Habt Ihr eigentlich eure ganz persönlichen Helden? Würde mich interessieren.
Ich war Gestern Abend mit Helden-Welten konfrontiert. Um mit meinen Strickprojekten voran zu kommen, brauche ich den Fernseher oder zeitgemäßere virtuelle Varianten. Für mich ist allerdings das altmodische Fernsehen meist die einfachste Möglichkeit: Ich muß nicht groß nachdenken, was ich denn eigentlich schon lange mal sehen wollte. Ein kurzer Blick aufs Abendprogramm und ich habe mir einen Bildschirm-Strickabend zusammen gebastelt.
So auch Gestern Abend. Meist reicht die Energie nur für das Hauptprogramm. Nach Weihnachten war da offenbar noch ein Energieüberschuss und ich bin in Helden-Welten hängen geblieben. Gleich drei davon.
Den Anfang machten die Nibelungen mit ihren Romanzen und dem Haupthelden Siegfried. Nur leider, die großen Heldentaten und Gefühle endeten im fürchterlichen Blutbad und dem Ende eines berühmten Geschlechts. Der sagenhafte Schatz der Nibelungen liegt bis heute auf dem Grund des Rheins. Doch durch meine Biografie geistern seit dem Grundschulalter die schillernden Gestalten von Kriemhild und Brünhild, von Siegfried und Gunther und dem Verräter Hagen. Unser geliebter Klassenlehrer beglückte uns von der dritten bis zur achten Klasse mit Nibelungen-Erzählungen. Meist vor den Ferien oder bei Klassenfahrten. Alle seine Söhne, ich glaube drei oder vier, trugen Namen aus diesem berühmten Geschlecht.
Meine ersten Helden (und Antihelden) sind also eng mit heute deutschen Landschaften verbunden, dem Rhein, Worms, Passau wahrscheinlich, aber auch mit Burgund. Ich verehre die souverän liebende selbstbewusste Kriemhild, die noch selbstbewusstere Brunhild. Ich glaube sie war so etwas wie eine Amazone. Vornan steht der mutige Siegfried, der im Drachenblut gebadet hat. Was ihn am Ende doch nicht vor dem Ruchlosen bewahrt hat…
Nach dem Ende dieser Helden im Phönix-Programm, habe ich weiter gezappt. Und bin bei Anna und Elsa hängengeblieben. Der Eisprinzessin und ihrer Schwester, die über viele Jahre vor allem Mädchenherzen besetzt hielten. Nicht zuletzt das meiner Enkeltochter. Deshalb war ich nun doch mal neugierig auf die ganze Geschichte. Na ja, für zwei Drittel des Films hat es noch gereicht. Und wieder war da ein gemeiner Verräter mit seinem Gefolge. Und ganz viele liebende, mutige Menschen. Unterstützt von einem standhaften Elch und einem quirligen Schneemann. Ganz viel animierte Action und noch mehr wärmende Liebe im Schlußbild. Da gibt es keinen Untergang, stattdessen kann jetzt die gute Geschichte beginnen. Hollywood macht es möglich. Wie schön!
Und dann kam mir vor dem Fernseher nach den alten Legenden und neuen Visionen und noch eine Portion Gegenwart ins Haus. Kai Pflaume präsentierte die Helden und Heldengeschichten des Jahres 2024. Mit und ohne Augenzwinkern. Oder sind die vier Quizz-Kandidaten die eigentlichen Helden unseres tagtäglichen Seins? Showstars des deutschen Fernsehens, Barbara Schöneberger, die ihre Klappe nicht halten kann, der distinguierte Günther Jauch, der singende Strahlemann Florian Silbereisen und Schauspielheld Jan-Josef Liefers. Ich finde sie alle vier sympathisch auf ihre Weise. Aber Helden?
Vielleicht doch. Sie zaubern Welten auf den Bildschirm, in denen es sich wegträumen lässt aus dem täglichen Chaos, von denen es sich träumen lässt. Ich fand es spannend, dass gerade der mit seinen „Alle-haben-sich-lieb-gute-Laune-Schlagershows“ sich am besten in unserer Welt auskannte und den Sieg für eine gute Sache davon trug – Geld für ein Magdeburger Kinderhospiz.
Tja, wie ist das nun mit den Helden?
Mit Liebe hat es jedenfalls immer zu tun. Schließlich entwickelt sich auch mein immerwährender Superhero Parzival vom unbedarften naiven, nicht gerade zimperlichen Jüngling zum Hüter des Grals, dem Hort der Liebe.
Allen meinen Mitmenschen wünsche ich von Herzen ein heldenhaftes Jahr 2025, in aller Liebe…
