Zur U-Bahn geht’s immer geradeaus. Ca. 1500 Meter. Das passt für mich zur Einstimmung für einen Opernabend. Zurück ist es anders. Aus der Oper in die U-Bahn fallen, das geht überhaupt nicht. Also wieder die 1500 Meter, nur ein ganz anderer Weg. Der führt durch eine, mal diskret ausgedrückt, wenig beschauliche Straße zum Bus. Kontrastprogramm zur Oper. Der Rest des Weges zur Oper passende dunkle Beschaulichkeit. Rituale, die sich eingeschlichen haben, ganz unauffällig. Sie betten den Abend ein. Dazu, auch rituell, die letzte Reihe im 2. Rang.
Puccinis Musik war Balsam. Zwei Einakter, der eine zutiefst berührend, der andere urkomisch. Zweimal gelungenes Buehnenszenario zur Musik.
In der Pause im Foyer notiert zu „Suor Angelica“:
Gesellschaftliche Scheinmoral und Unmenschlichkeit, einer jungen Frau wird nach der Geburt ihr uneheliches Kind weggenommen. Sie wird ohne Nachrichten von der Familie ins Kloster gesperrt. Eine unglaublich einfühlsame sanfte, teilweise beschwingte Musik. Gänsehautmusik. Klosteridylle auf der Bühne. Der Wahnsinn einer anderen Zeit. Bedeckt vom religiösen Schleier. Kann so eine Zeit so eine Musik hervorbringen? Was bleibt von unserer Zeit, in der alle Schleier gefallen sind, wo Verklärung absurd geworden ist? Was war das? Bis zum eigenen seelischen Schmerz. Brutalität verschleiert, sichtbar und unsichtbar. Kaum aushaltbar. Kann Menschlichkeit noch siegen? Um unseren Kosmos zu retten. Wenn, dann nur so, anders geht’s nicht.
Im zweiten Einakter „Gianni Schicchi“ gehts an die Lachmuskeln. Genannter führt einen ganzen erbwütigen Familienclan vor und an der Nase herum. Im Stil der Comedia d‘ell Art…auch das kann Oper.

Schöne Hin- und Rückwege zur Oper:
Der April war auch noch wettergnaedig…