Tiergarten

Spaetherbstlich ist’s im einstigen Jagdrevier der Majestäten. Ein bisschen Wildnis zwischen gepflegten Wegen. Statt der namensgebenden Tierwelt viel Menschliches. Zu den Wandelnden und Eilenden des Dezember des Jahres 2025 gesellen sich allerorten die Vorfahren.

Da ein Gedenkort für die brutal ermordeten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Mächtig-gewaltige Statuen verherrlichen wenig später die Freuden der Jagd.

Und schon leuchtet der von der Nachmittagssonne angestrahlte Goldengel der Siegessäule durch die Baumveteranen.

Ich versuche mir den beschaulichen Ort im Jagdgetuemmel vorzustellen. Ein bisschen beängstigend, wenn nicht die vertrauten Strassengeraeusche der Jetztzeit durch die kahle Baumkulisse dringen würden.

Dann ein eisernes Türchen, das wieder geschlossen werden soll, um die Wildkaninchen fern zuhalten. Immerhin gibt’s noch Kaninchen, wenn Rehe&Co schon nicht mehr vor Ort sind.

Nun wirds aber hell und Licht: Die liebliche Luise in mütterlicher Schoenheit überstrahlt das Rondell hinüber zu ihrem ebenfalls weißen Wilhelm.

Das war’s dann für diesen Dezembertag. Es gibt noch mehr versteinerte Dichter, Denker, Musiker zu entdecken. Das nächste Mal. Mir wird’s gerade zu viel mit der deutschen Geschichte.

Wenige Minuten später umarmt uns der Potsdamer Platz mit seinen winterlich vermummten 2025’er Gestalten. Wir waren einfach mal so ein bisschen auf Zeitreise, Zeitreisende.

In solchen Momenten ist Geschichte für mich tatsächlich nicht mehr nur Geschichte, sie geht mir buchstäblich unter die Haut. Das Gefühl, dass das alles ganz nah und noch lebendig ist, das bleibt für eine ganze Weile…

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