Es waren der Hype um dieses süße Etwas und meine sehnsüchtigen Geschmacksnerven. Der unanständige Preis ließ nur eine Begründung zu: Weihnachten. Dann lag sie unberührt und unbedroht im Kühlschrank und wartete auf die Feiertage. Fuhr zweimal S-Bahn und wanderte wieder in den Kühlschrank. Es musste eine besondere Gelegenheit sein – eher gefühlt als gedacht. Dieses grün eingehüllte Stückchen Verheißung blieb ungefährdet, es hatte langsam schon einen Heiligenschein bekommen. Ich erzähle von einer teuer erstandenen Tafel Dubai-Schokolade.
Heute Morgen war dann der Bann gebrochen. Es war genau das, wonach mein ganzes Ich nach dieser Wahlnacht verlangte – nach dem Morgen mit der eingefärbten Deutschlandkarte. Wer soll diese Welt noch zusammen halten? In Frieden wohlbemerkt.
Ich neige nicht zum Pessimismus, aber zu einem möglichst realistischen Blick. Und ich vertraue und hoffe trotzdem immer wieder – das vorausgeschickt.
Dem Einen zu vertrauen fällt mir schwer: Ein nur sehr bedingt berechenbarer, machtorientierter Pragmatiker mit erkennbar spießbürgerlichen Tendenzen. Vor der Anderen fürchte ich mich, auch wenn sie bildungsbürgerlich nicht immer sattelfest ist, aber dafür kompromißlos durchtrieben. Ach, wie sehr hoffe ich, dass mein Kopf und Verstand sich irren!!! Dazu noch der eine Verrückte in Washington D.C. Und der andere dort, dem ich lange Zeit recht zugeneigt war. Schließlich hat er eine Menge Bleibendes, durchaus Gutes zustande gebracht und immer seine Visionen gelebt. Eine Rarität, die ich zu schätzen weiß, wusste…Aber womöglich kommt da noch etwas zum Vorschein, was ich bisher nicht mal ahnen kann.
In diesem Gemenge sind Mehrheiten im Land und in der Welt zu Hause! Nachfühlen kann ich den dahinterstehenden Aufschrei, dass alte Gewissheiten nicht mehr tragen und wahrscheinlich auch nicht zukunftsfähig sind. Doch was ist zukunftsfähig? Die Schönheit unseres Planeten in allen Facetten, wenn die Menschen es vermögen ihn zu bewahren. Der Mensch selbst mit seinen unglaublichen Fähigkeiten, wenn er sie denn zum Wohle aller einzusetzen vermag. Mit Liebe und ohne Hass. Das klingt jetzt schon fast wie Politiker-Gelabere im Wahlkampf.
Im Augenblick überlege ich als meine einzige Rettung, dem Fernsehen und dem Radio, Medien aller Art zu entsagen – oder maximal noch Seifenopern mit glücklichen Ausgang anzuschauen. Und mich am Farbspiel des tauenden Sees, an den Knospen um mich herum, an den wieder lautstark singenden Vögeln und zur Not auch an den Mäusen zu erfreuen.
Und Dubai-Schokolade mir auf der Zunge zergehen zu lassen. Der Geschmack ist wirklich köstlich: Hauchdünne Bitterschokolade hält einen üppigen Brei aus buttrigen Pistazien zusammen und zergeht mit langanhaltenden Geschmack im Mund und wärmt die verzweifelte Seele.
Warum nur tut mir Hellblau inzwischen weh…
