Ostwestlich (8)

Ich entdeckte das Gespräch ziemlich zufällig in der christlichen Monatsschrift „Chrismon“. Sie erscheint u.a. als Beilage diverser Zeitungen und Zeitschriften. Es handelt sich um ein Interview mit dem Schriftsteller Bernhard Schlink, das Claudia Keller in der Januar-Ausgabe 2022* führte. Ich klaue jetzt einfach mal einen kleinen Auszug daraus zu meinem Lieblingsthema. Schlink bringt für mich so einiges auf einen aussagekräftigen Nenner.

Die bekräftigenden Ausrufezeichen „Ja!, jJa!, Ja!“ schrieen beim Lesen förmlich aus meinem Inneren.

Und jetzt ein paar Zitate aus besagtem Artikel, der mit der Frage beginnt:

Warum misstrauen so viele Menschen unserem System, verweigern die Impfung, driften in völkische Szenen ab? Der Schriftsteller Bernhard Schlink meint: Es liegt an der politischen Kultur der Westdeutschen.

Schlink erzählt über seine Freundin, der er einst zur Flucht aus Ostberlin verhalf.

Zuerst kam sie, wie alle, ins Aufnahmelager Marienfelde und wurde zwei, drei Tage lang vernommen – die Angst vor Spionen. Danach gab es Gutscheine vom Senat für die Erstausstattung, wir gingen einkaufen, und sie wurde bei Vorlage der Gutscheine schäbig wie ein lästige arme Verwandte behandelt. Als sie studierte, konnte es passieren, dass sie in herablassendem Ton „Ach, das muss doch unsere Kommilitonin aus dem Osten wissen“ zu hören bekam. 

Und wenn sie etwas sagte?

Solche Bemerkungen haben sie nicht zum Reden ­eingeladen. Sie haben sie gelehrt, besser nicht erkennen zu ­lassen, wo sie herkam. Von ihr wurde erwartet, dass sie alles Ostdeutsche ablegt und so ist wie die Westdeutschen. Das war nach der Wiedervereinigung im Großen nicht ­anders als damals im Kleinen. Dass die Ostdeutschen, nachdem doch die Unterdrückung durch das SED-­Regime weg war, nicht waren wie die Westdeutschen, wurde zuerst mit ­Erstaunen, dann mit Befremden und schließlich mit Empörung wahrgenommen.

Zu den Jubiläen von Mauerfall und Wiedervereinigung kommen mittlerweile viele Ostdeutsche zu Wort. Ist das gegenseitige Verständnis gewachsen?

Im Westen findet man jetzt erst recht: Die im Osten sollten sein wie wir. Wie haben wir ihre Städte renoviert, was haben wir ihnen für Straßen gebaut, und immer noch sind sie schwierig! Es wird viel über die im Osten geredet, aber wenig mit ihnen, und vor allem wird ihnen wenig zugehört. Die Feststellung, sie hätten noch nicht die Höhe unseres demokratischen Bewusstseins erreicht, ist töricht. Im Osten nehmen sie das politische System oft anders wahr als wir im Westen, ernsthafter, mit mehr Erwartungen und dann auch Enttäuschungen. Der abgeklärte, ironisch-distanzierte, spielerische Umgang sowohl mit Kultur als auch mit Politik, der sich im Westen entwickelt hat, ist ihnen fremd.

Spielerischer Umgang mit der Politik?

Die sogenannten Sternstunden des Bundestags, in denen Moralisches auf der Tagesordnung steht, pränatales Leben oder Suizid, in denen die Fraktionsdisziplin aufgehoben und ernsthaft diskutiert wird, sind Ausnahmen. Sonst werden die Diskussionen diszipliniert unter Regeln eines strategischen und taktischen Spiels geführt, dessen Sinn sich dem Beobachter nicht leicht erschließt. 

Die AfD wurde in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft bei der Bundestagswahl. Auch wenn man sich die Impfquote in Sachsen ansieht, fragt man sich schon, was da los ist . . .

Dass die AfD dort so erfolgreich ist, ist traurig. Aber ich ­habe im Westen Freunde, die mir von ihrem guten Immun­system und den unbekannten Langzeitfolgen erzählen und sich ebenfalls nicht impfen lassen. Im Osten haben viele überdies ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat entwickelt.

Lässt sich Misstrauen gegen den Staat vererben?

Das Misstrauen gegenüber dem Staat hängt mit dem zusammen, was erlebt und erlitten wurde, und das trägt sich fort. Ich denke, man kann sich nur von starken Eltern lösen. Die Lösung von unseren Eltern, die Wiederaufbau und Wirtschaftswunder geschafft haben, fiel uns leicht. Eltern, deren Lebensläufe sich nach 1989 von den Brüchen der Wende nicht erholten, die sich beruflich und gesellschaftlich nicht mehr zurechtfanden und daran litten, bleibt man als Kind in Empathie verbunden, und man übernimmt vieles von ihnen.

Ich merke gerade: Früher, im geteilten Land, gingen wir, ging ich gern in eines der Kabaretts. Die Karten waren heiss begehrt. Denn, das war die große Chance, sich einmal in großer Runde lauthals den ganzen Frust von der Seele zu lachen. ‚Endlich wird’s mal laut ausgesprochen‘, wenn auch von hintenrum um die Ecke. Der Effekt beim Lesen des zitierten Interviews war heute bei mir in etwa der Gleiche. Nur, kein Lachen. Nur, jetzt ohne hintenrum. Für letzteres bin ich sehr dankbar.

*Wer das Gespräch ganz nachlesen will, findet es online im Chrismon-Archiv.

Im Land der blühenden Landschaften – Leipzig im letzten Sommer

FragWÜRDIG

Diverse Gesprächsrunden sind unter den riesigen Corona-Fittichen eingeschlafen – mehr oder weniger friedlich.

Gequatscht, diskutiert, gefragt wird trotzdem en masse in allen erreichbaren Medien. Mir kommt es manchmal vor, als hätte sich neben mir eine Cyberwelt etabliert. So eine mit Eigenleben. Bedrängend einerseits, nicht durchdringend andererseits. Ignorieren lässt sie sich aber auch nicht. Hat das alles noch mit mir zu tun?

„Man“ bleibt unter sich. Die Loyalen, die Impfbefürworter, die Impfgegner, die Querdenker, was auch immer das ist. Von Letzteren fühle ich mich zunehmend bedrängt. Ich fühle mich unwohl, bei dem, was auf den Straßen und im Netz passiert. Nie hätte ich gedacht, so etwas erleben zu müssen. Jetzt, nachdem die Zeiten verordneter proletarischer-sozialistischer Aufmärsche mehr als drei Jahrzehnte in den Abfallkorb der Geschichte gewandert sind.

Die Straße ist nicht mein Ort.

Die Welt der Fragen, die Welt der Suche nach Antworten schon – wohlwissend, dass die Welt auch dann nur für einen Moment klarer erscheint.

Muss ich halt weiter mit mir selbst zu Rate gehen.

Und die helle Vorfreude auf einen lichten Frühling 2022 bleibt. Die will ich pflegen wie ein Plänzchen….

Die drängenden Fragen und die verhaltenen Antworten

Randbemerkungen 19

Beim Hinausgehen ein Hinweis: Tür öffnet automatisch. Macht sie aber nicht. Ich öffne aus eigener Kraft. Nach geraumer Zeit möchte ich wieder eingelassen werden. Jetzt macht sie es freiwillig.

Ist das eine Tür, die mich prüfen will?

Sie lässt offenbar jeden hinein, aber durchaus nicht jeden hinaus. Nur, wenn er genug Kraft hat.

Die Tür ist eine Krankenhaustür.

Ist sie mehr Wächterin oder mehr Philosophin oder …? Auf jeden Fall eine sehr interessante Tür zwischen zwei Welten. Eine mit Eigensinn. Eigensinn mag ich.

Türen zwischen den Welten. Welche Welten eröffnen sich mit?

Winterblüten

Winzige weiße Blüten mit einem Hauch Rosa in der Mitte. Unglaublich was die Natur mitten im grautrüben Winter so fertig bringt. Unzählige an mehreren Bäumen.

Ich denke, wir sollten uns mehr um uns, um die menschliche Spezis kümmern. Damit wir noch eine Weile an der Geschichte des Planeten mitschreiben können.

Die Ressourcen der Natur und aller unserer Mitbewohner, erscheinen mir immer viel robuster und kreativer als unsere eigenen.

Randbemerkungen 18

Ich muss mal wieder, die neuen Medien würdigen. Ja, würdigen. Über die Schattenseiten sich auszulassen, ist meist vergnüglicher, vergnüglicher im Sinne von lästern.

Also, ich verbannt in ein Krankenhauszimmer mit Türmchenblick, erhalte die Enkelmädchen-Anfrage, ob ich mit ihr spielen möchte. Und: Wahrhaftig, das geht auch, im nächsten Moment.

Wir sehen und begrüßen uns. Ich bewundere ihr neues Shirt. Und los geht‘s. Sie nennt es das Wortspiel. In meiner Kindheit nannten wir es unbedarft Galgenraten. Jeder falsch geratene Buchstabe brachte ein Körperteil an den Galgen. Wer das richtige Wort nicht rechtzeitig fand hatte verloren. Also, der Galgen ist kein zeitgemäßes Bild. Aber leider hatte offenbar noch keiner eine bessere Idee.

Wir fangen an. Ich muss ein Wort mit 6 Buchstaben raten, das mit „M“ anfängt. Zwischendurch ruft der Mini, der eigentlich keiner mehr ist, „Stopp“. Er war noch beim althergebrachten „Stadt-Name-Land“, das wir auch schon auf diese Weise gespielt haben.

Ich quäle mich, ich komme einfach nicht dahinter. Was mag das für ein Wort sein? Dann geht mir endlich ein Licht auf: Mänsch sollte ich raten. Ich muss aufpassen, dass ich keinen Lachanfall bekomme. Määnsch (bitte aussprechen) sage ich auch manchmal, wenn ich genervt bin, Blödsinn passiert usw.

Ich bin dafür Mänsch in den Duden aufzunehmen. Und bin zutiefst dankbar, dass es FaceTime und Co gibt.

Stillleben

Mütterlich regieren?!?

Berlin werde jetzt von einer „mütterlichen Frau regiert“. Die Nebenbei-Formulierung in einer Wochenschrift hat sich mit Widerhaken bei mir eingenistet. Als ich sie lese, macht sich zuerst innerlich ein Lächeln breit. Im nächsten Moment gesellt sich etwas Süßsäuerliches dazu. Ich merke, wie Wut sich meiner bemächtigen will. Stopp sage ich mir. Und sehe all die Gesichter der väterlichen – oder eher nicht väterlichen – Männer vor mir, die uns en masse regieren. Von jeher. Warum bloß beschreibt nie jemand väterliche Männer-Politiker, die ja – möglicherweise, eventuell, mit Mühe – auch zu finden sind.

Das Dumme ist nur, dass ich den Beigeschmack des Süffisanten und Abwertenden bei der „mütterlichen Frau, die regiert“ nicht los werde. Ist das jetzt mein Problem?

Ich bin keine Feministin. Aber, wenn Frauen herabgewürdigt, lächerlich gemacht, diskreditiert und diskriminiert werden…bin ich längst dünnhäutig und überempfindlich geworden. Kein Mann muss in der Öffentlichkeit Schmäh aushalten wegen seiner Kleidung, seines Gesichts… usw. und so fort. Und er muss schon sehr viel Mist verzapfen – verbal und in Amt und Würden – ehe er wirklich angegriffen wird. Das Attribut väterlich, wäre sicher Schmäh für ihn. Ihn, der doch Großes leistet.

Macht ja auch keiner.

Ich fände mütterliche und väterliche Regierende in großer Zahl gut. Am besten immer Beides in einer Person. Weil eigentlich beide Qualitäten alles einschließen, was gute Eltern ausmacht: Verstand, Humor, Klugheit, Weitsicht, natürlich auch Fürsorge. Letzteres würde ich lieber in Menschenliebe übersetzen, wenn es ums Regieren geht.

Überhaupt: Mit diesem Wortpaar „mütterliche Frau“ wird die weibliche Machtübernahme ins Infantile gerückt.

Das vermeintlich Mütterliche gehört doch in eine andere Ecke, all ihr väterlichen Männer, die ihr da immer noch in allzu großer Stückzahl für uns sorgt. Und den Umgang mit der Macht ganz gut genießt. Eher weniger väterlich und mütterlich, wage ich zu sagen.

Natürlich geht es mir gerade mal wieder um weiblich und männlich. Um Frauen und Männer und wie sie heutzutage in der Welt stehen. Um den Menschen als Ganzheit. Das Mütterlich-Väterliche ist schließlich nur ein Aspekt der ganzen Chose.

Wie blöd, ich wollte nur kurz meinen jüngsten Stolperstein beschreiben. Geht offenbar nicht bei diesem Thema. Aus meinem Steinchen ist nun ein ziemlich großer Stein geworden. Hingelegt hat den Stein freilich ein Mann, der Autor besagten Artikels.

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Zwei Bronzen von Dietrich Klinge. Passend zum Thema. Ich kann bei beiden Weibliches und Männliches entdecken.

Musik erleben, nicht hören

Ich brauche Musik. Nicht täglich und nicht in allen Lebenslagen. Was ich brauche, das ist das Erlebnis Musik. Wohldosiert und sozusagen als Feinschmeckerorgie.

Das heißt, dass ich es gern live hätte. Am liebsten die Guten und Großen. Möglichst Klassik. Ein Saal, in dem es mir gut geht, der architektonisch gelungen ist. Ein Publikum mit mir auf einer Wellenlänge. Stille, davor, danach und mittendrin, Applaus erst laaange nach den letzten Klängen. Ich merke, dass das ziemlich kauzig klingt. Aber, sei‘s drum.

Idealkonstellationen: Sir Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern im großen Saal der Philharmonie und Daniel Barenboim himself am Flügel, Pierre Boulez Saal. Dazu möglicherweise Beethoven, Mahler…

Mehr muss nicht sein. Ich bin genügsam geworden.

Rattle und Barenboim – das sind für mich zwei Welten.

Den ersten erlebe ich seit ehedem als großen Magier. Egal was, er zaubert mit dem Orchester, verzaubert das Werk, das Publikum. Alles wird zu einer Welt, in der die Noten davon fliegen und die Klänge zu leben beginnen und ich mit ihnen. Das ist viel, viel mehr, als nur einem guten Konzert zu lauschen.

Mit Barenboim hatte ich längere Zeit ein Problem, ohne genau zu wissen warum. Ich fragte mich immer wieder was die beiden Dirigenten ausmacht. Allmählich bin ich dahinter gekommen – fürs erste. Barenboim als Dirigent, noch mehr er am Flügel oder beides gleichzeitig (was ich auch schon erlebt habe) – auch da lebt eine unglaubliche Intensität. Doch er geht nicht im Universum auf, er holt das Universum aus sich heraus. Er schöpft aus unergründlichen Tiefen und lässt uns teilhaben. So erlebe ich es.

Inzwischen stehen beide bei mir auf gleicher himmlischer Höhe. Mit ihnen bekomme ich mein Gourmetmahl, dass ich ab und zu genießen muss und von dem ich dann gut ein paar Monate zehren kann.

Musik höre ich nicht, ich erlebe sie.

Klangwelten

Ostwestlich (7)

Die einen Seelenfänger, die anderen Seelenverkäufer. Die Fänger arbeiten mit vieeel Farbe, locken in ferne Länder, locken mit tausend kleinen und großen Freuden, die den Alltag verschönern und versüßen. Das sei die große Freiheit.

Die anderen haben die Seelen verkauft, die es für sie eigentlich nicht gab. Legitimierter Verrat, Bespitzelung ist Seelenverkauf. Vielleicht auch der hochstilisierte Verzicht auf die Alltagsvergnügungen der Fänger.

Während die einen das wunderbare Wort Freiheit abnutzen bis es möglicherweise nur noch knautschige entleerte Hülle ist, hatten die anderen Angst vor dem griffigen Satz, dass Freiheit auch immer die Freiheit der Anderen, der Andersdenkenden sei.

Da althergebrachte bürgerliche Moralnormen – endlos gültig, partiell sicher überlebt. Dort eine proletarisch-sozialistische Moral und Ethik, die vielleicht dort neu war, wo sie Gefügigkeit einforderte. Gefügigkeit und Loyalität den Diktatoren gegenüber, die im Großen und Kleinen immer Recht hatten.

Doch was macht das mit den Seelen?

Ich gehe davon aus, dass die Seele ein entscheidender Teil von uns ist. Ich möchte die meine immer wieder neu in mir entdecken. Ich möchte sie beschützen, behüten, bewahren – vor den einen und vor den anderen. Sie soll schön werden, sie gehört nur mir. Ich bin verantwortlich.

Die Fänger und Verkäufer können mir gestohlen bleiben. Letztlich sind beide das Antlitz der teuflischen Zweiheit. Luzifer der luftig-leichte Verführer und Ahriman der uns nach seiner Form in Stein meißeln möchte. Beide meist gut getarnt, als wohlwollende Gönner.

Wenn schon, dann wähle ich meine Vorbilder selbst. Und ICH entscheide, was meiner Seele beim Schönerwerden hilft.

Was haben Fänger und Verkäufer gemein?

Stoßgebet?!?

Ostwestlich (6)

Das Neue Jahr hat schon einen halben Monat auf dem Buckel und ich habe immer noch keine Lust nachzudenken. Gleich gar nicht über Ostwestlich, über Corona und all den blöden Alltagskram.

Stattdessen flüchte ich zu den Bildern in der Alten Nationalgalerie, freue mich an der Innenarchitektur und ihren wunderbaren Perspektiven – die Innen und die nach Außen. Der Blick geht gen Osten. Und dort steht jetzt ein neues Schloß statt des Palastes der Republik statt des alten Wilhelminischen Stadtschlosses.

Das Gebäude verwirrt mich immer wieder. Was ist das eigentlich?

Ein Schloß und doch kein Schloß, der alte Prachteingang neben der neuen U-Bahnstation Museumsinsel.

Eine gnadenlos kahle Fassade zur Spree.

Unglaubliche Höhenerlebnisse wenn man erst drin ist.

Viele alte Skulpturen, viele alte Ornamente und Bauelemente, nachempfunden nach den alten Vorbildern.

Ziemlich schöne Räumlichkeiten für Museen und Ausstellungen – gut versteckt.

Mit dem Besuch aus Amerika brauche ich eine kleine Verschnaufpause. Doch die Foyerbistros sind am Sonntag geschlossen. Dafür das Dachrestaurant ungemütlichst überfüllt. Als Entschädigung ein neuer Berlin-Rundblick von der Dachterrasse im Januarnebel.

Meine Zerrissenheit bleibt, trotz inzwischen mehrerer Anläufe.

Wahrscheinlich ist das gut gemeinte Konzept, vielerlei Wünsche unter ein Dach zu bringen, der Haken an dem Unternehmen. Die einen wollten ihr Schloß wieder, die anderen demonstrierten für einen Palast der Republik – und dann sollte es etwas ganz Neues, Besonderes, Völker- und Religionsverbindendes werden. Die Anfechtungen wurden in den letzten Monaten ganz real: Jetzt soll aus eben diesen Gründen die christliche Inschrift auf dem Kuppelband ausgetauscht werden. Das Kreuz auf der Kuppel jedoch hat erst mal gesiegt. Vielleicht braucht dieser Palast einfach einige Jahre, Jahrzehnte, um mit der Welt zu verwachsen, in die er hineingesetzt wurde.

Ich spiele mal weiter mit dem quarantäniierten Enkelkind per Livestream „Stadt, Name, Land“ und staune, was die Drittklässlerin so alles kann und weiß – trotz der drei Jahre Schulstolpern.

Ostwestlich wird es demnächst mal wieder mehr.

Woran sich meine Augen weiden können…

Zwischenzeit-Puzzle

Mein Puzzle ist unvollständig. Ich ignoriere das und suche trotzdem mehr oder weniger intensiv nach einigen Teilen Himmelblau. Am Ende stelle ich fest: Passt doch, die Unterlage ist doch fast genau so blau.

Das sollte ein Vergleich werden. Die hinken ja bekanntlich immer.

Aber, so ungefähr habe ich zweimal Krankenhaus zwischen den Jahren erlebt. Die Kardiologen interessieren sich nicht für meine massiven Verdauungsprobleme. Die andere Sparte ignoriert meine Atemprobleme. Immerhin war ich zweimal über Nacht atemlos. Nicht im fluffigen Sound von Helene Fischer. Leider.

Das ist jetzt nicht übertrieben, wirklich nicht. Nachfragen genauso aussichtslos. Meine Erfahrungen nicht gefragt.

Noch mal aber: Aber ich bin doch ein ganzer Mensch, bei dem eins ins andere greift. Oder denke ich nur unwissenschaftlich?

Irgendwie kann ich es nicht glauben. Es scheint niemand das Puzzle zusammen setzen zu wollen….

Ein Aber zum dritten Mal, aber ICH möchte es tun! Weil ich mir inzwischen sicher bin, dass es anders kaum eine Erlösung geben wird. Sozusagen ein Bild, das stimmig wird.

Ich fühle mich als Klugscheisser.

Und fühle mich schlecht.

Und verliere wieder mal den Glauben an die Wissenschaft, so wie sie in der heutigen Medizin oft gehandhabt wird. Ich kann’s nicht glauben, was ich erlebt habe.

Verdammt noch mal, was mache ich falsch!?! Fluchen tut gerade ziemlich gut.

Jetzt muss ich erst mal mindestens zwei Folgen „In aller Freundschaft“ gucken. Ich hoffe, dass das reicht für eine bessere Gefühlslage. Welch Glück, dass es die Mediathek gibt.