Ich klaue heute mal. Aber eigentlich nicht so richtig, weil es schon sehr lange meine Gedanken sind. Manches habe ich auch schon so geschrieben. Aber heute kann ich mich mal auf gewisse Autoritäten berufen. Ich glaube, dann habe ich bessere Chancen erhört zu werden. Und irgendwie wäre mir das lieber als das dauerhafte Selbstgespräch. Ich spreche von Lanz & Precht, ihrem heutigen Podcast vom 25.10.2024, Ausgabe 164. Es geht ums Streiten im Großen und im Kleinen.
Mir persönlich geht es in der Auseinandersetzung nie, wirklich nie, ums Gewinnen oder gar vernichten. Erkenntnisgewinn, das unbedingt. Doch soweit komme ich kaum, weil alles schnell persönlich genommen und als Angriff verstanden wird.
Die beiden interessanten Gesprächspartner im Podcast unterscheiden zwischen produktivem Streit und kleinteiligem Zank. Letzteres sollte man meiner Meinung nach Kindern in unterschiedlichen Entwicklungsphasen überlassen. Doch das, was von der Politik nach außen dringt, hat oft den Geschmack von Gezänk. Wenn schon Parteien die Grundlagen unserer Demokratie sind, dann sollten sie doch vorführen wie konstruktives und produktives Streiten geht. Oder?
Können wir als Gesellschaft und wir persönlich eigentlich zu uns selbst in Distanz gehen? Oder auch mal über uns lachen? Die Engländer haben letzteres ein bisschen von Natur aus, zu mindest im Privaten, verinnerlicht. Dafür liebe ich sie.
Wird eigentlich heute an den Schulen eine Debattier-Kultur geübt? Ich hätte es mir zutiefst in meiner Schulzeit gewünscht. Der (verdorbene) Sozialismus machte daraus eine Unmöglichkeit. Sind wir heute besser? Wo sind die Grenzen heute? Wie können wir Feindschaften reduzieren?
Im Podcast wurde ein Gedanke (ich hab‘ vergessen von wem) zitiert, den ich bemerkens- und bedenkenswert finde. In etwa so: Nicht zugelassene Gegnerschaft führt zu Feindschaft. Ich finde, dass dieser Gedanke ziemlich in die ganze AFD-Debatte passt. Und eigentlich auch zum Kriegsthema im weitesten Sinne. Will ich den Gegner (oder besser mein Gegenüber) niederringen, vernichten oder im sportlichen Kampf die besseren Argumente finden?
Für einen Erkenntnisweg sind immer alle oder beide Positionen wichtig. Schwarzweiß hat da keinen Platz. Wie auch im Leben überhaupt. Es hat was mit dialektischem Denken zu tun. Eine gute Polemik zeugt von einem tieferen Interesse für den Anderen. Ich glaube, dass erst in diesem Bereich wahre Empathie möglich ist. Und auch ein guter Kompromiss oder gemeinsam errungene neue Positionen. Positionen, die im besten Fall ein Hauch von Zukunft in sich tragen. Und noch ein mir sehr wichtiger Gedanke aus dem Podcast-Dialog: Je wichtiger mir der Andere ist, desto mehr streite ich. Reibung erzeugt Wärme, Nestwärme. In Abgrenzung zur eingeübten Kuschelkultur. Solch eine Art Streit, nach dem wir anschließend lachend zusammen einen Kaffee trinken, wünsche ich mir. Seelenhygiene wurde das im Gespräch genannt.

Das wär doch mal ein Weihnachtsgeschenk! Nur noch etwa acht Wochen, dann ist es wieder mal so weit.
Heute jedenfalls habe ich nur bedingt bei Lanz & Precht geklaut, bedingt weil es auch meine Gedanken sind. Die beiden haben für mich vieles noch mal deutlicher auf den Punkt gebracht.
Ansonsten wollte ich heute Morgen eigentlich zum Klassentreffen fahren oder Putzen…Jetzt brauche ich erst mal ein bißchen Sonne.