…ich bin schon wieder bei einem Zuviel. Nach der Moral das Gefühl. Ich wage jetzt mal die These, dass zu viel Gefühl oft verheerend ist.
Die einen ertrinken buchstäblich in ihren Glücksgefühlen, in einer großen Liebe. Der Schritt zum Aussersichsein und damit auch einem Ausgeliefertsein ist oft nur noch ein kleiner. Meine Gefühle, und wenn sie noch so großartig und wunderbar sind, beherrschen mich dann und nicht ich sie. Grausam wird es, wenn sie nicht annähernd äquivalent erwidert werden. Das Glücksgefühl verwandelt sich in abgrundtiefen Schmerz. Auch darin verliere ich mich selbst.
Anderes Szenario. Kaum ein Mensch DENKT „Jetzt bringe ich mal ein paar Tausend Menschen um“. Aber er hasst den Anderen, weil er etwas hat, was er nicht hat , aber auch gern hätte. Weil die Ideen der anderen nicht in sein Weltbild passen. Die Gefühle übernehmen die Führung und er zettelt einen Krieg an, bei dem viele, viele Menschen sterben müssen. Tausende.
Dieser Mensch ist auch seinen Gefühlen gefolgt, diese „Nebenerscheinungen“ in Kauf nehmend.
Ich glaube immer mehr, je älter ich werde, dass Gefühle etwas Tückisches in sich haben. Dass sie Zügel, Steuerung, eine ordnende „Hand“ brauchen. Diese Aufgabe kann nur, nein, muss unser Kopf übernehmen. Ich bin dann kein sogenannter Kopfmensch, sondern ICHbestimmt.
Denken und Fühlen sollten, bin ich überzeugt, als unzertrennliches Paar erlebt und gelebt werden. Nur so können beide ihre großen Fähigkeiten entfalten. Außerdem braucht auch moralisches Handeln am Ende diese Symbiose.
Auch große Kunst entsteht aus großen Gefühlen oder…? Und Lebenskunst.
