Das Werden findet viel Zuspruch, Zuwendung und freudige Erwartung. Sehr zurecht. Ein Neugeborenes wärmt das Herz. Die ersten Jahre werden voll freudiger Wachheit erwartungsvoll begleitet.
Dagegen ist das Gewordene doch ziemlich unterbelichtet. Damit tun wir uns viel schwerer. Der andere Pol, das Alter, wird mit Krankheiten, Pflegebedürftigkeit, mit der Angst vor Demenz verbunden. Jedenfalls erscheint für mich dieses Bild auf dem öffentlichen Tableau. Ja, auch das gehört dazu. Aber doch noch viel mehr. Wird auch das sichtbar? Und wird nützlich für die Welt, so wie sie jetzt ist. Kaum. Wenig.
Mal so nebenbei: Beide Lebenszeiten sind mit Pflegebedarf und Zahnlücken verbunden. Am Anfang ganz selbstverständlich. Die Zahnlücken sogar charmant. Am Ende…na ja.
Auf jeden Fall fehlt am Ende die Selbstverständlichkeit der Bedürfnisse – ohne Abwertung.
Den unbeschriebenen „Blättern“ der frühen Kindheit wohnt ein unbeschreiblicher Zauber inne. Keiner stellt das in Frage. Doch welcher Zauber versteckt sich in einem sich vollendendem erfüllten langen Leben. Welche Schätze liegen da ungehoben? Und vor allem: Wie können sie entdeckt werden und genutzt.
In der Politik ist das Alter überpräsent. Für mich am falschen Platz. Die Juengeren sollten das gesellschaftliche Universum gestalten. Umgeben von einem kunstvoll geschmiedeten Schutzschild der Altvorderen – die nicht in der Macherrolle agieren. Eher als breit aufgestellte Gurus. Helfend beim Austarieren der Macht und der Ideen.
Ich erlebe, dass der Blick auf das Alter sich heute meist ziemlich verengt zeigt. Bewundernd noch vorhandene sportliche, physische Fähigkeiten und eine fast faltenlose Optik. Zur Not ist noch das wache Interesse an der Welt eine Erwähnung wert.
Ich glaube die wirklichen Schätze liegen mindestens eine Schicht tiefer. Sie zu finden, macht Mühe. Dort verstecken sich, glaube ich, die wirklichen Geschenke an die Nachfolgenden, an die Welt. Sehr zu Recht wird davon gesprochen, dass unsere Kinder die Zukunft in sich tragen. Doch bin ich überzeugt, dass auch das Alter ein wichtiger Teil dieser Zukunft ist.
Anfang und Ende spiegeln sich und halten beide die Mitte – ein Bild, dass mir gefällt. Ein stimmiges Bild, finde ich.
So gesehen liegen Werden und Gewordensein ganz dicht beieinander.
Auf zur generationsuebergreifenden Schatzsuche! Macht IHR mit?
