Dejavu-Erlebnisse erwecken bei mir Faszinationen. Schon immer. Ich schaue in ein Gesicht, es erweckt Vertrautheit. Mein Gedächtnis liefert keinen Namen dazu. Und dabei bleibt es, ein wenig Verstörtheit eingeschlossen. Doch manchmal tauchen aus der Nebelschicht Bilder auf. Bilder von fremd vertrauten Orten. Sie ranken sich um mich, um das Gesicht, um aber auch schnell wieder zu verschwinden.
Gesichter haben mich auch jüngst wieder eingefangen. In der Gemäldegalerie am Kulturforum. Irgendwann begann das Spiel: Wo würde dieser bärtige Renaissance-Mensch heute hinpassen? Gastwirt im Sternerestaurant, Schauspieler in der Krimiserie. Wo könnte ich die Lady mit dem verhaltenen Lächeln heute treffen? In der aktuellen Kunstausstellung als Besucherin oder als Museumskuratorin? Als Mutter von sechs Wunschkindern? Wenn ich die historischen Outfits und Frisuren weglasse, werden mir die Gesichter ganz und gar heutig.
Haben wir Erdlinge uns über hunderte von Jahren nicht wirklich verändert? Ist, was wir ausstrahlen, eine Konstante des Menschseins? Ist die (wissenschaftlich nicht vorhandene) Seele ein Leben lang immer auf dem gleichen Entwicklungsweg? Obwohl sich das Drumherum so sehr verändert hat?
Wir entwickeln uns nicht mehr – oder kaum noch – a Verboten und Geboten. Wo aber finden wir die Herausforderungen, die nicht nur unser Wissen wachsen lassen? Sondern den Menschen über sich hinaus im besten Fall.
Dann müsste sich vielleicht nicht alles wiederholen. Was wir derzeit erleben, ist doch nichts anderes als das, was uns Geschichtsdokus permanent vor Augen führen. Immer und immer wieder Hass, Krieg, Verrat, Machtgelueste, Vernichtung…Jubelnde Sieger und Leidende.
Was für eine Spezis sind wir eigentlich? Müssen wir uns wieder und wieder gegenseitig umbringen, bevor wir den göttlichen Funken in uns gefunden haben?
