Randbemerkungen (17)

Ein lauer Sommerabend im Frühling. Wir sitzen draußen vor der Tür und verdauen Kafkas letzte große Liebe, die wir gerade im Kino miterleben durften. Sabin Tambrea war ein hinreißender Kafka. Leidenschaftlich tief lieben sich die Beiden, obwohl sich schon der Tod eingeschlichen hat.

Wir stoßen an auf den schönen Abend und schauen auf den Kirchturm vor uns. Seine Spitze in der Dämmerung erlebe ich als wollte sie sich unendlich ausdehnen in Sehnsucht nach dem Himmlischen, dem Göttlichen.

Wenig später ergänzt ein prächtiger Hubschrauber die Szenerie. Auch hier hat der Mensch sich dem Himmel genähert. Der uralte Traum vom Fliegen ist längst Wirklichkeit.

Kirchen bauen wir nur noch selten und eher keine hohen Türme. Dafür um so mehr Raketen und Raumschiffe, um weit im All fremde ferne Planeten zu betreten.

Ich frage mich, ob sich die Sehnsucht der Menschen verändert hat. Ist die Marsmission der Gegenwart irgendwie vergleichbar mit den gotischen Kathedralen der Vergangenheit?

Vielleicht suchen wir immer das Unsichtbare, Geheimnisvolle. Eroberungswille und Gottessehnsucht begegnen sich. Der Kirchturm und der Hubschrauber am Abendhimmel.

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