Ritterspiele

Es ist schlagartig irgendwie still geworden. Wieder mal vorbei die Ritterspiele der Neuzeit, Fußball genannt. Der Tanz um den Ball, die Helden oft mit martialischer Bemalung. Was einst im Umfeld der Fürstentümer und Königreiche europaweit zelebriert wurde, hat heute weltumspannenden Charakter. Und kann im nahezu letzten Winkel verfolgt und kommentiert werden. Die Welt spielt miteinander. Und das ganz große Geld spielt mit.

Die Pferde bleiben im Stall. Die Rüstungen sind farbenfroh. Ball und Beine dominieren die Arena. Kilometer im rasenden Tempo und werden gefordert. Die Spieler sind Athleten, sind Akrobaten Par excellence. Bewegen sich zwischen Heavy Metal und Ballett. Und werden um ihrer Qualitäten, und nicht zu vergessen, um ihrer Schönheit Willen verehrt und begehrt. Wie einst. Die Herausragenden, längst sind sie Ikonen – weltweit. Ihre Namen in aller Munde.

Am Ende der Spiele steht der derzeit gefährlichste Clown der Welt mit ihnen auf dem Siegerpodest. Und will den friedlichen Sportlerrittern nicht von der Seite weichen.

Das Bild der harmonisch Vereinten Nationen, bunt auf grünem Rasen, verzerrt sich für mich.

Doch es hatte anno 2026 auch schon Ausfälle und Attacken auf dem Rasen gegeben. Wider den Sportsgeist. In dieser Art ziemlich neu.

Ich hoffe noch immer, dass diese Ritterspiele des 21. Jahrhunderts helfen können die Welt zu befrieden. Es scheint erst mal andersherum zu gehen. Nicht nur die Kriege auch das Kriegerische greifen im Alltag zunehmend Raum…

Bleiben es noch SPIELE? Alle guten Geister dieser Welt bitte bitte bemächtigt Euch dieser!!!

Helft Trainerleistungen würdevoll zu analysieren. Einen Messi oder Neuer und wem noch alles alle Ehre zu gönnen und den neuen jungen Helden, wie einem Yamal, den Weg zu bereiten.

Die Welt und der Fußball können so schön sein – Wettkampf, aber friedlich. Nach Regeln, die Helden machen in bunten Kniestrümpfen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich bisschen träume ich trotzdem noch immer von stolzen Rittern auf schönen Pferden. Vergessend die Kriegskunst, vertrauend auf Helden, die Gerechtigkeit und Liebe in die Welt bringen. Den Gral eben.

So sehen Sieger aus und stolze Spanier

Im Presslufthammer-Sound

Presslufthammer-Sound seit Punkt 7 Uhr. Ein wenig später das lautstarke Zischen der Motorsäge. Ein Mensch verschwindet samt Kabine im dichten Blätterwald der riesigen Linde. Eine Schaufel arbeitet sich durch den Sand. Welch lieblicher Klang. Das Geräusch eines handgeführten Riesenhammers – Nostalgie. Die Vögel haben es aufgegeben die Sonne anzusingen. So klingt das Sommerkonzert am Großstadtsee. Ein Jahr und acht Monate mit zwei Winterzwangspausen. Still ruhte da der Stadtsee mal wieder. Aber jetzt geht’s voran mit starkem Sound. Verheißungsvolle Normalität.

Bald auf dem Fußweg kein Radfahrerterror mehr. Hoffentlich.

Am Himmel übt der Mauersegler-Nachwuchs für die Rückreise. Der Wind flüstert in den Blättern, schaukelt sanft das Wasser. Familie Schwan ist noch nicht in Sichtweite. Sie sind zu Siebt unterwegs. Es sollen am Anfang zehn gewesen sein. Also acht Kinder ausgebrütet nach jahrelangem Misserfolg. Umso erfolgreicher war der Fuchs, wahrscheinlich auch in diesem Jahr ist er kein Hungerleider. Einsam liegt ein umgefallener Baum am Ufer. Es ist Sommer in der Großstadt…

…und ich diskutiere mit der Dreizehnjährigen die Filmwahl für den Nachmittag. Die Wünsche diametral. Wir haben den Kompromiss gefunden. Wahrscheinlich. Plus schlabberigen Bubbel Tea.

Seesperre für mich. Mein Tempel im grünen Waldsaum unerreichbar. Wird schon wieder, irgendwann und -wie.

Sommer-Moment-Aufnahmen

Sonnige Fahrt…

…ins Ungewisse. Ankunft in der Welt neben der Welt. Ankunft in einer mehr als vertrauten Welt. Und der vertrauten Warteschleife. Der Blick auf Baumkronenhoehe geht über Dächer zu einer einsamen Kirchturmspitze hinter weißen Neubauten.

Warten auf Gewissheiten. Ich kann schlecht mit Ungewissheiten.

Mit Gewissheiten jeder Art habe ich kein Problem. Ich kann mich einrichten.

Ungewissheiten laehmen.

Gelassenheit gelingt. Aber ich spüre auch meine Grenzen. Die Elfte der zwölf Tugenden ist gefragt: Geduld. Die Ohnmacht aushalten, sich stärken mit der Gewissheit, dass alles einen Sinn hat und dem Wissen, dass dass Auflösung und Erlösung dem Nichts-Mehr-Machen-Können folgen werden.

Es geht wieder mal um viel.

Um alles.

Na, mal sehen.

Das Baumkronenpanorama hebt die Stimmung. Die Stimmung zwischen Erlösung aus der Ungewissheit, die näher kommt. Und der Chance für eine ganz neue individuelle Ortsbestimmung.

Auf denn!

Zimmer 35.

In Steglitz.

Maskenpflicht.

1b

Kryptischer geht’s nicht.

Die Hitze am Zügel halten…

…,wenn ich das könnte, dann wären wir, die zwölf Monate und ich, ein Paar. Sozusagen der Himmel und ich…im Größenwahn.

Wunsch-Temperaturen, bei denen die Veilchen blühen, das Seewasser gemütlich wird und irgendwann sich auch die Bäume bunt färben. Auf den Rest kann ich getrost verzichten.

Vergangene Woche gab’s hier so ein Lieblingswetter, das Lust auf mehr macht. Da fällt es leicht, sich auf den Weg zu machen und die sommerliche Großstadt zu genießen.

Ich bin nicht im Überangebot versunken, dafür im Sprühnebel. So etwas kann Kunst auch. Und ist noch eine Weile in der Neuen Nationalgalerie zu genießen. Verantwortlich dafür Fujiko Nakaya aus Japan. Ich bin gern im Skulpturengarten der Neuen Nationalgalerie, zur Zeit besonders, da das Gold der japanischen Skulpturen im Wasserbecken durch den feuchten Nebel schimmert.

Ein paar Bushaltestellen weiter wird es noch internationaler. Auf den Stufen, unter den Säulen des Deutschen Doms hat sich die Welt vereint: Classic Open Air auf dem Gendarmenmarkt. Joanna Mallwitz dirigiert Gershwin. „Ein Amerikaner in Paris“ gesellt sich zu uns. Unter anderem.

Auf den Stufen haben sich die vereinten Nichtselbstzahler der Welt versammelt. Sie lauschen und klatschen, wie die hinter den perfekten Sichtschutzwaenden. Die müssen noch schauen. Während die Stufenhocker sich nebenbei auf ihre teilweise köstlichen Picknick-Setups konzentrieren und dabei den Klängen lauschen können.

Beim Weitergehen wird das ganze Ausmaß der Zaungäste rund um den Gendarmenmarkt ersichtlich. Keine Stehplätze mehr neben all den Campinghockern und -tischen…

Langsam ergreift die Sommernacht vom Szenario Besitz…es wird kühler auch ohne Sprühnebel.

Wie gesagt, so könnte es bleiben.

In Skulpturengarten anno 7/26

Zahlenwahn

Dreißig Prozent Regenwahrscheinlichkeit. Schön und gut. Wenn überhaupt hätte ich gern gewusst, wann mich die Regenwolke auf meinem Weg einholt. Oder meinen Weg nur kurz berührt. Und wenn schon Zahlen, dann bitte wie lange es regnen wird. Ansonsten kann ich verzichten und lasse mich gern überraschen.

Es ist wieder soweit: Wahlen rücken gnadenlos auf uns zu. Ich hätte mir gewünscht, dass die derzeitigen Macher, egal wo, noch eine ganze Weile an ihren Aufgaben wachsen und die Ergebnisse ihrer Arbeit mit ihnen. Zum Allgemeinwohl. Sicher unsere Zeit ist schnelllebig. Doch vieles braucht auch heute einen langen Atem zum Wachsen. Wie ein Baum. Die uralten Baumriesen zeigen Schönheit, Stärke und Widerstandskraft – erworben über viele Jahre. Und unsere Politiker? Gerade angefangen an ihren Herausforderungen zu wachsen, wird nach neuen Köpfen geschrien. Die werden es kaum besser in der Kürze der Zeit zustande bringen. Aber täglich jagen die Prozente über Bildschirme und bedrucktes Papier. Wie soll da Kompetenz wachsen? Sachkompetenz, an der ich gern teilhaben möchte. Also bitte kurz und übersichtlich: Was wurde erledigt, was angefangen, was konnte (noch) nicht ausreichend angepackt werden. Und warum. Was ist der nächste Schritt. Diese Wahlen-Zahlen-Spektakel machen mich wütend. Demokratie das alles? Wer wirklich konstruktiv mitreden möchte, sollte das tun. Aber auf der Strasse schreien? Ohne allseitige Kompromissbereitschaft, wird unserem Großen Ganzen nicht weiter geholfen. Neben guten Ideen braucht‘s Langmut und Langzeit. Mit den Zahlen werden Schattengefechte ausgetragen.

Prozente, Statistiken, Grafiken, nicht zu sprechen von endlosen Kontonummern, Rechnungszahlen, Codes usw. usf. Zahlengebilde, die nicht mehr zu beherrschen sind, die mich beherrschen. Allmählich packt mich der Verfolgungswahn.

Mich allein? Oder habe ich da Gesellschaft? Ansonsten lasse ich mich lieber von Worten umarmen, umschmeicheln oder sogar terrorisieren. Das ist Leben drin, während mich eiskalte Tabellen und Zahlenkolonnen nur anstarren und das Blut gefrieren lassen. Nein, ich lasse mich nicht in den Wahnsinn treiben.

Ich bin HUNDERT Prozent für eine immer lebenswertere Gesellschaft. Und TAUSEND Prozent für das Wachstum der menschlichen Fähigkeiten.

Die Beiden haben Glück und Bambus und werden nicht von Zahlenformationen, Zahlenkolonnen und Statistiken verfolgt…😂

Fast-40-Grad-Trägheit

Ein bißchen malen, ein bißchen schreiben, im See schwimmen. In- und Unterwasser- Konversation mit den Enkel/Innen. Nachdenken, denken, festhalten wollen, was die Hitze davon schmelzen lässt.

Die Pflanzen auf dem Balkon immer mal wieder wässern. Der Balkon, mein egoistischer Urwald. In diesem Jahr besonders eigenwillig. Von unten ist nicht viel zu sehen. Aber der Himmel mit seinen vielen Geschöpfen nimmt Anteil.

Krähen, Mauersegler, der Reiher, der ab und zu einen Rundflug startet… und vielleicht auch ein paar Engel. Vielleicht…

Die Sonne, eigenwillig wie sie ist, hält unerschütterlich stand und prüft unsere Grenzen. Noch haben die Regenwolken keine Chance.

Im Drinnen, muss den wehenden Lüftchen auf die Beine geholfen werden, man nennt es wohl Durchzug.

Um Verzeihen bittend zaubert die Sonne, traumschöne Schattenbilder auf den Vorhang, der sie fern halten soll.

Ganz viel heißersehnter Sommer im Juni. Ein Versprechen? Wofür?

Kann ja sein, dass wir miteinander verschmelzen…

Der Nussbaum…

…tanzt. Die Zweige um den Stamm herum. Die Schatten tanzen mit. Auch meine Seele, von der Juni-Sonne gewärmt, tanzt. Noch sind sie grün die Nüsse, gut getarnt zwischen den Blättern.

Wenn sie soweit sind, wenn sie zartbraun sind, fallen sie uns vor die Füße…die Walnüsse.

Jetzt erst stellen sie sich uns zur Verfügung. Wir dürfen. Ihre Kraft wird unsere Kraft. Frühling und Sommer bringen uns ueber Herbst und Winter.

Luxus

An einem frühen Spätfruehlingsmorgen:

Der Park gehört den Herrchen und Frauchen nebst Anhang, den Joggern, einigen (Kinder)WagenfuehreInnen. Und den Vögeln, den Enten und Schwänen mit ihrem Nachwuchs. Die Spielplätze entvölkert…nur die Wagenbesatzungen in Guten-Morgen-Laune brabbeln vergnügt vor sich hin. Sonst eine zutiefst fühlbare Stille. Die laute hektische Großstadt keine fünf Gehminuten entfernt.

Die uralten Baumriesen lächeln mit mir um die Wette. Für einen langen Augenblick gehört der Park mir.

Sommernachtsträume

Sommerlich warmer Frühling. Offene Fenster. 22 Uhr und immer noch nicht ganz dunkel. Die Mücke hat es geschafft, mich unter dem Auge zu erwischen.

Ich habe es auch geschafft und bin Gestern trotzdem im Dunkeln nach Hause gegangen. Penetranter Weise habe ich mir die Sommernacht im ganz Drinnen angetan. Mit großem Vergnügen in der Deutschen Oper. Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“. Endlich habe ich die wüsten Verwirrspiele der Waldgeister durchschaut. Es war so schön übersichtlich in karger Kulisse, so richtig für Erwachsene. Gezaubert hat die Musik. Und die kam so richtig zur Geltung in Gesellschaft der weißgrauen Geisterwesen.

So schön kann „A Midsummer Night‘s Dream“ sein. Eine zauberhafte Inszenierung. Jetzt spuken keine wunderbunten Mittsommernachtsträume auf Schauspielbühnen mehr in meinen Kopf herum.

Es kann Mittsommer werden!

Wenn nur die Mücken nicht wären…

Der letzte Tag im Mai

Der letzte Tag im Mai, schon beinah Sommer, aber immer noch Frühling…ein besonderer Tag finde ich. Wie oft bin ich an diesem Tag im stillen oder bewegten Wasser geschwommen. Oft das erste Mal im Jahr, manchmal schon öfter bis dahin. Meine Lieblingsjahreszeit bevor es gnadenlos heiß wird.

Vor einem Jahr habe ich von einem Balkon auf ein hellblaues Blütenmeer geschaut. Ein unglaublicher Anblick, den ich nie vergessen werde. Málaga, Andalusien, an der Straße von Gibraltar. Bin ich im Mittelmeer an diesem Tag geschwommen? Ich weiß es nicht mehr. Meine beiden Begleiter(innen) hatten nicht so viel mit dem Wasser im Sinn.

Ich bin losgegangen, um ein paar Frühstücksleckereien zu besorgen. Mit meinen Spanisch-Unkenntnissen und meinem Großeinkauf habe ich eine beachtliche Schlange gezaubert. Ein freundliches „Sorry“ und ich habe mich aus dem Staub gemacht. Bin mit meiner duftenden Last durch die zauberhafte Altstadt gebummelt. Es roch nach Meer und Frühling…und dann hatte ich mich verlaufen. Zwei Ecken, die sich ähnelten und ich war weit weg von meinem Ziel. Ein Taxi war die Rettung und auch noch sehr günstig. Die Beiden da oben über den blauen Blüten hatten sich schon Gedanken gemacht. Ein schöner Empfang, ich war glücklich, wir waren schwatzend beisammen.

Der Tag endete mit einem Candlelight-Klavierkonzert in einem alten Kloster und dann noch in schwindelnder Hochhaushöhe mit einem mitternächtlichen Blick aufs Meer…Auch rückblickend noch mal ein Dankeschön an die Ideenhaber und Verwirklicher dieser schönen Zeit.

So begann mein letztes Vierteljahrhundert. Es könnte ein sehr bewegender Schlussaccord gewesen sein.

Doch nun ist das erste Jahr danach vorbei. Ein bewegtes und bewegendes Jahr. Mit der ganzen Pallette der Möglichkeiten zwischen Hoch und Tief.

Die zwei jüngsten Enkel wachsen heran in ihre eigene Welt. Das ist aufregend und spannend, schon allein beim Zuschauen. Wie schön, dass ich noch dabei sein darf.

Doch die Familie bleibt ein schwieriges Thema. Mein Schicksal…Wie auch immer, ich bin am Lernen und werde nicht alle Rätsel lösen können. Vielleicht in einem nächsten Leben. Jetzt fällt es mir nicht gerade leicht. Doch meine Lust am Ideenhaben und am Kreativsein ist ungebrochen. Damit lässt es sich leben…

Im Schlachtensee bin ich Gestern mit meiner Enkeltochter geschwommen…nichts als Wald und Wasser und Schwäne und vorwitzige Enten. Lebensfreude pur.

Mal sehen was ist, wenn das Kalenderblatt wieder einen letzten Tag im Mai anzeigt…