Das Leben hat mich heftig am Genick gepackt. Will es mich nicht mehr? Oder will es mir gnadenlos etwas beibringen?
Was? Die Frage treibt mich um.
Ich packe das Leben beim Genick. Und schaue ihm tief in die Augen: Hilf! Hilf mir zu erkennen! Wo hakt es? Und vor allem wie?
Da flüstert mir Rilke energisch ins Ohr: „Gib seinen leichten Händen nichts zu halten von deinem Lastenden“. Und meint den Engel. Meinen Schutzengel, meinen Lebensgefährten. Mein Double sozusagen.
Ja, ich weiß ja. Er führt mich nur dorthin wo ich wachsen kann. Der Rest ist meine Aufgabe, die ach so oft (noch) nicht zu erfüllende.
Der Trost kommt erst am Ende des Gedichts: „Sie kämen denn des Nachts zu Dir, dich Ringenden zu prüfen und brächen dich aus deiner Form heraus als ob sie dich erschüfen.“*
Ich packe das Leben samt meinem Engel zärtlich am Genick und schaue ihm tief in die Augen…
Und vertraue ganz einfach dem Leben. Ganz besonders, wenn es mich am Genick packt.
…und vertraue mir und der Nacht. Dieser einen, in der mir eines Morgens der Schlüssel überreicht wird. Vielleicht…
*Zitate „Der Engel“, aus dem Gedächtnis und daher möglicherweise nicht ganz korrekt.

Unsere unirdischen Engel und ihre oft ach so sehr verschlüsselten Botschaften