Ich habe eine Macke. Sozusagen eine Anti-Gelb-Macke. Auf meinem Balkon. Gelbe Blumen, wenn sie sich doch eingeschlichen haben, werden in eine hintere Extraecke verbannt. Nicht verachtet, aber, ehrlich gesagt, auch nicht sonderlich geliebt. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil sie zu mächtig, zu dominant sind. Vielleicht weil Gelb-Orange-Töne auch in meinem Kleiderschrank fehlen. Sie stehen mir nicht.
Sei‘s drum.
In diesem Frühling habe ich blau gemacht. Unbewusst.
Ganz vorn, sozusagen in der Schaufensterzone meines Balkons, wimmelt es von blauen Blumen. Blau in allen Schattierungen. War nicht geplant. Überall im Vorbeigehen habe ich spontan nach meinen blau-lila Lieblingen gegriffen. Und dann war es passiert.
Eigentlich war das Frühlings-Make-Over auf dem Balkon abgeschlossen. Gehirnrissiger Beschluss. Ich hätte es wissen müssen. Heute Morgen im unfreiwilligen (ist eine Extrageschichte) Vorbeigehen lachte mich eine blaue Anemone an. Ich konnte nicht anders.
Und dann, als ich nach einem würdigen Platz in meinem Miniaturgartenreich suchte, da bemerkte ich es:
Eine Sinfonie in Blau in allen Schattierungen lächelte mir entgegen. So viel ganz verschiedenes Blau! Unglaublich. Und dazwischen lacht, fast unverschämt motzig, ein violettes Hornveilchen. Als würde es sagen: Guck mal bis zum Rot ist es auch nur noch ein kleiner Schritt.
Das Rot behauptet sich denn auch prächtig im unteren Bereich. Eine Ranunkel, die gerade zeigt wieviel Blüten sie kann.
Und das alles vor dem offiziellen Frühlingsbeginn.
Mein Frühlingsgedicht.
Mörike erzählt dieses Blau so:

