberweißen Einhörnern, Tigern, bunten Vögeln – jedes Jahr ein Neues Prachtstück für die Menagerie. Pragmatisch und entstressend verwandelten sich die Bienenwachskerzen irgendwann in elektrisches Geflimmer. Eine kleine Weile noch freuten sich die Enkelkinder an Spieldose und Tierwelt…
Ihre Eltern wollen von der Spieldose nichts wissen. Mein Baum, rückte allmählich immer mehr in den Advent und blieb in glasklarer Unterscheidung der Oma-Baum. Zu Hause bei den Kindern steht jedes Jahr am 24. ein wohlgewachsenes Prachtstück mit echten roten und weißen Rosen, mit Planetenzeichen und Bienenwachskerzen. Das ist der richtige Weihnachtsbaum.
Bei mir gibt es in diesem Jahr nur einen großen Strauß mit Einhörnern und silbern-weißen Kugeln und Lichtleinketten. Mal sehen…
Meine Enkeltochter jedenfalls beanspruchte jüngst meine Weihnachtstierwelt als ihr Erbe…
Wohlig und wohnen, zweimal der gleiche Wortstamm. Während wohlig ein gutes Gefühl umschreibt, geht es beim Wohnen ja erstmal um Existenzielles. Um den sicheren Ort, um das Dach über dem Kopf. Auch um einen Rückzugsort. Um einen geschützten Ort für alle Bedürfnisse.
Welch Glück, wenn einem das alles zur Verfügung steht! Selbstverständlichkeiten, über die wir oft nicht mehr nachdenken. Der Obdachlose unter der S-Brücke berührt. Macht hilflos…Die Euro, die in den Becher fallen sind wahrscheinlich nicht mehr als eine Überlebenschance. Ich freue mich über sein Gitarrenspiel. Welch Kraftakt muss das sein…Für mich ist es ein Wunder, dass er immer wieder spielt und mir damit auch noch eine Freude bereitet. Wahrscheinlich hat er trotz allem den INNEREN Schutzraum als letzte sichere Zuflucht. Diesen Ort kenne ich auch sehr gut. Der hat durchaus etwas mit realer Freiheit zu tun. Frei von allen äußeren Bedrängnissen.
Wohlig wird mir dabei nicht unbedingt.
Noch habe ich den sicheren Ort, eine schöne Wohnung, ein Geschenk des Himmels. Sie ist mir zur zweiten Haut geworden. Ein Teil von mir. Inzwischen auch auf irgendeine Weise ein Kunstwerk für mich.
Mein Innen und Außen verschmelzen an diesem Ort. Alles ist inzwischen stimmig. Es ist wie bei einem Bild, bei dem immer noch ein Pinselstrich und noch einer es zu dem werden lassen, was es am Ende ist.
Dem, der sehen will und sehen kann, zeigt mein Zuhause alles von mir. Genau genommen bin ich meist froh, dass nicht alle alles sehen. Meine Empfindlichkeiten und Verletzlichkeiten. Sie verschwinden meist unter meiner Ästhetik, in die ich gern andere einlade. Sie kann verwirren, konfrontieren, aber auch wohlfühlen lassen. Ich war schon oft verblüfft, wieviel oder wie wenig Empathie und Toleranz mir in solchen Begegnungen entgegen kommt.
Ich empfinde Wohligkeit an diesem Ort. Und freue mich, wenn das oft mit mir empfunden wird.
Wie dringend brauche ich ihn, diesen Ort! Ein ähnliches Gefühl erlebe ich in Bildergalerien, wenn dort Kunstwerke und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen. Von diesen Orten kann ich nicht genug bekommen – jenseits von meinem persönlichen Schutzraum. Doch das ist schon ein neues Thema.
Wie groß ist eigentlich der Sprung vom Gitarre spielenden Obdachlosen zu den Tempeln der Kunst? Alles Eins, eine Welt…
Spaetherbstlich ist’s im einstigen Jagdrevier der Majestäten. Ein bisschen Wildnis zwischen gepflegten Wegen. Statt der namensgebenden Tierwelt viel Menschliches. Zu den Wandelnden und Eilenden des Dezember des Jahres 2025 gesellen sich allerorten die Vorfahren.
Da ein Gedenkort für die brutal ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.
Mächtig-gewaltige Statuen verherrlichen wenig später die Freuden der Jagd.
Und schon leuchtet der von der Nachmittagssonne angestrahlte Goldengel der Siegessäule durch die Baumveteranen.
Ich versuche mir den beschaulichen Ort im Jagdgetuemmel vorzustellen. Ein bisschen beängstigend, wenn nicht die vertrauten Strassengeraeusche der Jetztzeit durch die kahle Baumkulisse dringen würden.
Dann ein eisernes Türchen, das wieder geschlossen werden soll, um die Wildkaninchen fern zuhalten. Immerhin gibt’s noch Kaninchen, wenn Rehe&Co schon nicht mehr vor Ort sind.
Nun wirds aber hell und Licht: Die liebliche Luise in mütterlicher Schoenheit überstrahlt das Rondell hinüber zu ihrem ebenfalls weißen Wilhelm.
Das war’s dann für diesen Dezembertag. Es gibt noch mehr versteinerte Dichter, Denker, Musiker zu entdecken. Das nächste Mal. Mir wird’s gerade zu viel mit der deutschen Geschichte.
Wenige Minuten später umarmt uns der Potsdamer Platz mit seinen winterlich vermummten 2025’er Gestalten. Wir waren einfach mal so ein bisschen auf Zeitreise, Zeitreisende.
In solchen Momenten ist Geschichte für mich tatsächlich nicht mehr nur Geschichte, sie geht mir buchstäblich unter die Haut. Das Gefühl, dass das alles ganz nah und noch lebendig ist, das bleibt für eine ganze Weile…
Anpassung. Aktiv oder passiv oder doch Widerstand? Widerstand passt besser zu mir, aber Anpassung kann ich auch. Leider oder Überlebenschance?
Mein Körper passt sich der Draussenwelt an. Undurchschaubares Chaos. Spiegelt sich wieder mal das Große Ganze im Mikrokosmos? Was will mir der Spiegel sagen? “Es ist halt so, nimm’s hin!” oder “Chaos ist die Chance für Neugeburt”…
Ich war so glücklich, bevor mal wieder die wilde Achterbahnfahrt begann. Doch wer weiß wozu die Turbobahn gut ist.
Aber, das Glück ist nachhaltig und noch immer abrufbar.
Mein Verhältnis zu Musik ist sicher sehr speziell. Und ganz besonders das zur Klassik. Denn da sind es an erster Stelle die Dirigenten, die mich begeistern. Der Dirigent ist für mich eigentlich noch wichtiger als das Werk, das erklingt.
Sir Simon Rattle begeistert mich seit der ersten Begegnung in der Berliner Philharmonie. Eine Begeisterung, die über die Jahre wuchs und kein bißchen abnahm. Noch immer schade, dass er nicht mehr der Chef im Hause ist.
Für mich ist er ein Magier, der mit dem Orchester und dem Werk zaubert, so dass immer etwas Großartiges daraus wird. Ein Verschmelzen von Komposition, Musikern und Dirigenten zu etwas Einzigartigem, was weder Gefühl noch Ratio allein beschreiben können. Als Zuhörer und Zuschauer verschmelze ich rasch selbst mit dem Ganzen. Es lebe der Magier am Dirigentenpult!
Vor ein paar Tagen habe ich das weibliche Äquivalent erlebt, entdeckt. Und es war genauso großartig wie ein Rattle mit Mahler. Joana Mallwitz dirigierte Brahms 1. Sinfonie. Da stand eine vor innerer und äußerer Kraft strotzende Elfe am Dirigentenpult. Und ihre Heerscharen zauberten mit. Bannten alle in ihren magischen Kreis. Die gleiche Strahlkraft, die gleiche Intensität wie beim Magier Rattle. Nur eben mit weiblichem Potential. Ein wenig weicher, fast ein bißchen tänzerisch im Ausdruck, oft ganz stark verinnerlicht und schnell wieder den äußeren Bogen findend. Souverän in beiden Gesten. „Mein“ Magier“ hat seine Entsprechung gefunden die zaubernde Elfe.
Ich war so glücklich dabei gewesen zu sein, das hautnah erleben zu dürfen. Mit meinem Dirigenten-Tick natürlich von der Chorempore, von Angesicht zu Angesicht mit Dirigentin und Orchester.
Joana Mallwitz ist nun schon die zweite Saison Chefin des Konzerthausorchesters. So lange und mehrere Anlaeufe habe ich gebraucht, um sie erleben und entdecken zu dürfen.
Da war dann auch noch die Einführung: die Dirigentin persönlich am Flügel. Ich bin kein Fan von Einführungen, war aber einfach nur neugierig auf die nun schon nicht mehr ganz Neue. Was hätte ich verpasst, wenn ich mir treu geblieben wäre. Charmant, von einnehmender Natürlichkeit, plaudernd über Brahms sein Werk und sein Leben, hingebungsvoll Passagen spielend, war das eine Vorahnung von der Magie, die dann folgte. Schon diese halbe Stunde allein, wäre den Abend wert gewesen.
Noch ganz benommen von dem Erlebten, stehe ich später auf dem Gendarmenmarkt. Hinter mir das strahlende Konzerthaus, vor mir weiße Zeltspitzen mit leuchtenden Sternen, der Deutsche Dom von Farben verwandelt – ein paar Schritte weiter bin ich im Markttrubel samt einem bilderbuchvollkommenen riesigen Weihnachtsbaum. Das erste Mal wieder Weihnachtsmarkt auf dem angestammten Gendarmenmarkt. Lag es an meiner anhaltenden Verzauberung oder ist da wirklich etwas gelungen, was sich wie Weihnachtszauber anfühlt? Trotz vieler Menschen nicht hektisch laut, Stände zum gern hinschauen, kulinarische Verlockungen, berührt werden von lebendigen Engeln und majestätischen Stelzenläufern, dazu ein rundum gelungenes Ambiente. Wäre es nicht so gewesen, ich hätte schnellstens die Flucht ergriffen. Ich bin geblieben, ein Stündchen, so dankbar das alles nahezu vor der Haustür zu haben. Ein Abend und zweimal Berlin im Glück. Pathos muss auch mal sein.
Das Leben ist eine Achterbahn. Oder fährt es mit mir Achterbahn? Ist ja auch egal. Seit dieser Woche spukt das Achterbahnbild nun endgültig in meinem Kopf herum.
Die Woche begann entspannt mit Backen, Päckchen packen und eben jene auf denn Weg bringen. Ich bin bis heute froh, dass ich inzwischen Zeit und Muse für solche aufwendigen Aktionen habe. Vor allem Muse.
Einen Tag später der Feldenkraiskurs. Nachdem fühle ich mich physisch und auch sonst immer neu sortiert. Also, in dem Sinne „Jetzt ist alles wieder an seinem Platz“. War auch so.
Doch am nächsten Morgen weiß ich vor Schmerzen nicht wie ich aus dem Bett kommen soll. Das erste Mal seit Jahren ist bei der Sortiererei offenbar etwas schief gegangen. Ich glaube der berühmte Hexenschuss fühlt sich so an.
Trotzdem schaffe ich es bis zum Schreibtisch, um einen längeren Brief zu schreiben, der mich seit Tagen beschäftigt. Es wurden fünf Seiten und ich bin erleichtert, das Gedankengewimmel nun sortiert auf dem Papier stehen zu haben.
Noch einen Tag später muss ich überlegen, ob ich den Weg bis zur Schwimmhalle im unveränderten Zustand schaffe. Die Hausmittel haben immer nur kurzzeitig geholfen. Mir gelingt es, irgendwie. Im Wasser sind die Schmerzen der letzten zwei Tag wie ausgelöscht. Ich bin glücklich und komme auch fast ohne Schmerzen wieder nach Hause. Und bin froh, dass ich meine Konzertkarte für den Abend, nicht verfallen lassen zu müssen. Was für ein Glück!
Noch buchstäblich berauscht vom letzten Abend, haben mich am nächsten Morgen die Schmerzen wieder fest im Griff. Ich schaffe es, Morgens um Sieben die Waschmaschine anzustellen und falle gerädert wieder ins Bett. Als ich endlich wieder auf die Beine komme, fließt ein Bächlein im Bad. Ich habe noch nicht ganz realisiert, was los ist, da klingelt es an der Wohnungstür. Bei der Nachbarin unten drunter tropft es von der Decke. Was zuerst tun? Natürlich den Hauptwasserhahn zudrehen. Die Hausverwaltung anrufen, die zuständige Kollegin ist nicht da und wird zurück rufen. Gleichzeitig klingelt es wieder an der Tür, das Wasser käme jetzt aus der Lampenfassung…Es ist Freitag, wie lange warte ich noch. Später kommt nur noch der Notdienst. Ich finde jemanden, der in kurzer Zeit kommen wird und bin erst mal erleichtert. Ahnungslos, wo das Problem liegt, bange ich, was sonst noch passieren könnte. Irgendwann meldet sich die Hausverwaltung und bestätigt mir, alles richtig gemacht zu haben. Es ist Nachmittag bis das verkalkt, verstopfte Rohr hochdruckgereinigt ist. Nur eine Wasserstelle bleibt mangels passender Ersatzteile gesperrt, das soll heute erledigt werden. Hoffentlich!
Die Rechnung ein Schock. Astronomisch vierstellig und zwangsweise sofort bezahlt. Ein Glück, dass die Dezemberrente schon überwiesen war. Nun bete ich, dass ich mein nicht vorhandenes Geld zurückbekomme …und die Schmerzen doch noch mal endgültig aufhören.
Um zur Achterbahn zurück zu kommen: Zuerst das langsame und auf luftige Höhe hochgezogen werden – voller freudiger Erwartung. Dann das rasante Auf und Ab mit viel Kribbeln im Bauch. Nun frage ich mich, ob ich in dieser Achterbahn saß, bei der die Bremsen nicht mehr funktionierten. Ist schon vorgekommen…
Trotzalledem: Ich bin bis heute kein Rummelfan, aber Achterbahnen habe ich immer geliebt.
Ich frage mich: Steht diese eine Woche für meine gesamte Lebenskurve? Oder überhaupt für Lebenskurven.
Allen eine fröhliche Achterbahnfahrt in den 1. Advent!
Mit Phänomenen ist das so eine Sache. In der Quintessenz geht es darum, etwas aus der augenblicklichen Wahrnehmung zu beschreiben. So objektiv wie nur möglich, was gar nicht so einfach ist. Denn letztlich nimmt ja doch ein individuelles Ich aus seiner Perspektive wahr. Und wenn es um Menschliches geht, wird schnell ein (unbeabsichtigtes) Urteilen gefühlt.
Es kann sich bei den Phänomenen durchaus auch um ein inneres Erlebnis handeln. Doch meist begegnen uns Phänomene eher im Außen: In der Natur, in unserer Umgebung, aber auch im gesellschaftlichen und sozialen Kontext.
Mich bringen Phänomene, einmal entdeckt, eher zum Staunen. So ungefähr: „Was geschieht denn da? Was spricht sich aus?“
Ich muss jetzt mal ein Erlebnis aus jüngster Zeit beschreiben. Ich bin mir sicher, schon mal irgendwann an dieser Stelle über unsere psychologisierte Gesellschaft geschrieben zu haben. Bei Gesprächsversuchen darüber bin ich stets ins Leere gelaufen oder habe massive Ablehnung erfahren. Im Sinne ‚Ist doch gut so‘ oder ‚Du übertreibst‘ oder ‘Wird Zeit, dass das Normalität geworden ist’.
Jetzt gelangte eine “Die Zeit“-Ausgabe der letzten Wochen auf meinen Tisch. Titelthema: „Haben denn alle ein Trauma?“ Spannend.
ZEHN TAGE SPÄTER , ICH MUSSTE MiTTENDRIN AUFHÖREN:
Das nächste Phänomen passiert. Das Thema hat mich selbst voll am Angelhaken.
Die allgegenwärtigen Traumata scheinen sich atmosphärisch zu verdichten.
In einer größeren Runde versuche ich ein Thema ins Gespräch zu bringen, dass mich selbst sehr beschäftigt. Aber eben nicht nur mich. Es ist ein Ost-Thema.* Mir gelingt es nicht, mich verständlich zu machen. Und schon habe ich zwei Plaketten am Hals mit der Aufschrift ‘Trauma’.
Ich glaube jetzt habe ich ‘In Echt’ ein Trauma-Trauma…