Ostwestlich (16) Störfelder

Wir reden miteinander. Und wir reden aneinander vorbei. Im besten Fall merken wir es. Oder eben auch nicht. Das wahrscheinlich häufiger. Bei der Ost-West-Begegnung habe ich den Eindruck, dass das Aneinandervorbei sehr häufig passiert. Ich erlebe Stoerfelder, die eher im Unterbewussten ihr Unwesen treiben.

Jede(r) hat da so seine Strategie damit umzugehen. Vorausgesetzt ich bin mir dieser Problematik bewusst. Im Westen Deutschlands scheint mir das eher selten der Fall zu sein. Wenn Störungen auftreten, wird meist in die große Kiste der geläufigen Ostvorurteile gegriffen. Da gibt es, scheint mir, immer etwas Passendes. “Man” weiß ja Bescheid.

Im Osten des Landes ist es mit der Bewusstheit für das Problem des Aneinander-Vorbeiredens auch nicht viel besser. Schließlich sind wir schon mehr als 30 Jahre ein Volk. “Nun hör doch endlich auf damit!”

Nein, ich will nicht damit aufhören. Nein, weil meine Sehnsucht nach einem wirklichen Miteinanderreden – und einem verständnisvollem Verstehen zu groß ist.

Wir haben 40 Jahre in grundverschiedenen sozialen Systemen gelebt. Der Umgang im sozialen Umfeld war sehr verschieden. Das soziale Verständnis auch. Frauen hatten im Osten selbstverständlich alle Freiheiten, die sicher im Umsetzen auch nicht immer gelungen waren. Wir hatten sie Jahrzehnte früher als der Westen. Wer so aufgewachsen ist, agiert anders in der Welt. Nur so, zum Beispiel. Standesdünkel gab es auch im Osten. Aber überhaupt nicht vergleichbar mit dem in der westlichen Welt. Wir bringen alle unsere eingeübten Verhaltensweisen mit. Sie sind oft sehr verschieden.

Nur zwei Beispiele, die Aufzählung lässt sich endlos fortsetzen. Gerade beidseits in den Familien wurden andere Werte vermittelt, gelebt – weil eben auch das Umfeld ein anderes war.

Ein intensiveres ehrliches darüber Austauschen, wie wir gelebt haben, wie Alltag war, halte ich für wichtig – möglichst vorurteilsfrei. Das könnte das Miteinanderreden erst wirklich ermöglichen.

Wäre doch eine feine Sache…finde ich. Mein Wort zum Sonntag und zum Neuen Jahr. Ich habe die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Wenn wenigstens ein Prozess dieser Art in Gang kommen würde…

Auf ein Neues (Miteinander) in 2024!

😌Erleuchtung

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