Hervorgehoben

Mutprobe 2020

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Der letzte unglaubliche Vollmond im Regenbogen 2019, in Berlin fotografiert  und der Mond am Neujahrsabend 2020 in Potsdam nahe der Nikolaikirche. Mein Auge und meine Seele können sich nicht sattsehen. Schönheit… ist das die himmlische Botschaft für uns?! Für mich würde das passen für dieses Jahr mit der Null am Ende, die auch in meiner Biografie erscheinen wird.

Mut zur Schönheit?!? Was könnte das so alles heißen?

Für mich, für die große, weite Welt…

Warum können wir nicht in einer Welt voller Schönheit leben und auch selbst immer schöner werden, innen und außen. Tagträume, die von dem Grauen in der Ferne und durchaus auch in der Nähe gebrochen werden. So gern würde ich mich diesen Träumen hingeben. Doch was soll’s.

Ich frage mich also: Wie könnte ich in diesem runden Jahr der Schönheit auf die Sprünge helfen?

Die einfachste Antwort: Ganz bestimmt weiter mit aller Naivität an das Schöne und Gute glauben.

Und: Reden, mit Euch allen!!! Das wäre meine Idee, mutiger auf das Gespräch zuzugehen, es immer wieder versuchen. Anecken, damit es vorwärts geht.

Und daß ich mich nicht allzu oft in meine Klosterzelle hoch über dem See zurückzuziehe.

Bitte, geht nicht gleich zwei Schritt zurück, wenn ich mal wieder heftig oder zu deutlich werde. Da steckt nichts Böses dahinter.* Das bin ich, freilich noch immer in der Entwicklung begriffen. Sonst würde es doch schrecklich langweilig in den letzten Lebensjahren, ohne Stolpern und all das.

Schönheit will gesehen werden und braucht Zeit, ein paar Momente wenigstens. Ich stand mitten auf dem Fußweg, habe endlos zum Himmel zu diesem Vollmond geschaut, der im Regenbogen badet. Da war nicht einer, der auch nur mal kurz meinen Blicken gefolgt wäre. Lasst uns doch zusammen entdecken, uns entdecken, ich finde das viel spannender als in der Welt herumzureisen.

Doch auch diesbezüglich stehen bei mir Mutproben ins Haus.

Auf geht’s, kommt Ihr mit? Ach bitte, seid doch so mutig Euch zu zeigen: Eure Schönheit, die Schönheiten, die uns täglich umgeben. Und auch die Schatten. Die gehören dazu. Ich versuche es auch. Bis bald!

* Ich werde mich bemühen hier auf diesem Platz, ein paar solche Themen mit Zündstoff anzubieten… Inzwischen habe ich gemerkt, dass der „Kitsch“ vom 31.12. 2019 auch nicht so ohne ist.

 

Dafür…

…und nicht dagegen. So ungefähr klingt meine Weihnachts‘botschaft‚ an alle, die mir die Treue halten. Sobald ich gegen etwas bin, provoziere ich Widerstand, daraus entstehen unter Umständen Gewaltsamkeiten in Wort und Tat.

Ja, ich werde immer Gegner haben, wahrscheinlich geht es den meisten von uns so. Sei’s drum. DAFÜR heißt nicht alles gut zu heißen, widerstandslos hinzunehmen, was nicht auszuhalten ist.

Mein Widerstand hat eine andere Form und heißt: ICH BIN DAFÜR.

Für das, was ich mit meinem Inneren vereinbaren kann, was ich gut heiße, was uns Menschen vielleicht ein bißchen weiterbringt. Ich bin für Miteinander und Füreinander. Ich bin für konstruktiven Streit und Freundlichkeit. Das Wort Liebe gerät mir im Moment schon etwas zu groß.

Ich bin für das Bedingungslose Grundeinkommen, dafür dass Volksabstimmungen auch in unserem Land möglich werden. Und dafür, dass wir unser Leben nicht von Ängsten bestimmen lassen, und dass jeder für sich daran arbeitet und wir uns dabei gegenseitig helfen. Dafür tue ich auch etwas, sehr gern. Dass das Gute, das in jedem lebt immer mehr Raum bekommt und sichtbar werden kann.

Und ich bin dafür, dass wir aus dem Unabänderlichen das Beste machen. Ich bin überzeugt, dass auch das möglich ist. Wenn Altgewohntes plötzlich nicht mehr geht, dürfen wir doch im Kleinen und Großen kreativ werden. Damit ein Neues Besseres daraus entsteht. Freilich, das kostet Kraft. Doch die ist gut eingesetzt.

Dafür bin ich – ein ziemlich frommer Wunsch an diesem Tag, dem 24. Dezember 2020

Frohe Weihnachten!

Gegenwart und…
…und Zukunft

Einfall

Da ist etwas über uns hereingefallen, was wir nicht haben wollen, ablehnen, bekämpfen, verleugnen… Etwas, das frustriert weil es stört, unsere Gewohnheiten durcheinander bringt, Angst macht, weil keiner weiß und auch nicht wissen kann wie es weiter geht.

Und nun macht es auch noch etwas mit unserem geliebten Weihnachtsfest, das Zusammensein, sich nahe sein, sich aneinander reiben – auch das-, verheißt.

Könnten wir nicht diesem Überfall mit Einfällen begegnen?

Ich finde, dass es nicht das Schlechteste ist, mal gewaltsam aus den Gewohnheiten herausgerissen zu werden. Die Variante lautet: Aus dem Ungewollten, Ungeliebten, Unabänderlichen noch etwas gewinnen, was gut ist. Da wäre es doch gut, Einfälle zu haben.

Wie kann aus Distanz dennoch Nähe werden?

Weihnachten das Leben feiern oder Raum, wenn nötig, für Trauer haben. Und zu wissen, dass alles zusammengehört.

All den Konsum, der das Fest in den letzten Jahren immer mehr dominiert hat, mal in Frage stellen. Und mir einfallen lassen, was mich wirklich bereichert und froher macht. Einfach so das Leben feiern, das , was wir haben. Und auch das feiern, was in dieser Nacht einst geboren wurde, das, was uns Menschen die Liebe bringen wollte, nein, will.

Familien sind schön und gut, geben Wärme und Geborgenheit, Verlässlichkeit – im besten Fall. Doch das ist durchaus nicht bei allen so. Und nicht alle haben noch diese wünschenswerte Familie im Hintergrund und sie leben allein. Auch zu Weihnachten. Schon seit Jahren.

Ich glaube, dass Liebe, im Familienkontext gegebenenfalls erlebt und geübt werden kann. Doch wenn wir darin befangen und gefangen sind, dann bleibt es fragwürdig. Neue Einfälle, besser Denkweisen wären hilfreich. Kann ich wirklich in meinem kleinen Reich glücklich feiern, wenn es drumherum so viel gibt, was nicht beglückend ist? Wie anders könnte ich auf Menschen um mich herum zugehen?

Und andersherum: Warum können Menschen nicht auch mit sich allein froh und glücklich sein und sich an sich und an der Schöpfung freuen. Auch bei diesem Gedanken spüre ich Liebe…

Wer spielt mit? Mit neuen Gedanken oder auch mal mit Bausteinen oder mit…in der Leichte des Spiels beginnt sich womöglich,
schon ein wenig die Welt zu verändern.

Die unsichtbare Burka

Es ist total verrückt: Eine Burka macht eine Frau nahezu unsichtbar. Sie selbst aber ist als Verhüllung-Instrumentarium gut sichtbar. Sie berührt uns – sehr unterschiedlich.

Es ist noch verrückter: Manchmal möchte ich mich in so ein Stück Stoff, ich sage bewusst nicht Kleidungsstück, hüllen. Unerkannt unter Menschen wandeln. Sehen und selbst nicht gesehen werden, ein bißchen ein Tarnkappen-Effekt. Doch wann und ob ich es tun würde, das entscheide ich selbst. Darin liegt der gravierende Unterschied. Denn normalerweise, wenn mir eine so verhüllte Menschin begegnet, erlebe ich durchdringendes Unbehagen, ein innerer Aufschrei. Trotzdem, kann sein, dass die Frau darin die Burka freiwillig und sogar gern trägt. Kann sein…

Jüngst in einem Gespräch mit einer Freundin über Frauen und weibliches Sein in unserer Gesellschaft, da kam mir das Bild der Burka in den Sinn. Die Frage war, warum sich Männer immer wieder besser zeigen und präsentieren können. Sie werden mehr im Sozialen und im gesellschaftlichen Kontext gesehen und gehört und profitieren davon reichlich. Dass es so ist, darüber waren wir uns einig. Wir hatten genügend eigenes Erleben aus langen Berufsjahren zur Hand.

Dass die jahrhundertalte Männerherrschaft wohl noch vieeeel Zeit braucht, um aus den Strukturen und Köpfen zu verschwinden, ist nur die eine Seite der Medaille. Doch da kam die Burka in den Sinn und die andere Seite der Medaille. Frauen sind auch ohne diese Ganzkörperbedeckung weltweit oft (fast) unsichtbar. Machen sie sich eventuell unsichtbar, auch ohne Burka? Freiwillig, unfreiwillig? Unbewusst?

Erklärungsversuche: Frauen leben weniger aus dem Präsenzwillen oder einem Machtbedürfnis heraus. Sie wägen mehr ab, leben stärker mit dem Sowohlalsauch. Daraus entsteht zwangsläufig mehr Zurückhaltung, die möglicherweise fast bis zur Unsichtbarkeit führt. Die unsichtbare Burka eben.

Währenddessen setzen sich die männlichen „Selbstdarsteller“ selbstverständlich in Szene. Es ist ihr Naturell. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Beides ist für mich keine Wertung, ich versuche so gut es geht, objektiv zu beschreiben.

Jedoch braucht unsere Gesellschaft beide Qualitäten dringend. Das Weibliche und das Männliche. Ein Widerspruch in sich. Wie könnten sich künftig das im Weiblichen stärker lebende allzu Menschliche, die Mühe um Wahrhaftigkeit und Empathie besser behaupten? Wie liesse sich die unfreiwillige Burka nachhaltig ablegen?

Wir kamen im Gespräch auch auf die Vorzüge männlicher Fähigkeiten. Männer sind oft klarer (auch, wenn genau hingeschaut, nichts klar ist). Aber Klarheit besitzt eine ziemliche Verführungskraft. Sie gründet sich in der Sehnsucht nach dem Wissenden, auch nach dem Guru, der einfach zu sagen weiß, wo es lang geht. Doch nichts ist einfach, das wäre meine Gewißheit.

Und sie sind strukturierter, die Männer. Auch das nimmt eher ein. Männer haben meist einen deutlichen Willen zur Macht, auch zum Tun, zum Gestalten, während Frauen oft im Wenn und Aber verschwinden. Da wäre sie wieder, die Burka, in diesem Fall ein nebeliger Schleier.

Quoten sind aus dieser Perspektive für mich nicht das Schlechteste, weil sie eben diese objektiven Unterschiede etwas ausgleichen können, ein Gleichgewicht organisieren, das eben nicht von allein entsteht.

Was wäre noch zu tun, was könnten wir Frauen tun, was anders machen? Die besseren Männer werden, dürfte nicht die Antwort sein – glaube ich.

Na ja, zu allererst ein Bewusstsein davon zu entwickeln und die Burka, wenn überhaupt, bewusster einsetzen.

Und überhaupt, Machtwille und hohes Verantwortungsbewusstsein müssen ein unzertrennliches Paar werden…

Die gleiche Farbe…zufällig entdeckt…zum Thema weiblich, männlich

(Ge)Macht mit Zahlen

Corona-Szenario nun fast seit einem Dreivierteljahr:

Täglich werden wir mit neuen Zahlenkolonnen überschüttet.

Die einen demonstrieren dagegen – und womit argumentieren sie?

Mit Zahlen. Und oft genug mit wüsten Argumenten in Form und Inhalt.

Menschlich ist das alles nicht. Nicht das Erstarren vor den Zahlen, nicht die Zahlen als Waffe in einem Kampf. Wofür oder wogegen eigentlich der Kampf? Das frage ich mich immer häufiger. Das alles ist für mich nicht menschenwürdig. Auch nicht die kriegerische Argumentation, inclusive physischer Gewalt. Dass auch der Polizei inzwischen öfter mal nichts Besseres einfällt, das kann ich sogar ein gut Stück nachvollziehen. Die Aggression nimmt zu.

Menschlichkeit statt Zahlen, wäre gut. Doch wie? Möglicherweise brauchen die Zahlen einige warme Worte mehr, die sie unterfüttern. Das wäre das Simpelste. Und dann weiterdenken. Gemeinsam laut, ich meine sprechend, nach guten Lösungen suchen und gleichzeitig Zukunftsideen für die Zeit danach entwickeln. Nicht irgendwann. Jetzt. Eine Agenda, die festhält, was das Land, die Menschen, die Welt dringend brauchen, um gut weiter leben zu können wie in den letzten 70 Jahren oder möglicherweise besser. Ohne Konsumwahn, ohne das die Wirtschaft bestimmende „Immer mehr“. Das wäre doch dran. So denkend kommen Klima und Umwelt fast von selbst in eine uns würdige und uns schützende Position.

Wem nützt das Gerangel um Macht, ums Besserwissen? Vielleicht einzelnen… Keiner weiß, was richtig ist und was kommen soll. Also brauchen wir konstruktive gute Ideen. Letztere verursachen eher keinen Schaden, aber potentiell Optismus und daraus die Kraft Gutes zu tun für dieses Welt. Das wäre für mich das Bessere, als laut zu schreien und Ängste zu pflegen.

Manchmal macht mir ein Gedicht die Welt wieder lichter und weiter. Heute Morgen geisterte in meinem Kopf Ingeborg Bachmanns Poem „An die Sonne“. Zum Beispiel…


» Schöner als der beachtliche Mond und sein geadeltes Licht,
Schöner als die Sterne, die berühmten Orden der Nacht,
Viel schöner als der feurige Auftritt eines Kometen
Und zu weit Schönrem berufen als jedes andre Gestirn,
Weil dein und mein Leben jeden Tag an ihr hängt, ist die Sonne.

Schöne Sonne, die aufgeht, ihr Werk nicht vergessen hat
und beendet, am schönsten im Sommer, wenn ein Tag
An den Küsten verdampft und ohne Kraft gespiegelt die Segel
Über dein Aug ziehn, bis du müde wirst und das letzte verkürzt.

Ohne die Sonne nimmt auch die Kunst wieder den Schleier,
Du erscheinst mir nicht mehr, und die See und der Sand,
Von Schatten gepeitscht, fliehen unter mein Lid.

Schönes Licht, das uns warm hält, bewahrt und wunderbar sorgt,
Daß ich wieder sehe und daß ich dich wiederseh!

Nichts Schönres unter der Sonne als unter der Sonne zu sein …

Nichts Schönres als den Stab im Wasser zu sehn und den Vogel oben,
Der seinen Flug überlegt, und unten die Fische im Schwarm,
Gefärbt, geformt, in die Welt gekommen mit einer Sendung von Licht,
Und den Umkreis zu sehn, das Geviert eines Felds, das Tausendeck meines Lands
Und das Kleid, das du angetan hast! Und dein Kleid, glockig und blau!

Schönes Blau, in dem die Pfauen spazieren und sich verneigen,
Blau der Fernen, der Zonen des Glücks mit den Wettern für mein Gefühl,
Blauer Zufall am Horizont! Und meine begeisterten Augen
Weiten sich wieder und blinken und brennen sich wund.

Schöne Sonne, der vom Staub noch die größte Bewundrung gebührt,
Drum werde ich nicht wegen dem Mond und den Sternen und nicht,
Weil die Nacht mit Kometen prahlt und in mir einen Narren sucht,
Sondern deinetwegen und bald endlos und wie um nichts sonst
Klage führen über den unabwendbaren Verlust meiner Augen. «

Schöner als der beachtliche Mond und universell

Handschriften

Hochgerechnet bekomme ich so etwa dreimal im Jahr einen schönen langen handgeschriebenen mehrere Seiten langen Brief. Zwei, drei Absender fallen mir dazu ein. Solch ein Brief ist ein kleines Fest. Irgendwann in einer stillen Minute wird er geöffnet. Ein gemütlicher Platz, eine Tasse Kaffee, vielleicht noch eine Kerze. Und dann beginnt das Lesen.

Ich freue mich an der so ganz besonderen Handschrift des Absenders, über die Mühe, die sie/er sich gemacht hat. Und darüber, dass da ein Mensch ist, der sein Leben und seine Gedanken mit mir teilt. Es ist wie eine wirkliche Begegnung, oft noch viel intensiver. Intensiver, da das Flüchtige des Alltags abgefallen ist. Weil ich mir die Zeit nehmen kann, die ich brauche, um Gelesenes zu verinnerlichen.

Solche Briefe verschwinden nicht in einer Cloud. Sie sind auf dem Schreibtisch noch lange Zeit anfassbar und lesbar. Und bleiben.

In einer Kellerkiste habe ich jüngst ein sorgfältig verschnürtes Bündel gefunden. Liebesbriefe. 50 Jahre und älter – natürlich handgeschrieben. Die Inhalte na ja, manchmal noch heute berührend, öfter Lächeln und Lachen provozierend. Das Bild der Briefeschreiber taucht vor meinem inneren Auge auf… Keine Ahnung, wo sie heute sind und wer sie geworden sind. Vielleicht alt, natürlich so alt wie ich selber.

In den letzten Jahren habe ich mir einen schönen Füller zugelegt, der leider auf dem noch schöneren Briefpapier kratzt. Meine guten Vorsätze habe ich vielleicht zwei-, dreimal in zwölf Monaten verwirklicht. Es ist immer wie ein Anlaufnehmen und dann oft schon in den Startlöchern hängenbleiben.

Warum eigentlich?

Ich brauche Zeit dafür, innere Ruhe, die kommt nicht von allein. Ich muss sie mir schaffen. Daran hapert es am meisten. Was sich nicht aktuell in den Vordergrund drängt, das bleibt liegen. Der Alltag fordert meist gewalttätig seinen Tribut. Und ich beuge mich. Whats App lässt grüßen.

Ich frage mich ‚Muß das so sein?‘ und ehe ich eine Antwort weiß, da hat er mich wieder in seinen Krallen, der Alltagswahn, gerade mal kurznachrichttauglich. Also kämpfen? Hmmm… Ich weiß nicht.

Auf jeden Fall nicht gegen die Chancen, die die Neuzeit-Medien bieten. Ich nutze sie auch gern. Doch bin ich auch für das Bewahrenswerte vom Alten.

Außerdem kann ich seit ehedem meine Gedanken einst mit Schreibmaschine und jetzt noch komfortabler am Bildschirm besser ordnen und formen.

Aber, es wäre doch jammerschade, wenn die Handschriften immer mehr aus unseren Alltag verschwinden. Wenn schon spätestens Fünftklässler am Bildschirm arbeiten, kommt ja jede Übung abhanden. Dabei ist es doch so spannend sich in der eigenen Schrift zu suchen und zu finden. Meine Handschrift hat sich im Laufe der Jahrzehnte mehrmals geändert. Ich kann sie ganz gut einzelnen Lebensabschnitten zuordnen. Erst sehr ordentlich, brav, schön nach rechts geneigt, später ziemlich wild, chaotisch, noch später die Suche nach einer neuen Ordnung.

Warum nicht die eingeschränkte Coronazeit zum Briefe schreiben nutzen. Mal wieder mit Füller, auf weißem Papier. Ehe wir es ganz verlernen und vergessen.

Ach, und überhaupt: Schreibt doch wenigstens Eure Liebesbriefe mit der eigenen Hand. Das wäre heute wahrscheinlich schon eine Liebeserklärung an sich. Und ich nehme an, daß Altes sich eher im Keller wiederfindet als in der überfüllten Cloud. Meinen Keller habe ich immer mal wieder, meist umzugsbedingt ausgemistet , da blieb halt nur Wesentliches erhalten.

Der November, der nun auch zu Ende geht. Ganz herzlich, Handschrift hat nicht geklappt…

Gewinnorientiert

Nee, es geht nicht ums liebe Geld. Es geht um Lebenssichten.

Ich kann locker bilanzieren, was das Leben mir seit langem und eben gerade jetzt verweigert. Negativ-Bilanz, das muß auch mal sein. Schon um herauszufinden, ob ich es denn wirklich brauche.

Aber es geht auch anders. Ich kann auch in der unerwünschtesten, scheußlichsten Situation schauen, was der Gewinn dabei ist. Den gibt es immer. Ja, wirklich. Ich stehe am Abgrund, an einem sehr persönlichen oder einem, den ich mit anderen teile. Taugt dann die Bitte, schnell wieder in vertraute gemütliche Fahrwasser einzutauchen. Ich glaube nicht. Denn in solchen Momenten steckt eine riesige Chance, sich menschlich weiter zu entwickeln und neue Fähigkeiten zu erwerben. Also, Potential genau in solchen Situationen dazu zu gewinnen.

In jeder Biographie gibt es solche Ereignisse, die die meisten von uns lieber in der Versenkung verschwinden lassen möchten. Aus Scham oder weil allein das Hinschauen schon weh tut. Wenn ich es nun aber doch tue, ganz bewusst und mit der Frage ‚Habe ich dabei etwas für mich Wichtiges gelernt?‘, dann könnte möglicherweise Licht in das Dunkel kommen. Oder ich merke, oh ja, da habe ich ja immer noch etwas zu tun.

Da es im Leben ja nicht ums Perfektsein und auch nicht um puren Genuss geht, könnte ich mich ja beim nächsten Mal mit einem ‚Oh nein, bloß nicht das!‘ sogar ein wenig freuen. Endlich kann ich mal wieder Grenzen abtasten, ausreizen, überschreiten. Meine höchstpersönlichen Grenzen. Mindestens werde ich um eine Erfahrung reicher. Gewinn pur.

Ich glaube, wir machen im Moment mit Corona alle solche Erfahrungen. Und ich glaube auch, dass das sogar gut ist. Weil zum Beispiel: Mehr denn je wird das Klima-Dilemma endlich wahrgenommen, wird unser luxuriöser Lebensstil hinterfragt (Ich habe nichts gegen Luxus und es sich gut gehen lassen), geraten Selbstverständlichkeiten wie Schule und was weiß ich ins Wackeln.

Die Übung, aus dem was ist und was ich habe, das beste zu machen hat für mich überhaupt nichts mit Verzicht und erzwungener Genügsamkeit zu tun. Für mich sind es Herausforderungen an meine Kreativität und Beweglichkeit. Ehrlich, genau das macht mir Spaß…und macht mich reicher. Ich will auf keinen Fall der Armut und der Bedürfnislosigkeit das Wort reden. Im Gegenteil. Aber ich möchte mich eher mit der Kreativität und Selbstverantwortung verbünden. Ich finde, dass diese verrückte Zeit uns an Schätze heranführt, die wir, davor stehend, nur noch ausbuddeln müssen.

Zum Beispiel: alle Facetten was Schule ist und sein könnte nach allen Richtungen neu durchdenken. Oder mit mir selbst ins Gespräch über Soll und Haben kommen: Wieviel an Menschlichkeit kann ich, wo muss ich intensiver üben. Wir haben jetzt mehr Zeit denn je, den zwölf Tugenden* bei uns höchstpersönlich auf den Zahn zu fühlen. Hoffentlich gewinnorientiert.

Spiegelungen und die Anstrengung und Freude Neues zu erringen, zu erreichen

*Heute mal alle 12 Tugenden ganz kurz und im Zusammenhang

(Die Sprachdiktion orientiert sich am mittelalterlichen Sprachgebrauch)

1. Starkmut durch Zucht:

Gemeint ist ein ICH-geführter Mut anstelle von Übermut/Leichtsinn und Tollkühnheit. Das setzt eine bewusste Entscheidung voraus.

2. Reinheit:

Wir würden heute von Wahrhaftigkeit sprechen. Das verlangt viel Reflexion und inneren Mut.

3. Milde:

Gemeint ist Güte. Vom Wesen her gütig sein und gütig, milde handeln, in der Welt agieren.

4. Treue:

Sie ist uns nicht selbstverständlich gegeben. Wenn wir an den Kleinen Prinzen denken – „Womit ich mich einmal verbunden habe…“ – dort sind wir auf dem richtigen Pfad

5. Das rechte Maß:

Es ist immer gefragt, muss sich mit fast allen Tugenden verbinden. Es geht darum, sich vor Extremen jeder Art zu hüten.

6. Sorge:

Heute macht man sich oft Sorgen um, sorgt sich weil…

Hier ist aber gemeint, das ich für das Tier, die Pflanze, den Menschen sorgen werde mit dem ich mich einmal verbunden habe. Mit mir ist zu „rechnen“ im besten Sinne. Also Aktivität ist gefragt.

7. Scham:

Scham hat hier nichts mit „vor Scham in der Erde versinken“ zu tun. Mit Scham ist konstruktive, aufbauende Selbstkritik gemeint. Wir machen alle Fehler und müssen sie machen, um zu lernen. Keiner hat das Recht, mich in die Ecke zu stellen. Auch ich mich selbst nicht.

8. Bescheidenheit:

Nicht: Ich bin ja so großzügig und will (fast) nichts für mich.

Sondern: Ich nehme mein Schicksal an und gehe meinen Weg mit dem was mir beschieden ist. Vom Leben, von den Göttern, von…

9. Stetigkeit:

Sie ist eng verbunden mit Treue und Sorge und meint Ausdauer. Auch: mein Kreuz tagtäglich auf mich nehmen in den Mühen des Alltags. Also treu bleiben, mich kümmern, dabei durchhalten…

Ich finde es bemerkenswert, dass sie erst die 9. von Zwölfen ist.

10. Demut:

Dazu gehört das christliche Bild der Fusswaschung. Und meint die unbedingte Achtung vor allem Sein, Dasein, vor jedem Mitmenschen, auch dann wenn es vielleicht schwer fällt. Das Sich-Beugen vor dem Göttlichen ist mehr als das vor einem Gott.

11. Geduld:

Gemeint ist aushalten und auch verharrend, wenn es nicht anders geht, durchzuhalten, etwas durchtragen . Ich muss nicht unbedingt duldsam sein, aber ich sollte auch Stillstand aushalten können, alles, wenn nötig aushalten können. Zu erkennen, wenn ich es nicht zwingen kann. Und dabei in meiner Mitte bleiben. Diese vermeintliche Ruhe verlangt hohe geistige Aktivität.

12. Minne:

In diesem schönen Wort steckt die Agape. Die selbstlose, bedingungslose Liebe, die nichts für sich will.

Oktober-Reflexionen

Ich hänge noch ein bißchen im Oktober. Mein Monatsbild wird zum ersten Mal nicht rechtzeitig fertig. Ich habe immer noch keine Lust auf Ab-17 Uhr-Dunkelheit. Und ich zähle jetzt schon die Monate bis es endlich wieder wärmer und heller wird. Und ich habe natürlich keine Lust auf Corona und Maskenzauber.

Alles nicht zu ändern. Ich fange also an, die Bilder der vergangenen Wochen und Monate in mir auferstehen zu lassen. Das Lächeln in meinem Gesicht lässt sich nicht verdrängen.

Mal rückwärts geschaut:

Vom letzten Tag der Möglichkeiten, dem 1. 11. 2020 entwickelt sich ein freundliches Bild eines großzügigen richtig schönem Buchhandlungs-Restaurants oder auch einer Restaurant-Buchhandlung direkt an der Spree. Meine Begleiterin fragt den freundlichen jungen Servierer wie es denn nun für ihn weitergehe. „Kurzarbeitergeld“ lautet die Antwort. „Na dann geht’s ja!“ „Nichts geht. Das sind 600 Euro und ich bezahle 550 Euro Miete.“ (Die Zahlen so etwa, ich stehe seit eh und je mit ihnen auf Kriegsfuss.) Er lächelt trotzdem weiter. Das nimmt die Spannung, aber nicht das Nachdenken über die unendlich Vielen, denen es so und schlechter geht. Für uns waren es trotzdem zwei schöne Stunden bei originell gutem Essen, die den nicht gerade geliebten November einläuteten.

Der Oktober beschert viele schöne Erinnerungs-Bilder. Der Weg durch den bunten Herbstpark an der linken Seite mein vierjähriger Enkel, seine kleine warme Hand vertrauensvoll in meiner, auf der rechten Seite die Siebenjährige, mein Arm auf ihrer Schulter. Erschöpft vom Spielplatztreiben schlendern wir gemütlich nach Hause.

Das muss reichen für viele graue sonnenarme Tage. Das Bild wird trübe Novemberstunden aufwärmen.

Doch weiter im Oktober: Ein Abend in der Deutschen Oper, „Lieblingsstücke“ hatte er versprochen und es war weit mehr. Ein Opernabend mit Arien querbeet durch das ganze Repertoire, erfrischend locker moderiert. Erwärmt haben den Abend für mich besonders die jungen Sänger, Opernstipendiaten und Neulinge im Ensemble der Deutschen Oper. Allesamt spielfreudig, rank und schlank anzusehen, fesselnde Stimmen. Wer sagt denn da, dass eine volle Stimme einen üppigen Resonanzboden braucht. Für mich war’s ein Gourmet-Abend.

Gourmet muss ja nicht immer sein, deshalb freue ich mich entspannt auf eine Fortsetzung irgendwann. Es gibt noch einen zweiten Teil.

Der Arvo-Pärth-Dokumentarfilm in Spielfilmlänge wurde für mich auch zum Segen und wird ebenfalls bleiben und nicht in irgendwelche innere Abgründe verschwinden. Das ist meine Musik.

Und, die Havel gehört mir, Entschuldigung. So viele sonnendurchflutete Spaziergänge mit anregenden Gesprächen und auch allein. Freilich auch das Schwimmen im Fluß. Diese Landschaft verzaubert mich seit Jahrzehnten.

Dieses Berlin hat so viele schöne Orte. Nicht zu letzt aktuell der Wesen gewordene Furor von Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof. Ich sehe da auch einen gewaltig kämpfenden Michael-Engel, der den bösen Geister Paroli bieten will. (Der Original-Titel: ‚It Wasn’t Us‘). Das vieldimensionale riesige Werk zeigt so viele Facetten zum lange und immer aus anderer Perspektive Hinschauen.

Ich merke: Da war so viel Nahrung aller Art, dass ein Corona-November gar nicht zum Verdauen reichen wird. Auch wenn die langgeplante und ersehnte Faust-Begegnung zum zweiten Mal aus gleichem Grund wie eine Seifenblase platzen musste.

Trotzdem: So gesehen, bleibe ich mir zuerst mal selber treu. Treue, das ist die vierte der zwölf Tugenden. Ich beginne mal wieder nachzudenken wie ich ansonsten treu bin…und schaue inzwischen schon etwas entspannter in die beginnende Dämmerung.

Katharina Grosse im Hamburger Bahnhof
…im Kontrast zur Novemberstimmung

Überdrüssig…

…bin ich all der Corona-Diskussionen. Sie könnten durchaus Freude (meine ich ernst) bereiten im gegenseitigen Zuhören, Verstehen, Erkennen. Im gemeinsamen sich Nähern, soweit es halt geht. Aber auch im Weiterdenken, im gedanklichen Zukunft erforschen. Aber: Die meisten Gespräche enden bevor sie überhaupt angefangen haben. Im besten Fall werden unterschiedliche Sichten, Standpunkte friedlich ausgetauscht. Ich bin überempfindlich geworden für diesen häufigen Hauch von Aggression.

Ich habe keinen Standpunkt. Nein habe ich nicht. Das Einzige, was ich versuche, das ist zu verstehen, zu begreifen, immer wieder neu zu schauen und wenn möglich maximal einen Zwischenstandpunkt zu definieren.

Die Vorstellung PolitikerIn zu sein ist gräßlich für mich. Da werden ständig Standpunkte abgefordert, Sicherheiten, Klarheiten, die es allesamt nicht, niemals gibt. Nicht nur in der heutigen Situation. Möglich ist doch einzig und allein, das augenblicklich Beste zu tun.

Wenn ich nur auf meiner Meinung beharre, wird der Andere immer Unrecht haben. Ich weiß nicht, ob es Politikern bewusst ist, wie sehr sie sich von solch unmöglichen Forderungen in die Enge treiben lassen und damit das offene Gespräch blockieren- das sie sich vielleicht auch (idealerweise) wünschen. Das Gespräch mit denen, die wirklich wollen. Da müsste der Machtwille in den Hintergrund treten und der Gestaltungswille an erste Stelle. Es ist einigermaßen beruhigend, wenn die Besseren, die nicht so sehr machtbesessenen die Macht in den Händen haben. Zumindest einer traue ich das weitgehend zu.

Freilich, die die im Hambacher Forst die Bäume besetzen, die werden auch mit Gewalt, Aggression vertrieben. Wieviel Hilflosigkeit gegenüber einer allgegenwärtigen Wirtschaft- und Finanzmacht wird dort sichtbar? Für alle Seiten…auch für die der Politik Machenden. Und dann gibt es noch die, die um Arbeitsplätze, sichere Existenzen und Lebensgrundlagen bangen.

Bleibt für mich am Ende nur die Frage wie schnell müssen, wie schnell können wir eine Gesellschaft demokratisch umgestalten??? Mit einem gesunden Maß an Pragmatismus und Idealismus.

Mir wird viel zu viel Wesentliches kaputt geredet, zerredet – wahrscheinlich rührt mein Überdruss daher.

Die beruhigende Verlässlichkeit der Natur
…und der alten Weisen, weisen Alten

Es war einmal oder Trotzkopf In The Age

Es war einmal ein langer Sommer, Farben, Wärme, Licht bis spät in den Abend, üppig wucherndes Grün, auch im Dunkel war’s noch wohlig warm… und ach ja das Leben ist auch mit Maske schön. Am Ende waren es drei Chöre jede Woche, die unterm Fenster sangen. Sozusagen Minnegesang zum Gemeinwohl aller direkt und zufällig Beteiligten. Reisefantasien drängelten sich in den Vordergrund, warum auch nicht.

Es war einmal.

Jetzt ist es ziemlich kühl bis kalt, ab Sechs beginnt die Dämmerung, am Tag hat die Sonne um ihre Rechte zu kämpfen, die farbenfrohen Blätterwelten faszinieren und betrüben mich zu gleich. Es regnet, ziemlich oft, eigentlich nun endlich. Die meist hellblauen „Blätter“ in den Gesichtern kommen wieder üppiger daher und mit ihnen die Ängste, die buchstäblich in der Luft wabern. Es sind nicht meine, aber…

…ich will wieder spontan Bilder angucken gehen oder ins Konzert, ich will mal kurz aus dem Stand oder auch länger geplant vereisen, den Menschen ins Gesicht sehen, nicht alles zehnmal überlegen. Trotzkopf IN THE AGE, innerliches Aufstampfen.

In diesem Moment singt wieder ein Chor unterm Fenster. Hätte er wohl nicht gemacht, ohne all die Begrenzungen, gleich gar nicht bei diesen Temperaturen.

Ich mache das Fenster ein Viertelstündchen auf, schalte die Tageslichtlampe an und rücke mir die Pinsel zurecht.

HERBSTZAUBEREIEN

Unsagbar?

Manchmal habe ich das Gefühl mitten in einer Schlangengrube zu stehen. Um mich herum kringelt und wimmelt es ohne Ende. Die Vorstellung ist schrecklich, mit diesen Tieren geht es mir einfach nicht gut. Ich mag sie nicht.

Jedoch: diese Schlangen um mich herum sind die Ängste, die seit diesem Jahr unüberschaubar hochwabern. Die Angst, vom Virus in Grenzbereiche von Leben und Tod katapultiert zu werden. Die dadurch bedingte Angst vor meinem Mitmenschen. Könnte er womöglich so ein Teilchen versprühen…? Die Angst vor einem frühzeitigen Ende des Erdendaseins, die Angst immer mehr allein sein zu müsssen, isoliert… Die Angst, daß meine materielle Existenz nicht mehr gesichert ist. Und auch die Angst, vom Staat meiner demokratischen Rechte beraubt zu werden, die Angst vor Bevormundung und einer unerträglichen Freiheitsberaubung durch all die Vorschriften, die gerade wieder zunehmen.

Es sind alles nicht meine Ängste. Was das Virus angeht, bin ich vorsichtig, mal mehr, mal weniger, es muss lebbar bleiben, auch wenn ich zu den extrem Gefährdeten gehöre.

Vorsicht ist überhaupt so ein Charakterzug, der im Laufe meines Lebens gewachsen ist. Finde ich gut. Vorsicht steht jenseits von Leichtsinn, Übermut und Tollkühnheit. Ich bin nicht unvorsichtig, wenn ich mich bewusst für etwas entscheide und kann dann auch die möglichen Konsquenzen tragen.

Wirklich Angst macht mir die Schlangengrube der Ängste. Was da wabert ist für mich kaum noch auszuhalten. Da lebt ein unberechenbarer Geist, da leben ungezügelte Gefühle, da tun sich Abgründe aller Art auf.

Wenn bei mir Ängste aufkommen, dann versuche ich hinzusehen, genau hinzusehen. Da ist die Kreuzotter, die ist gefährlich, bei der muss ich gut aufpassen. Die ganz Große da, sollte sich nicht um meinen Hals legen, also in Acht nehmen und auch sie im Auge behalten. Die anderen sind harmlos, ich mag sie trotzdem nicht in der Hand halten und um meine Beinen herum haben. Wenn ich die Grube verlasse und von oben drauf schaue, kann ich auch einige Schönheiten entdecken mit interessanten Mustern und besonders grazilen tänzelden Bewegungen. Meine Ängste lösen sich auf.

Hinschauen, ordnen, Gefühle sortieren und…weiterdenken. So ungefähr gehe ich mit meinen Ängsten um. Was ließe sich denn Konstruktives aus dem machen, was sich nicht vermeiden lässt?

Irgenwie bin ich diesem Virus immer wieder dankbar. Ja wirklich. Es holt lange gut Gedeckeltes gnadenlos nach oben, es fegt die Schläfrigkeit wohlsituierten Lebens davon, fordert neues (Nach)Denken heraus. Leider nehmen die Versuche zu restaurieren über Hand, statt ganz neue Konstrukte für unser Leben zu entdecken, zu finden und zu probieren. Im ganz Kleinen und im ganz Großen und zwischendrin. Wir können, wir dürfen, wir müssen kreativ werden. Da beginnt der Spaß für mich, die Lebendigkeit. Wir könnten freudig aus der großen Krise hervorgehen. Mit neuen Hoffnungen und neuem Selbstverständnis. Die Ängste und Schlangengruben werden nicht verschwinden, aber wir fangen an, sie zu beherrschen. Dazu braucht es Geduld, die Elfte der zwölf Tugenden. Geduld heißt auch: aushalten, etwas durchtragen auf lange Zeit und trotzdem immer wieder bei mir und mit mir selbst sein. Unsagbar?!?

Perspektiven? Momente aus einer geschichtsträchtigen Gegegend: Worpswede