Nach(t)-Entschlüsselung

Ich hatte Gestern eine anstrengend lustige Nacht. Ich glaube, die Nacht meines Lebens. Die Halloween-Gespenster haben ihre Masken ausgezogen und wir haben laut und lange miteinander gelacht und getanzt. Wie gut wir uns kannten!

Es müsste ein Gehirndiktier-Gerät geben, das auf Knopfdruck Gedanken aufschreibt. Dann wäre mein Lebensroman fertig. Ich habe den Roten Faden gefunden, den Roten Faden meines schön verrückten Lebens. Jetzt müsste nur noch geschnippelt werden, neu verknotet…so ein bisschen komponiert, damit es spannend wird. Ich schätze 400 Seiten. Doch das ist nicht meins. Ich bevorzuge die kurze pointierte Form – manchmal auch ein bisschen länger.

Also, wird es hier weiter gehen, demnächst. Auch mit diesem. Wenn ich die Krakelstichworte der letzten Nacht noch entziffern kann. Wer Lust hat ist eingeladen….

Schönen ersten November 2026 auch!

Weiter entschlüsselt

Ich hatte Gestern ein ganz persönliches Erleuchtungserlebnis. Juhuuu!

Tatsächlich und nicht zu hoch gegriffen. Denn es ging für mich eine Tür auf, an der ich schon sehr oft und auch energisch, vergeblich gerüttelt habe. Und das dank einer kleinen Reportage im rbb-Abendprogramm.

Es ging um hochsensible Menschen. Zwanzig Prozent der Menschen (deutsch oder weltweit?) sind hochsensibel!!! Ein ganzes Fünftel!

Diese Information war mein Schlüssel nach dem ich, relativ blind, bisher gesucht habe. Denn: seit Jahr und Tag versuche ich erfolglos, mich verständlich zu machen. Oft werde ich gar nicht verstanden und gehört. Dann stehe ich neben einer Gruppe oder ‚draußen’ vor. Irgendwann fiel auch „Du bist anstrengend“. Und ich dachte „Aha“ und grübelte weiter, was das denn sei. Ähnlich in Freundschaften. Eigentlich mein Leben lang beschäftige ich mich mit diesem blinden Fleck. Zuerst mehr unbewusst und seit Jahrzehnten sehr bewusst.

Und nun kommt beiläufig so eine Nebenbei-Reportage, die Entscheidendes zu diesem Thema erzählt. Mit fast gleichen Worten ähnliche Erfahrungen beschreibt.

Entscheidend für mich: Die zwanzig Prozent und dass es offenbar eine ganze Menge Wissen dazu gibt.

Der Türöffner !

Denn, jetzt kann ich mich auf Erforschtes, WISSENSCHAFTLICH Belegtes berufen, muss nicht mehr vermeintliche Persönlichkeitsprobleme offenbaren! Vielleicht kann ich jetzt besser ICH sein, wenn auch mit dem Wissen, zu einer ein Fünftel Minderheit zu gehören. Es ist wissenschaftlich untermauert!!! Das zählt, nur das in unserem Zeitalter.

Was erlebe ich? Drei Beispiele.

Eine den Meisten bekannte Macke von mir. Ich höre zu Hause keine Klassik. Arvo Pärt ist die seltene Ausnahme, womöglich weil sie schon aus anderen Sphären kommt – ahne ich. Also auch meine Technik-Ausstattung ist altertümlich.

Aber, ich liebe es klassische Musik zu hören, ohne eine Partitur lesen zu können. In der Philharmonie, der Deutschen Oper, im Konzerthaus. Am besten mit meinen Lieblingsdirigenten, denen, die für mich die Musik mit ihren Orchestern leben. Derzeit sind das für mich Rattle und Mallwitz. Musik im geschützten Raum mit Gleichgesinnten. Das ist es. Alles zusammen muss für mich stimmig sein. Laut, schön, durcheinander ist dann gar kein Problem. Ich brauche die Komplett-Atmosphäre.

Doch schon da wird es seit Längerem schwierig im Konzertsaal. Das Geschrei und Getrampel noch mit dem letzten Ton halte ich absolut nicht aus. Ich möchte weglaufen und bleibe gelähmt sitzen. Ich leide bis in die letzte Faser meines Seins.

Wer kennt das auch?

Das Problem, das ich schon lange benennen kann ist: Ich nehme mit allen Sinnen gleichzeitig alles gleich intensiv auf. Ich sehe zu viel, ich höre zu viel, ich fühle zu viel, aber ich denke auch zu viel…und so weiter.

Aus diesem Muster sind meine Probleme unter vielen Menschen und in Zweierbeziehungen gestrickt. Dazu kommt die vielfach bestätigte Erfahrung, dass ich mit meinem Wahrnehmen im Prinzip immer richtig lag. Naja, „du bist ganz schön überheblich“…

Anderes Beispiel:

Ich kann nicht diplomatisch sein. Wenn ich es versuche, dann geht es mir schlecht und anderen besser. Sonst offenbar umgekehrt. Sicher kann jeder Mensch mir gegenüber sein, dass ich ehrlich das sage, was ich erzähle. Ganz und gar ehrlich. Und dass das NIEMALS verurteilend oder kritisierend ist. Nur Phänomene betrachtend. Ich suche Erkenntniss, möglichst gemeinsame, um miteinander weiter zu kommen. Dazu muss doch alles beim Namen genannt werden. Ohne jede Art von Maske.

Doch leider wird es so nicht erlebt. Verflixt.

Ich weiß inzwischen: Das ist ein zu hoher Anspruch, nicht alltagstauglich. Noch nicht?

Wenn ich da weiter schreibe, kommt so ein verflixtes Alliengefühl auf.

Trotzdem, aller guten Dinge sind Drei:

Ich verzweifle gerade mal wieder an der Medizin, obwohl ich gleichzeitig zutiefst dankbar bin. Ich bekomme gerade Lebenszeit geschenkt. Aber: Kein Arzt ist an meinen nun dreimalig eindeutig erkanntenund durchlebten Auslösern der Krankheit interessiert. Nämlich tiefste innere Erschütterungen, die bis heute locker wieder hervorgerufen werden können. Zitate: Unsinn, das geht nicht zusammen, so was gibt es nicht und noch drastischer…

Wieviel gesellschaftliche Prophylaxe wäre da möglich, wenn die Medizin wahrnehmend an dieser Stelle würde. Ein Gewinn auch für die anderen vier Fünftel. Denn die Anteile dieser Art Wahrnehmung, die dürften bei sehr vielen Mitmenschen in vielen Formen und Ausprägungen vorhanden sein. Allseits erkannt, müsste doch das Soziale und Zwischenmenschliche unendlich bereichert und erleichtert werden.

Und ich weiß nun auch ganz sicher, was mich an der Antroposophie so fasziniert hat. Das ganzheitliche Wahrnehmen der Welt, des Menschen. Trotz allem inneren und teils auch äußeren Widerstreits – bis heute.

So, das war jetzt ein sehr persönlicher Befreiungsschlag für mich. Und hat mir gut getan. Euch hoffentlich auch. Und nicht erschlagen.

Über Resonanz würde ich mich diesmal besonders freuen.

Ich höre vorerst auf zu überarbeiten…

Entschlüsselt 😂

Gestern (kein) Tag wie jeder andere. Geduscht, Koffer gepackt, Vorfreude auf zu Hause mit dem bequemen Bett und den unendlich vielen Möglichkeiten. Zum zweiten Mal: „Nein, heute noch nicht, noch zu gefährlich.“ Ich im Chaos: Das tagelange Hinundher überfordert mich in meinem derzeit begrenzten Potenzial. Erst am Abend habe ich die letzte Schlafhose und Cremedose wieder gefunden. Und beschlossen: Morgen sage ICH „Nein“ und akzeptiere die Montag-Variante. Und habe es dann auch angekündigt. Nun ja, die Mächtigeren sind auf der anderen Seite.

Und dann, anfangs noch mit Mühe, einfach wieder versucht, das Beste dem Chaos zu entreißen.

Mit meinem freundlichsten Lächeln bin ich im Flur zum Dauer-Telefonierer und Biertrinker-Tisch gewandelt und habe die rundlichen Herren gebeten die Ecke mal für eine Viertelstunde frei zu geben. Denn dort steht das Trainingsrad. Ich habe dann auch NOCH freundlicher meine Zimmernummer hinterlassen. Ihren Genuss habe ich ihnen ja von Herzen gegönnt. Nach 20 Minuten klopfte es dann auch energisch an meiner Tür…

…und dann gelang es auch noch das Rad mit diversen Tricks und Hilfe einer nicht gerade beglückten Schwester mit mehr Kraftreserven als die Meinen zum Bewegen zu bringen. Sogar mit Spielchen: einem sehr eigenwilligen Igel, der zum Boden schwebende Ballons platzen lassen muss.

Hurra, erste Schritte gelungen, den verhedderten Tag zu beruhigen und ich mich auch.

Und nun auch noch ein zweiter Teil: Befreit von allen tröpfelnden geheimnisvollen Flaschen und Fläschen, rüste ich mich für eine ausgehnte Parkumrundung. Schon an der Tür – Ralley zurück: Maske vergessen. Kann ich ja noch eine Weile üben…

Im Flur treffe ich meine Ambulanzärztin – erstmals seit Monaten tiefenenentspannt und zum Plaudern aufgelegt.

Und dann auch das noch: Ein überwältigender Kaffeegeruch im Foyer vom köstlichsten Café-Wagen der Welt. Ich kann nicht anders, ich stelle mich an. Auch wenn das Stehen noch schwer fällt.

Mmmhhh! Moccachino mit Minze! Sehr empfehlenswert…

Die große Park-Runde gelingt… fast. Das wars dann auch. Nein noch nicht: Die große Erleuchtung kommt später aus der Fernsehkiste – dazu eine Extrafortsetzung.

Der Abend endet mit einem vorzüglichen neuen Fernsehfilm im Ersten, der mich auf ganz vielen Ebenen bewegt hat. Noch eine Extrastory für demnächst.

Am noch späteren Abend eine Vorlesegeschichte und mit herzhaft viel zu lautem Lachen…

Der gewendete Tag sozusagen

Die Uhr tickt…,

…ein Maschinchen fiebt, in meinen Adern kribbelt es, meine T-Zellen sind zurück gekehrt – gedopt.

Wir schreiben den Tag 20 vom Oktober des Jahres 2026. Der Beginn der letzten 15-Jahres-Dekade? Meiner letzten.

Vielleicht.

Auf einem vorgedruckten Blatt Papier schreibe ich den Halb-Satz:

„Das Leben ist lebenswert, egal…“

Ab jetzt aller acht Stunden.

Mal sehen, wohin das führt.

Die Zweifel haben sich aus dem Staub gemacht, die Neugier macht sich breit.

Göttlich

Einfach göttlich. Berlin wählt und in der Deutschen Oper toben allerlei Göttlichkeiten über die Bühne während die Linke Berlin gekapert hat.

Etwas Göttlicheres wäre mir in diesem Fall lieber gewesen. Wenn wenigstens die göttlichen Hoheiten, sich den Wohnungsmarkt in den Himmel geholt und weise geregelt hätten. Aber so, enteignen wird teuer, sehr teuer und wer bezahlt dann die bezahlbaren Mieten wenn die Stadt sowieso schon am Hungertuch nagt. Ich habe gehört, dass Vergesellschaftung der bessere Weg wäre. Aber was das nun bedeutet, das weiß ich auch nicht.

Da waren Stockhausens himmlisch sphärische Gesänge in der Oper realer. Ein „Mittwoch aus Licht“. Schwer zu beschreiben, was da vier Stunden auf der großen Bühne passierte. Aber ich bin nicht müde geworden und bin noch immer fasziniert.

Weniger von dem, was die Kritiker reihum bejubeln. Das legendäre „Hubschrauber-Quartett“ war für mich überwiegend anstrengend. Zwanzig Minuten lang versuchen zwei Geigen, eine Bratsche und ein Violoncello in vier Hubschraubern am Himmel den Lärm der Flugobjekte auf ihren Instrumenten zu intonieren…Nun ja.

Ich war mehr für die anderen drei Teile der Nichtoper. Den Kopf ausschalten, mich in das Geschehen fallen lassen. So ging’s sehr gut. Vielleicht fasst es das am besten: Das Erlebte war für mich eine einzigartige Skulptur aus Klängen, Stimmen, bewegten Bildern, Farben, Worten, die oft keine waren. Faszinierend die Video-Installationen. Während Bilder und Farben schnell wechselten bewegten sich Chor, Tänzer, Sänger und Musiker durchgehend in extremer Langsamkeit. Unglaublich schön dieser Kontrast.

Ansonsten erschien ein wundervolles kackendes Kamel auf der Bühne, dem später ‚himself’ entstieg. Während der vier Stunden wurde fortwährend das Himmlische und Göttliche in jeder Fasson zelebriert und beschworen. Und die Liebe als solche.

Wie gesagt, ich habe eine riesige Skulptur gesehen. Eine, die das friedliche Miteinander herausfordert. Auf ungewöhnliche Weise. Sehr zeitnah. Und nicht aus der Zeit gefallen, wie viele bemängeln. Kunst eben, sehr ungewöhnliche.

Davon würde ich dem Parteiengewirr gern etwas rüber reichen: Mal neu zu denken, aus dem Althergebrachten auszubrechen, wenn das, wie es scheint, nichts und niemanden mehr weiterbringt.

Teamarbeit eben – mit Göttern jeder Fasson.

Bevor es anfing mit dem „Mittwoch aus Licht“ von Karlheinz Stockhausen
Und nach vier faszinierenden Stunden

Wer wen?

Das Leben hat mich heftig am Genick gepackt. Will es mich nicht mehr? Oder will es mir gnadenlos etwas beibringen?

Was? Die Frage treibt mich um.

Ich packe das Leben beim Genick. Und schaue ihm tief in die Augen: Hilf! Hilf mir zu erkennen! Wo hakt es? Und vor allem wie?

Da flüstert mir Rilke energisch ins Ohr: „Gib seinen leichten Händen nichts zu halten von deinem Lastenden“. Und meint den Engel. Meinen Schutzengel, meinen Lebensgefährten. Mein Double sozusagen.

Ja, ich weiß ja. Er führt mich nur dorthin wo ich wachsen kann. Der Rest ist meine Aufgabe, die ach so oft (noch) nicht zu erfüllende.

Der Trost kommt erst am Ende des Gedichts: „Sie kämen denn des Nachts zu Dir, dich Ringenden zu prüfen und brächen dich aus deiner Form heraus als ob sie dich erschüfen.“*

Ich packe das Leben samt meinem Engel zärtlich am Genick und schaue ihm tief in die Augen…

Und vertraue ganz einfach dem Leben. Ganz besonders, wenn es mich am Genick packt.

…und vertraue mir und der Nacht. Dieser einen, in der mir eines Morgens der Schlüssel überreicht wird. Vielleicht…

*Zitate „Der Engel“, aus dem Gedächtnis und daher möglicherweise nicht ganz korrekt.

Unsere unirdischen Engel und ihre oft ach so sehr verschlüsselten Botschaften

Szenario

Ich werde nicht hysterisch, aber ich muss mir das Szenario von der Seele schreiben.

Eine 24jährige aus Libyen mit mir im Zimmer. Anderes Alter, gleiche Krankheit. Hermes-Kopftuch (oder etwas Ähnliches) bei jeder Temperatur. Unser Englisch ist wenig kompatibel. Ihr Mann kommt täglich. Heute schwarzes Hemd, helle Hose, schwarzer Rucksack.

Sie erzählte irgendwann, dass sie keinen Beruf brauche. Fünf Kinder und der Haushalt – ihre Vision. Beim Erzählen fängt sie an zu strahlen. Der Mann sitzt täglich Stunden an ihrem Bett. Es kommt auch mal zum lautstarken Streit.

Immer: Ich, die Europäerin, verhalten luftig bekleidet, entspannt im Bett liegend im winzigen Zimmer in Gesellschaft dieses Mannes aus einer anderen Welt mit völlig anderen Normen und Werten.

Sie verlässt mit ihm seit vier Tagen das erste Mal das Zimmer. Zum Kopftuch kam der lange schwarze Mantel. Jetzt wird auch noch das Bett aus dem Zimmer entfernt. Irgendetwas ist defekt. Es verbleiben der Rucksack auf dem Stuhl und ich, die aktuellen Nachrichten vom RBB auf dem IPhone schauend. Es geht wieder und immer noch um den Christopherstreetday und den Wahnsinnigen, und ob es zu verhindern gewesen wäre. Und dann wurde heute gerade mal wieder mitten in Berlin auf einen Straßencafé-Besucher geschossen. Er hat überlebt und wird in Krankenhaus versorgt.

Es wird die nächsten Tage wieder heiß.

Nein, ich werde nicht hysterisch. Inzwischen sitze ich auf einer Bank unter einer Kastanie.

Ich muss wieder hoch in die dritte Etage. Was erwartet mich?

Hoffentlich kein schwarzer Rucksack, meine Nerven sind wohl doch etwas angeknackst.

Ich weiß: In Libyen herrscht seit Jahren unüberschaubarer Bürgerkrieg.

Mann und Rucksack haben den Raum verlassen. Gute Nacht!

Unwesen

Treibt mit mir etwas sein Unwesen?

Oder bin ich das Unwesen?

Wahrscheinlich letzteres.

Denn:

Ich stelle Fragen und möchte Antworten.

Ich bin ein Mensch und keine Maschine.

Keine Maschine an der herum repariert wird.

Ich vertrage keine falschen Töne.

Ich bin ziemlich lange freundlich geblieben.

Jetzt möchte ich nur noch schreien.

Ich tue es nicht.

Auch das tut nicht gut.

Das Zuschauen, Registrieren und Schweigen macht kränker.

Ich bin im Krankenhaus, nur noch bis Morgen. Nicht das letzte Mal.

Wird der Kampf noch härter als das letzte Mal…

Ein bisschen Lebenskonto erkämpfen. Wieviel Kraft habe ich, dem Unwesen lächelnd zu widerstehen?

…Sonnenaufgänge

Sommertage…

Sommertage haben so etwas Samtiges, Seidiges. Fühlt sich an wie Streicheleinheiten von ganz weit oben.

Jedenfalls bevor die lähmende Mittagssonne ihre Arbeit verrichtet. Sie tut auch nur was sie kann und muss.

Wie schön, dass ich nicht muss. Und nicht kann. Einfach nur Sein, DASEIN.

Noch so ein Genussmoment. Damit lässt es sich leben.