Allein vom Vornamen – Caspar – geht für mich eine geheimnisvolle Faszination aus. Wenig rational, dafür schon beinah religiös. Es entstehen sofort Bilder vor meinem inneren Auge. Abendstimmungen, sprechende Dunkelheit. Bilder, in denen ich mich verliere, Unendlichkeit, Zeit- und Raumlosigkeit. Alles Eins und ich mittendrin. Ein Sog…
Vor vielen Jahren gab es für mich ein Schlüsselerlebnis in Hamburg. Die große einmalige einzigartige Mark-Rothko-Ausstellung. Ein kleinerer Saal mit Rothkos großflächigen Farbmeditationen und mittendrin der Mönch am Meer. Magie pur, für mich ein Kathedralen-Erlebnis. Absolut überraschend für mich diese Komposition, damals.
Heute fand ich mich vor allem unter vielen Menschen wieder. Ein bißchen das Gefühl von Bilderstürmerei in der Alten Nationalgalerie, was so gar nicht zu meiner Stimmungslage passte. Doch das ist nun mal so, wenn große Ausstellungen die Stadt beglücken. Bei diesen Bildern allerdings träumte ich mir egoistischer Weise eine Nacht allein im Museum herbei.
Trotzdem war´s schön, die Originale in der Zusammenschau zu erleben. Wieder zu begegnen, neu zu begegnen. Caspar David Friedrich wurde vor 250 Jahren geboren. Die Bilder sind 200 Jahre alt und älter und so unglaublich zeitlos für mich.
Große Landschaften und verhältnismäßig kleine, oft schon winzige Menschen, wenn überhaupt. Sprechende Landschaften und schweigende Menschen. Andacht in den großartigen Kathedralen der Natur. Sie ist der Gestalter, nicht der Mensch. Trotzdem erlebe ich nicht das Gefühl von Ausgeliefertsein. Sondern Geborgenheit, geborgen in Schönheit und Größe. Ich gehöre dazu. Eben dieses unglaubliche Einssein in einer Stille, die nur Bildern zu eigen ist. Weit entfernt vom menschlichen Wahn des Beherrschens und des Alles-ist-machbar, dieser Alltäglichkeit unserer Bilderwelt. Die Geschwätzigkeit unserer Tage ins Niemandsland verbannt.
Als Jugendliche war ich dem Pantheismus sehr zugeneigt. Die Natur und wir in ihr, das ist das Göttliche. Die Schöpfung und kein Schöpferwesen. Wahrscheinlich lebt da so ein Grundgefühl in mir bis heute. Im Alter begegne ich meinen Wurzeln wieder.
Ich muß an die großen uralten Bäume denken, bei denen sich die riesigen Wurzeln ans Tageslicht gearbeitet haben…
Platon und Goethe wandelten auf ihre Weise auf eben diesen Spuren. Zwei, die mich mein Leben lang begleitet haben. Spannend wie ein Ausstellungserlebnis mich in biografische Reiche führt.

Ein Bild, mit dem ich im stillen Gespräch bin, das mich nicht los lässt…