Gefühle

Dieser Text liegt seit ungefähr drei Monaten im Entwurfsfach herum. Inzwischen erschüttern die Welt und mich ganz andere Probleme. Ich habe lange gezögert, diese Gedanken öffentlich zu machen. Sei’s drum, dann eben heute…:

Ich bin wütend. Ein Glück, dass ich gerade allein bin, sonst würden andere an meiner gehobenen Stimmungslage leiden. Gefühle dürfen nicht allzu sehr sichtbar werden. Der Konsens in deutschen Landen.

Nach innen weinen, das habe ich im Laufe meines Lebens gelernt. Meine Tränen waren nie erwünscht. Keiner hat jemals versucht, sie zu trocknen. Auch nicht als ich erwachsen war. Ich kenne die Geste der Zurückweisung in diesen Momenten nur all zu gut. Hoffentlich habe ich das nicht unbewusst und ungewollt bei meinen Kindern wiederholt.

Warum ich wütend bin? Zur Zeit reichen Kleinigkeiten in den Medien. Wer aus Ostdeutschland kommt, wird als Dissident und Geflüchteter und Widerstaendler wohlwollend akzeptiert. Der Rest darf sich dumm fühlen oder gar als Verbrecher, weil er trotz allem an eine ganz gute Idee geglaubt oder sie einfach akzeptiert hat. Ich fühle mich mehr denn je ausgegrenzt, weil ich im falschen Deutschland, in der falschen Familie geboren bin.

Respekt vor der anderen Biografie? Kaum. Massives Desinteresse lässt mich immer wieder verzweifeln. Bis heute. In einem Land zu leben, in das ich nicht wirklich gehöre, ist bitter. Ich bin mittendrin und doch voll daneben. Ich glaube beinah, dass Menschen aus anderen Ländern, bei allen Schwierigkeiten, deutlicher gesehen werden. Denn, ich bin ja Deutsche und nicht anders, im besten Fall ein bisschen komisch.

Die biografielose Deutsche. Die stört, wenn sie mal aufbegehrt, die verstört, wenn sie hartnäckig versucht, darüber zu reden. Passiert bei mir anfallartig, immer wieder mal. Es ist zum Heulen.

Es ist schwer, das eigene Selbstbewusstsein stets von Neuem aus anderen Quellen zu nähren. Ich bekomme es schon hin. Als Fremde, Dumme im eigenen Land…

Irgendwie fühle ich mich doch ganz gut in meiner neuen deutschen Heimat. Seit mehr als 30 Jahren. Ich nutze gern, die vielen neuen Möglichkeiten, die dazu gekommen sind. Ich bin gern unter angenehmen Menschen.

Aber, ich bin seelisch verarmt. Materiell sowieso, weil den meisten Ostdeutschen die Erbschaften fehlen, der Grund- und sonstiger Besitz. Eigentlich sterben wir ja sowieso bald aus. Nur, unsere Kinder treten leider dieses Erbe an.

Mittendrin und doch daneben. Es ist so eine Sache mit den Gefühlen……..

Die Vögel von Franz Marc

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