Menschenleer

Früher Nachmittag. Ich stehe an einer Ampelkreuzung. Ringsherum an allen vier Übergängen kein Mensch. Nur ich. Doch die Straße ist überfüllt. Auf allen vier Fahrbahnen reiht sich Auto an Auto. Durchatmen verbiete ich mir. Mit schlechtem Gewissen drücke ich auf den Haltewunsch an der Ampelschaltung. Ich könnte ja Siegergefühle und einen Machtrausch entwickeln. Weil: Ich habe hunderte Autos zum Stehen gebracht. Schlagartig halten alle an. Nur wegen mir. Ich bin froh, endlich die Straße überqueren zu können. Mehr nicht. Das massenhafte Anhalten war vielleicht fussgängerfreundlich, aber umweltfreundlich?

Ich stelle mir das Szenario umgekehrt vor. Die Straßen leer, nur vereinzelt ein Auto oder ein Bus oder ein großer Transporter. Auf den Übergängen Scharen von Fußgängern, die entspannt – nicht im Sprintmodus – die Kreuzung queren. Leichtigkeit, viel Luft zum Durchatmen… Zukunftsmusik? Die Hoffnung stirbt zuletzt. Schön wärs schon.

Als Ex-Autofahrerin überfällt mich dann das Kapitel Nahverkehr oder Öffis, wie es in Berlin heißt…

Hinterlasse einen Kommentar