An diesem Sonnabend Morgen

Ausschlafen, Kaffeeduft, Brötchen vom Lieblingsbäcker, die auch noch am zweiten, dritten Tag schmecken. Nach langem mal wieder zwei Lachsscheiben, Orangenmarmelade. Ganz viel Frühling im Zimmer um mich herum. Auf dem Balkon zittert das Bündel leuchtend blauer Traubenhyazinthen im Wind…Im Ohr zwei Knöpfe, für meine geistigen Leckerbissen. Ich höre Lanz&Precht im Podcast.

Irgendwie kann ich das ganz gut: Da genießen und dort die ganze wahnsinnige Welt dazu lassen. Aufgewühlt sein und gleichzeitig das Schöne dieser Welt genießen, bewusst genießen. Und dankbar sein, dass das (noch?) möglich ist.

So die innere Unruhe beherrschen und meinen grundsätzlichen Optimismus nicht verlieren.

Lanz&Precht sind mir schon lange geschätzte Gesprächspartner. Sie führen die Gespräche, die ich auch gern führen würde. Egal mit wem, aber auch gern mit den Beiden. Aber immerhin ist dieses für mich in eingeschränkter Form dank Sozialmedia möglich, immerhin.

Diese Gespräche weiten jedes Mal meinen Horizont, ich diskutiere ungehört mit, kann meine eigenen Gedanken weiterdenken und fühle mich ihnen verbunden. Und widerspreche ihnen immer mal. Ich schätze Markus Lanz und bin meist eher auf der Seite von Richard David Precht. Verrückt, was dieses revolutionierende Welt der neuen Medien vermag.

Diesmal war Jürgen Habermaas der rote Gesprächsfaden. Gerade hat der Philosoph nach 96 Jahren das irdische Plateau verlassen. Doch hinterließ er Gedanken, die leben und beleben. Philosophie muss nicht abgehoben sein. Sie bewegt sich in der Zeit und ist auf der Suche. Für Habermaas steht, wenn ich die beiden Podcaster richtig verstanden habe prägend der Satz, der nicht von ihm ist: „Wahrheit entsteht im Gespräch“.

Betonung auf „ENTSTEHT“. Ja, sie kann entstehen, wenn Gespräche möglich sind. Und nicht nur Schlagabtausch mit Worten. Vielleicht dann auch noch im Whats-App-Format. Gespräche mit einer suchenden Haltung.

Ansonsten bewahre ich mir meinen Idealismus, der nicht an der Wirklichkeit zu Grunde geht. Mein Glaube an die Vernunft ist groß. Inzwischen ist die Erfahrung allerdings stärker, dass mit Gefühlen und starken Worthülsen der Lauf der Dinge regiert wird. Dass sie eingesetzt werden um die Welt zu beherrschen, die nicht beherrschbar ist. Wenn auch immer wieder Menschen auftauchen, die genau das wollen. Leider nicht im Guten.

Es geht mir um eine suchende Haltung und ein grundsätzliches Bejahen von dem, was dieses irdische Dasein an Gutem möglich macht. Und die Freude daran, es zu leben.

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