Farbenspiel

Es war so ein freundliches Wortgeplänkel. Um Kleidung ging es. Ich: „Rot trage ich gern.“ Das Gegenüber: „Du bist eben Rot.“ So, oder so ähnlich der Wortwechsel. Das wars dann auch zum Thema, der allgemeine Small-Talk ging weiter querbeet. Jenen Satz habe ich erstmal abgeschüttelt – Selbstschutz wahrscheinlich. Doch er verfolgt mich seitdem.

Ja, ich habe in einem vermeintlich roten Land 40 Jahre lang gelebt. Aber war ich rot? Rot, weil ich irgendwie auch an dieses Experiment geglaubt habe?

Es passt nicht. Auf Schubkästen reagiere ich immer allergisch. Ich bin weder rot, noch grün, noch blau, noch schwarz. Rot vielleicht wenn es um Gerechtigkeit geht. Grün, weil es mir am Herzen liegt, dass dieser Planet überlebt. Blau, wenn es um eine für Mensch und Umwelt gut geführte Wirtschaft geht – ich merke, hier vermischen sich schon die Farben. Wenn Schwarz für das Christsein steht, auch dann sage ich: Ja, es gibt eine Welt außerhalb unseres Alltagsbewusstseins, die mehr ist, als unsere gebräuchlichen Sinne üblicherweise wahrnehmen. Und Lila ist auch eine wichtige Farbe für mich. Den Regenbogen mag ich sowieso, aber ich bin keiner.

Schubkästen und Stempel haben eine sehr praktische Seite. Sie schaffen Ordnung und sorgen für Übersichtlichkeit. Und für eine gewisse Bequemlichkeit. Insofern mag ich sie auch in meinem Haushalt, zumindest die Schubkästen. Aber, wenn es um Menschen, ihr Sein, ihre Lebenssichten, ihre Fähigkeiten und ihr Unvermögen geht, da sträubt sich in mir alles.

Mag sein, dass Parteien mal wichtig waren. Aber passen sie noch in unser Zeitalter, wo Annäherung und Kompromisse zum allseitigen Vorteil inzwischen zwingend gefragt sind?

Die Welt ist immer bunter geworden, auch queer. Aber ich meine BUNT. Wem nutzt es noch, wenn immer wieder Fronten aufgemacht werden. Kriegsfronten gleich gar nicht. Auch irgendwelchen Mehrheiten wird es nichts mehr bringen.

Das Spiel mit den Farben bringt Kunst hervor. Ob es auch gelingen kann, Lebenskunst gemeinsam damit zu zaubern? Fernab von Ideologien, den vermeintlichen Schubkästen, die doch nur verhärtete Fronten schaffen.

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