Wieder mal: Zwischen den Welten

Wie groß ist die Kluft eigentlich zwischen meinem kleinen idyllischen Rückzugsort mit dem Blick über die Dächer der Weltstadt Berlin und dem Weltenwandel in unmittelbarer Nähe und transatlantisch. Noch ist doch alles immer so wie es schon immer war. Auch wenn so etwas wie ein bedrohliches Damoklesschwert in großer Höhe über uns zu schweben scheint. Beruhigend, unberuhigend.

Heute habe ich mich meinen Haushalt gewidmet: dem ewigen Staub, der sich, zu lange nicht beachtet, zu Schmutzklumpen ballt. Und der in alle unmöglichen Ecken kriecht und zu Turnübungen herausfordert. Eigentlich habe ich es gern, wenn es rundum freundlich blitzt, aber…Die Überwindung, endlich etwas dafür zu tun, kostet reichlich Energie. Im Laufe der Jahre habe ich einige Strategien entwickelt, die helfen aus der Lähmungsposition durchzustarten. Im Laufe der Zeit waren es vor allem schöne neue Blumensträuße, die ich mir als Belohnung genehmigt habe. Das reicht schon lange nicht mehr. Ich musste erfinderischer werden.

Anschließend durfte dann ein Lieblingsessen bestellt werden oder mal um die Ecke einfach so essen gehen. Letzteres scheiterte zunehmend an augenblicklicher Appetitlosigkeit. Die allerneueste Belohnungserweiterung: Statt der alten Schlappersachen ein originelles Outfit, in dem ich mich wohlfühle. Sehr zur Nachahmung zu empfehlen! Ich merke bei mir, dass das staubverhüllte Inventar mit mir ganz anders in Kontakt tritt – oder ich mit ihm. Egal, lässig coole Klamotten steigern schließlich in jeder Situation das Selbstwertgefühl.

Das alles hat etwas mit einem Belohnungssystem zu tun. Aber: Seit einem reichlichen Jahr habe ich für mich eine viel bessere Strategie (oder besser Taktik?) entwickelt. Und damit wäre ich bei meinem Ausgangspunkt.

Jedenfalls stecke ich die beiden schwarzen Knöpfe in die Ohren und gehe auf dem Smartphone auf die Podcast-App. Meine wöchentlichen Favoriten sind Lanz und Precht. Seit ein paar Jahren folge ich gern ihren Diskussionen über das GroßeGanze. Bin völlig dabei und diskutiere, zwangsläufig unerhört, mit. Ich mag ihre Art mit den Dingen umzugehen, das eigenständige freie Denken und ihr großes Hintergrundwissen. Es sind die Themen, die mich beschäftigen. Und es hilft mir beim eigenen Nachdenken weiter.

Währenddessen tun Swiffer, Glasreiniger und Putztuch nahezu von allein, wozu sie da sind. Der Putzfrust gewinnt weder in meinem Kopf, noch in meinem Bauch an Terrain. Einfach genial. Wieder ein Stück an Resilienz dazu gewonnen.

Um Resilienz ging es unter anderem auch Heute im Gespräch der Beiden. Nicht nur wir Einzelindividuen sollten mit dem Phänomen Überempfindlichkeit zu Rate gehen. Auch die Gesellschaft als Ganzes. Noch nie ist alles so geblieben wie es war. Eigentlich ist Unsicherheit das Normale, was viele bei all der relativen Geruhsamkeit der letzten Jahrzehnte ein bisschen vergessen haben.

Dagegen zu setzen wäre trotz allem ein persönlicher Vertrauensvorschuss in die Welt, trotz allem. Oder gerade deswegen. Mit meinen Worten ein grundsätzliches Gottvertrauen oder ein Vertrauen ins Universum, an eine höhere Weisheit. Eine, die es richten wird, wenn wir machtlos sind. Oder irgendwie in der Nähe dieser Befindlichkeit.

PS: Alle Putz-Belohnungen habe ich mir deshalb nicht verboten. Den Podcast gibt es einmal in der Woche am Freitag. Für mich gehts auch, ihn zwei-, dreimal aufzusparen – je nach Bedarf. Und dem Staub kann ich mit einer reichlichen Portion Resilienz begegnen. Musik im Ohr hat bei mir nicht diese nachhaltige Wirkung.

Der Belohnungsstrauß🙂‍↔️

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