Während Rilkes Weihnachtskorrespondenzen samt Lesezeichen noch neben dem Kopfkissen mit mir zusammen vor sich hindoesen, liegt draußen Schnee. Richtiger Schnee und ganz schön viel. Seit endlos vielen Jahren mal wieder. Unter meinem Fenster rodeln begeistert die Minis aus den umliegenden Kitas. Im Gefrierfach wartet geduldig das Schokoeis vom letzten Jahr auf die Leckermäuler. Die glänzenden Kastanien mussten nun endgültig mit den Tannenzweigen weichen. Mit ihnen auch ein paar bunte Herbstblaetter. Das neue Jahr fordert unweigerlich seinen Raum. Zum Frühstück lachen mich, die ersten gelben Blüten aus der Vase an. Ein Frühlingsversprechen, ein allererstes. Dennoch: Seit der letzten frostigen Nacht lassen die üppigen Christrosen auf dem Balkon die Köpfen hängen. Ich bin zuversichtlich, sie werden es schaffen.
Vier Jahreszeiten gleichzeitig und friedlich vereint.
Die Krönung entstand im Wohnzimmer ganz zufällig: Die schönsten Blüten der letzten zwölf Monate durften auf einem großen Teller trocknen. Jetzt wärmen sie die Seele und geben der Freude an Schnee und Eis eine Chance…
Und ich frage mich: Wo ist der Anfang und wo das Ende?
