Mit Phänomenen ist das so eine Sache. In der Quintessenz geht es darum, etwas aus der augenblicklichen Wahrnehmung zu beschreiben. So objektiv wie nur möglich, was gar nicht so einfach ist. Denn letztlich nimmt ja doch ein individuelles Ich aus seiner Perspektive wahr. Und wenn es um Menschliches geht, wird schnell ein (unbeabsichtigtes) Urteilen gefühlt.
Es kann sich bei den Phänomenen durchaus auch um ein inneres Erlebnis handeln. Doch meist begegnen uns Phänomene eher im Außen: In der Natur, in unserer Umgebung, aber auch im gesellschaftlichen und sozialen Kontext.
Mich bringen Phänomene, einmal entdeckt, eher zum Staunen. So ungefähr: „Was geschieht denn da? Was spricht sich aus?“
Ich muss jetzt mal ein Erlebnis aus jüngster Zeit beschreiben. Ich bin mir sicher, schon mal irgendwann an dieser Stelle über unsere psychologisierte Gesellschaft geschrieben zu haben. Bei Gesprächsversuchen darüber bin ich stets ins Leere gelaufen oder habe massive Ablehnung erfahren. Im Sinne ‚Ist doch gut so‘ oder ‚Du übertreibst‘ oder ‘Wird Zeit, dass das Normalität geworden ist’.
Jetzt gelangte eine “Die Zeit“-Ausgabe der letzten Wochen auf meinen Tisch. Titelthema: „Haben denn alle ein Trauma?“ Spannend.
ZEHN TAGE SPÄTER , ICH MUSSTE MiTTENDRIN AUFHÖREN:
Das nächste Phänomen passiert. Das Thema hat mich selbst voll am Angelhaken.
Die allgegenwärtigen Traumata scheinen sich atmosphärisch zu verdichten.
In einer größeren Runde versuche ich ein Thema ins Gespräch zu bringen, dass mich selbst sehr beschäftigt. Aber eben nicht nur mich. Es ist ein Ost-Thema.* Mir gelingt es nicht, mich verständlich zu machen. Und schon habe ich zwei Plaketten am Hals mit der Aufschrift ‘Trauma’.
Ich glaube jetzt habe ich ‘In Echt’ ein Trauma-Trauma…
*Fortsetzung folgt
