Chaostag

Wozu muss es solche Tage geben?

Nach dem Aufwachen weiß ich ‘heute muss es sein’. Der Anruf beim Telefonanbieter. Das WLAN funktioniert nur noch wenig ambitioniert. Vor zwei Wochen wurde mir gesagt, dass es an der uralten Simkarte liege. Doch die neue samt Erklärung verwandelt sich vor meinen Augen in ägyptische Hieroglyphen. Mein mutiger Besuch in einem Laden endet mit dem Satz “Das ist Quatsch, daran kann es nicht liegen. Es wird wohl der Router sein.” Einleuchtend, der ist ebenfalls uralt.

Nach zwei Wochen notwendiger Erholungsphase, will ich also heute den nächsten Schritt wagen. Ich kann es nicht länger vor mir herschieben, denn inzwischen habe ich eine für meine Verhältnisse astronomische Monatsabrechnung bekommen. Ich ahne: Da besteht ein Zusammenhang. Ist auch so.

Es ließ sich nach einigem Hinundher und Kreuzundquer einigermaßen flüssig klaeren, inclusive Routerproblem. Der soll auf dem Postweg kommen. Einen Techniktermin habe ich auch. Und: Ich will es nicht glauben, ein Techniker kommt ins Haus. Geht doch.

Eine Viertelstunde später erscheint eine SMS: Ich möge doch unter dieser Telefonnummer noch mal zurückrufen, sonst könne der Auftrag nicht abgeschlossen werden. Ich lande, wie schon gewohnt, bei der reizenden KI-Stimme. Muss wieder alle möglichen Daten mitteilen. Beim dritten Anlauf akzeptiert sie auch, dass ich einen Mitarbeiter sprechen muss, weil mein komplexes Problem nicht in ihre angebotene Hilfsauswahl passt.

Die Mitarbeiterin ist freundlich nachdem ich nochmals zu meiner Sicherheit alle Daten abgearbeitet habe – inzwischen mit einer ziemlichen Routine. Ja, sie wird mich direkt mit der richtigen Stelle verbinden, ich solle nicht auflegen. Es ruft, eine gefühlte Viertelstunde. Dann fliege ich aus der Leitung.

Könnt ihr mir noch folgen?

Jetzt bin ich einem Nervenzusammenbruch nahe. Es sind etwa zweieinhalb Stunden seit meinem mehr als mutigen Entschluss das Problem anzugehen vergangen. Frühstück ist ausgefallen und alle anderen “To do’s” auch.

Ich bin regelrecht gecrasht und gehe erst mal wie verabredet ins Kino. Der kleine Imbiss vorab wird zum nächsten Fiasko, denn er kommt nicht. Im Trubel vergessen. Dann geht’s schnell und zum Trost Schokokuchen-Stückchen obenauf.

Bei ‘Hannah Arendt’ komme ich langsam wieder bei mir an. Doch diese spannende alte und doch so heutige Lebens-Geschichte lässt leider auch nicht nur gute Gefühle aufkommen.

Zwischendurch vermisse ich die Uhr an meinem Handgelenk und stelle fest, dass ich über alledem einen wichtigen Termin verpasst habe.

Wieder zu Hause, ein Glas Wasser, tief Durchatmen und unvermeidbar wieder die schmeichelnde Stimme der KI. Ich muss es heute zu Ende bringen. Jetzt bin ich geübt: “Bitte einen Mitarbeiter!”, sage ich etwas zu laut und unwillig (ob die KI Gefühle hat und wahrnimmt, frage ich mich so nebenbei ). Und es klappt diesmal ohne langes Hinundher.

Wieder eine sehr nette und geduldige Mitarbeiterin. Der ich mein Anliegen und auch kurz meine Erlebnisse schildere. Sie versichert mir, dass sie mich verbindet und erst auflegt, wenn ich mit dem betreffenden Mitarbeiter verbunden bin. Ich ungläubig: “Ja, wirklich?” “Ja, wirklich.” Doch dann wieder die Mitarbeiterin höchstpersönlich: “Ich habe alles geklärt. Der Mitarbeiter kommt zum abgesprochen Termin ins Haus!” “Wirklich?” “Wirklich!”

Ich bedanke mich freundlichst, lege auf und atme tief durch. Die Geschichte hat Morgens um 8 Uhr begonnen, jetzt ist es 19.15 Uhr.

Dann macht es ‘Pling’. Eine SMS. Verkürzt: Ihr Termin ist der 13., (nicht der vereinbarte), ein Techniker ist nicht notwendig…

Ich weiß nicht, ob ich einen Schrei-, einen Heul-, einen Lachanfall bekommen soll oder alles auf einmal…

Rentner haben schlechte Nerven und viel Zeit. Wozu muss es solche Tage geben?

Wie beginne ich jetzt den nächsten Tag???

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