ZWISCHEN
deinen Augenbrauen
steht deine Herkunft
eine Chiffre
aus der Vergessenheit des Sandes.
Da hast das Meerzeichen
hingebogen
verrenkt
im Schraubstock der Sehnsucht.
Du säst dich mit allen Sekundenkörnern
in das Unerhörte.
Die Auferstehungen
deiner unsichtbaren Frühlinge
sind in Tränen gebadet.
Der Himmel übt an dir
Zerbrechen.
Du bist in der Gnade.
So lässt sich eine ganze Biografie in so wenigen Zeilen bündeln. NELLY SACHS hat dieses unglaubliche Gedicht geschrieben. Dahinter steht ihre eigene Geschichte der Judenverfolgung im Dritten Reich. Für mich ist es auch ein Sinnbild für das irdische Menschsein überhaupt, zumindest für einen sich wiederholenden Teil davon, den so viele erleben. Zeilen, die alle Zeiten überdauern.
Sie gehören zum „Klang der Erde“. So hieß eine Performance, die ich Gestern während der Langen Nacht der Religionen in der Berliner Matthäus Kirche erlebte. Künstler aus anderen Welten ließen ein Klangwunder entstehen…
Es war auch persönlich ein besonderer Tag, an dem der jüngste Enkelsohn den dunkelblauen Ranzen stolz das erste Mal in die Schule und die Schultüte nach Hause trug.
Und in meinem Kopf geistern die Nelly-Sachs-Zeilen Der Himmel übt an dir/ Zerbrechen/ Du bist in der Gnade…
