Manchmal…

…kommt es mir so vor, als würde unser Leben zum Trauma mutieren. In der heute meist üblichen Lesweise, gerät inzwischen fast jede schwierige Lebenssituation in die Traumadefinition. Fluch und Segen einer psychologisierten Gesellschaft?!?

Sind wir nicht alle vom Leben gezeichnet? Und ist das nicht ganz normal? Gehören Herausforderungen jeder Art und ihre Folgen nicht zu unserem normalen Leben? Und am Wichtigsten: Sorgen nicht gerade sie für Entwicklungsschuebe in der individuellen Biografie? Narben eingeschlossen.

Ich glaube: Ja, wir brauchen sie, dringend. Und Leben hinterlässt nun mal Spuren. Es ist doch wie mit unserem Immunsystem. Es kann erst wachsen und stark werden, wenn es geübt und gelernt hat, mit den unterschiedlichsten Angreifern umzugehen. Da kommt es auch zu Tiefpunkten, Entgleisungen und Krankheiten. Danach ist es schlauer und widerstandsfähiger.

Genauso wenig ist übermäßige Hygiene hilfreich. Andersherum: Herausforderungen aus dem Weg zu gehen oder sich gegen sie zu wehren, das verhindert letztlich Entwicklung.

Freilich hat und braucht jeder Mensch seine eigene Strategie, um durch dunkle Taeler und schwindelnde Höhen zu gelangen. Sie verlangen jedem alles ab. Aber nur ich selbst kann herausfinden, wie ICH es bewältigen kann – nur ich. Das gilt für den Leib, die Seele und den Geist, die letztlich ein eingespieltes Team sind. Ein sehr individuelles.

Dabei a massive eigene Grenzen zu stoßen, kann geschehen. Aber eher als Ausnahme. Am wichtigsten scheint mir, dass jemand im Bedarfsfall zum Zuhören bereit steht. Sozusagen Alltagshilfe aus dem Familien- und Freundeskreis.

Doch das nun wieder kann durchaus schwierig werden. Noch gibt es viel zu viele innere und äußere Grenzen über Problematisches zu sprechen. Auch gesellschaftliche Tabus. Wenn wir lernen, damit bewusster umzugehen, wären wahrscheinlich die Sprechstunden der Psychologen nicht mehr überlaufen.

Denn dorthin, denke ich, sollte der Weg erst führen, wenn gar nichts mehr geht.

Eine psychologisierte Gesellschaft oder gemeinsam lernen – offen und zugewandt? Es geht doch darum, den ganz normalen Alltag (manchmal auch Wahnsinn) zu meistern.

Das Leben ist anstrengend. Vor allem aber ist es schön, sehr schön. In seinen schönen Momenten täglich Party feiern – wie wäre es damit?! Jeder Tag verfügt ueber reichlich Happy-Hour-Augenblicke. Vielleicht halten wir sie genauso fest wie die Drama- und Trauma-Episoden.

Es gilt auch für Kinder: Ueberbehütet können sie nicht gedeihen. Ein Leben ohne Risiko ist leider nicht zu haben.

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