Alterslos

Ich fühle mich ziemlich alterslos. Ein Satz, den mir viele meiner Generation (plusminus) schon bestätigt haben. Jungsein ist ein Lebensgefühl, an das sich alle erinnern. Ist das Alterslos-Gefühl vielleicht die Alternative fürs Älterwerden?

Das innere Chaos der Jugend hat sich so etwa in Zehn-Jahresschritten gelegt. Ist gepolstert worden mit Lebenserfahrung. Eine gewisse Leichtigkeit hat sich eingestellt. Wahrscheinlich macht das das Alterslos-Gefühl aus. Jedenfalls bei mir.

Konträr dazu erlebe ich den gesellschaftlichen Diskurs. Da geht es um Krankheiten, Demenz in Varianten, Pflegebedürftigkeit. Am anderen Pol erscheinen die 90jaehrigen, die noch locker den Jakobsweg laufen, die 80jaehrigen, die noch mal schnell ein Unternehmen gründen. Schön und gut, auch das ist möglich und durchaus bewundernswert.

Doch wo ist die Mitte zwischen beiden Polen? Sie erscheint im hochgelobten Ehrenamt, auch schön und gut.

Mir ist das einfach zu wenig. Bei allen Wehwehs und Wehwehchen, die einschränken und sich mit den Jahren einstellen, da wäre doch noch einiges mehr. Viel mehr, bin ich überzeugt, was die ältere Generation der Gesellschaft zu bieten hat.

Was geschieht mit dem riesigen Erfahrungsschatz der Älteren und Alten? Wo und wie wird er wirklich genutzt, um heutige Probleme zu lösen? Nicht als Alternative zu den Ideen nachfolgender Generationen, sondern eng verzahnt mit ihnen – und das überall im Alltag. Sowie es ein Ringen um ein Miteinander im deutschen Vielvoelkerland gibt, wünsche ich mir ein solch intensives Ringen um ein Miteinander der Generationen. Ein Bewusstsein dafür und eine Suche nach geeigneten Formen, die weit über das Vorhandene hinausgehen.

Können wir es uns denn leisten, die Ressourcen des Alters brach liegen zu lassen?

Die Leichtigkeit von der ich Anfangs sprach, hat doch auch mit etwas mehr Draufsicht und dem etwas sicheren Blick für das Wesentliche zu tun…

Für Kinder und junge Erwachsene ist es sehr wichtig, eigene Erfahrungen zu machen und sich auszuprobieren. Die Erwachsenen dürfen mit einem wachsamen Blick in der Nähe sein. Sie müssen aber auch den Mut haben loszulassen.

Gilt das Gleiche auch im Kontext der Generationen, im gesellschaftlichen Kontext?

Ich glaube nicht.

Nachsatz: Ich musste gerade laut lachen. Mein Titel „Alterslos“ wurde von der IPhone-KI in „Altersvorsorge“ verwandelt. Das ist doch genau das, worum es mir geht. Auch so ein Schlagwortklassiker, wenn es um 60plus geht. Nichts dagegen. Aber wäre es nicht genauso wichtig, über die oft unvermeidlichen Einschränkungen im Alter Bescheid zu wissen? Dass ein kleines Kind vieles noch nicht ist selbstverständlich akzeptiert. Und das im Alter vieles nicht mehr geht? Ich glaube da fehlt es an Selbstverständlichkeit. Wer fragt mal nach den Vorzügen des Alters, nach dem guten Lebensgefühl?

60 plus 1…

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