Ich hatte Gestern ein ganz persönliches Erleuchtungserlebnis. Juhuuu!
Tatsächlich und nicht zu hoch gegriffen. Denn es ging für mich eine Tür auf, an der ich schon sehr oft und auch energisch, vergeblich gerüttelt habe. Und das dank einer kleinen Reportage im rbb-Abendprogramm.
Es ging um hochsensible Menschen. Zwanzig Prozent der Menschen (deutsch oder weltweit?) sind hochsensibel!!! Ein ganzes Fünftel!
Diese Information war mein Schlüssel nach dem ich, relativ blind, bisher gesucht habe. Denn: seit Jahr und Tag versuche ich erfolglos, mich verständlich zu machen. Oft werde ich gar nicht verstanden und gehört. Dann stehe ich neben einer Gruppe oder ‚draußen’ vor. Irgendwann fiel auch „Du bist anstrengend“. Und ich dachte „Aha“ und grübelte weiter, was das denn sei. Ähnlich in Freundschaften. Eigentlich mein Leben lang beschäftige ich mich mit diesem blinden Fleck. Zuerst mehr unbewusst und seit Jahrzehnten sehr bewusst.
Und nun kommt beiläufig so eine Nebenbei-Reportage, die Entscheidendes zu diesem Thema erzählt. Mit fast gleichen Worten ähnliche Erfahrungen beschreibt.
Entscheidend für mich: Die zwanzig Prozent und dass es offenbar eine ganze Menge Wissen dazu gibt.
Der Türöffner !
Denn, jetzt kann ich mich auf Erforschtes, WISSENSCHAFTLICH Belegtes berufen, muss nicht mehr vermeintliche Persönlichkeitsprobleme offenbaren! Vielleicht kann ich jetzt besser ICH sein, wenn auch mit dem Wissen, zu einer ein Fünftel Minderheit zu gehören. Es ist wissenschaftlich untermauert!!! Das zählt, nur das in unserem Zeitalter.
Was erlebe ich? Drei Beispiele.
Eine den Meisten bekannte Macke von mir. Ich höre zu Hause keine Klassik. Arvo Pärt ist die seltene Ausnahme, womöglich weil sie schon aus anderen Sphären kommt – ahne ich. Also auch meine Technik-Ausstattung ist altertümlich.
Aber, ich liebe es klassische Musik zu hören, ohne eine Partitur lesen zu können. In der Philharmonie, der Deutschen Oper, im Konzerthaus. Am besten mit meinen Lieblingsdirigenten, denen, die für mich die Musik mit ihren Orchestern leben. Derzeit sind das für mich Rattle und Mallwitz. Musik im geschützten Raum mit Gleichgesinnten. Das ist es. Alles zusammen muss für mich stimmig sein. Laut, schön, durcheinander ist dann gar kein Problem. Ich brauche die Komplett-Atmosphäre.
Doch schon da wird es seit Längerem schwierig im Konzertsaal. Das Geschrei und Getrampel noch mit dem letzten Ton halte ich absolut nicht aus. Ich möchte weglaufen und bleibe gelähmt sitzen. Ich leide bis in die letzte Faser meines Seins.
Wer kennt das auch?
Das Problem, das ich schon lange benennen kann ist: Ich nehme mit allen Sinnen gleichzeitig alles gleich intensiv auf. Ich sehe zu viel, ich höre zu viel, ich fühle zu viel, aber ich denke auch zu viel…und so weiter.
Aus diesem Muster sind meine Probleme unter vielen Menschen und in Zweierbeziehungen gestrickt. Dazu kommt die vielfach bestätigte Erfahrung, dass ich mit meinem Wahrnehmen im Prinzip immer richtig lag. Naja, „du bist ganz schön überheblich“…
Anderes Beispiel:
Ich kann nicht diplomatisch sein. Wenn ich es versuche, dann geht es mir schlecht und anderen besser. Sonst offenbar umgekehrt. Sicher kann jeder Mensch mir gegenüber sein, dass ich ehrlich das sage, was ich erzähle. Ganz und gar ehrlich. Und dass das NIEMALS verurteilend oder kritisierend ist. Nur Phänomene betrachtend. Ich suche Erkenntniss, möglichst gemeinsame, um miteinander weiter zu kommen. Dazu muss doch alles beim Namen genannt werden. Ohne jede Art von Maske.
Doch leider wird es so nicht erlebt. Verflixt.
Ich weiß inzwischen: Das ist ein zu hoher Anspruch, nicht alltagstauglich. Noch nicht?
Wenn ich da weiter schreibe, kommt so ein verflixtes Alliengefühl auf.
Trotzdem, aller guten Dinge sind Drei:
Ich verzweifle gerade mal wieder an der Medizin, obwohl ich gleichzeitig zutiefst dankbar bin. Ich bekomme gerade Lebenszeit geschenkt. Aber: Kein Arzt ist an meinen nun dreimalig eindeutig erkanntenund durchlebten Auslösern der Krankheit interessiert. Nämlich tiefste innere Erschütterungen, die bis heute locker wieder hervorgerufen werden können. Zitate: Unsinn, das geht nicht zusammen, so was gibt es nicht und noch drastischer…
Wieviel gesellschaftliche Prophylaxe wäre da möglich, wenn die Medizin wahrnehmend an dieser Stelle würde. Ein Gewinn auch für die anderen vier Fünftel. Denn die Anteile dieser Art Wahrnehmung, die dürften bei sehr vielen Mitmenschen in vielen Formen und Ausprägungen vorhanden sein. Allseits erkannt, müsste doch das Soziale und Zwischenmenschliche unendlich bereichert und erleichtert werden.
Und ich weiß nun auch ganz sicher, was mich an der Antroposophie so fasziniert hat. Das ganzheitliche Wahrnehmen der Welt, des Menschen. Trotz allem inneren und teils auch äußeren Widerstreits – bis heute.
So, das war jetzt ein sehr persönlicher Befreiungsschlag für mich. Und hat mir gut getan. Euch hoffentlich auch. Und nicht erschlagen.
Über Resonanz würde ich mich diesmal besonders freuen.

Ich höre vorerst auf zu überarbeiten…