For ever: Werdend

Das Gewordene ist mehr geworden, aber das Werden hört nicht auf. Im Alter. Ich bin auf der Suche, mal wieder oder wie immer.

Sagen wir mal so: Das Frausein, die weiblichen Fähigkeiten haben sich in den letzten Jahren ein bisschen mehr ins allgemeine tägliche Bewusstsein gedrängt. Ich sage bewusst „ein bisschen mehr“, weil ich einen noch langen mühseligen Weg ahne. Doch der scheint mir inzwischen unumkehrbar. Hoffentlich.

Wenn ich heute Morgen nach Istanbul schaue und lauter beanzugte Menschen an den Verhandlungstischen sehe, kommen mir leichte Zweifel. Wo sind an so entscheidender Stelle die Menschen weiblichen Geschlechts? Die Stimmen, die durchdringend fordern „ Hört auf unsere Kinder abzuschlachten, zu ermorden. Auf solche tote Helden wollen wir verzichten, die brauchen wir nicht!!!“ Doch die Macht ist männlich und so unglaublich fest zementiert. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Trotz aller Fortschritte.

Mir klappte jüngst der Unterkiefer herunter, als eine junge linke ziemlich charismatische Politikerin fast schrie, dass ihre Partei den Kapitalismus abschaffen will. Kein Wort weiter. Ich hätte ja wenigstens eine Andeutung des WIE erwartet. Ansonsten ist das für mich übler linker Populismus, Lieschen-Müller-Politik oder irgend so etwas. Doch die Rednerin verfügt über Ausstrahlung und man hofiert sie durchaus.

Aber, um zum Anfang zurück zu kommen, allmählich glaube ich, dass der Weg um eine andere Ecke geht. Das bewusste, selbstbewusste Weibliche muss sich der Macht und den Mächtigen stellen. Noch viel viel konsequenter als bisher und sich nicht einschüchtern lassen von der geübten Männlichkeit. Denn die weiß vermeintlich immer noch wie MANN es macht und es schon immer gemacht hat.

Ich denke da in jüngster Zeit an Anna-Lena Bärbock und Saskia Esken. Durchaus auch Angela Merkel. Was war ihr Fehler? Für mich auffällig, dass die beiden Erstgenannten auf weibliche Weise, die Angelegenheiten betrachtet und ausgesprochen haben, dass sie nicht die besseren Männer sein wollen. Ich habe nirgendwo überzeugende Argumente für ihre vermeintliche Unfähigkeit gefunden. Bei Baerbock nur: ‚So kann man doch unmöglich Außenpolitik machen‘. Aber womöglich FRAU. Ist es vielleicht dringend notwendig, die althergebrachten Maennerspielregeln der Diplomatie aufzubrechen und zu verwandeln?

Für Esken habe ich letztendlich nur den Hauptvorwurf gefunden, dass sie keine Ausstrahlung, kein Charisma habe. Ich finde: Hat sie, nämlich eine sachliche verbindliche Glaubwürdigkeit, verbunden mit ehrlichen Mühen. Nicht das Salbungsvolle oder das „Ich weiß es“ der männlichen Welt.

Merken wir überhaupt wie sehr männliche Sicht- und Denkweisen und männliches Urteilen unsere Gesellschaft dominieren???!!!

Das Gewordene ist ein Geschenk. Wir werden reichlich damit beschenkt. Aber irgendwann können wir es nur noch in die Vitrine stellen oder mit kühnem Schwung kreativ verwandeln.

Eigentlich wollte ich über das Alter schreiben. Fortsetzung folgt.

Kritzelei vom heutigen Tag: Roter See im blauen Wald mit grüner Katze unterm grünen Mond. Erst mal Vertrautes gnadenlos aufbrechen…Wie sonst soll Neues entstehen?

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