Mir wird’s nicht zu bunt

Viele bunte Fäden wirbeln in meinem Kopf herum. Ich versuche sie zu fassen und schaue, wie ein Gewebe daraus entstehen könnte. Schön, überraschend neu. Mit diesem Blick auf diese noch verrückter gewordene Welt, gehe ich entspannt in den Tag. Danke lieber Babelpapa, dass Du mich wieder mal dazu angeregt hast, mir selbst klarer zu werden. Gerade, weil wir oft nicht einer Meinung sind und völlig anders ticken.

Ich glaube, wenn das 70. naht, dann darf man ein wenig mehr bei sich und etwas weniger in den aktuellen Verstrickungen der Welt sein. Natürlich möchte ich meinen Kindern und noch mehr meinen Enkeln, die noch so sehr am Anfang stehen, etwas mitgeben. Die Morgengaben der Großmutter sozusagen. Aber eines ist für mich klar, es werden keine politischen Aktionen und Bekenntnisse im Strudel der Jetztzeit sein. Im tiefsten Inneren bin ich eher unpolitisch, das weiß weiß ich inzwischen. Obwohl mir klar ist, dass es ohne Politik nicht geht. Vielleicht noch nicht. Während sich die Welt im kaum nachlebbaren Tempo globalisiert hat, braucht es erst recht Menschen, die ordnen, lenken, ja auch (selbstlos) führen.

Doch das, was wir jetzt erleben, zeigt auch zu deutlich, dass es in diese Richtung nicht weiter gehen kann. Also wieder rückwärts in die kleinen Gemeinschaften, wo doch die große uns über den Kopf gewachsen ist? Wahrscheinlich ja, finde ich. Es müsste doch inzwischen – historisch betrachtet – gehen, aber ganz anders. Kriege müssten doch endlich der Vergangenheit angehören.  Können wir uns nicht sicher sein, dass auf diesem Planeten für alle, von allem genügend da ist, um gut zu leben? Ich glaube ja. Wenn sich Gruppen jedweder Größe, endlich unterstützen würden, statt sich durch Stärke und Machtzuwachs zu profilieren… Wenn nicht mehr um des Gewinn Willens produziert würde, was die Welt nicht, jedenfalls nicht in den vorhandenen Mengen, braucht… Wenn Menschen einander nur noch fragen, wie es ihnen geht und was sie für ihr Leben brauchen… Dann wären wir miteinander auf einer anderen Ebene. Und könnten uns irgendwann auch fragen, was wir voneinander an Nichtmateriellen brauchen.

Ich weiß, mein Idealismus ist nie ganz zu besiegen.

Abgehoben? Kann sein. Aber ich möchte alle meine bunten Fäden in meinem Kopf nur noch so verknüpfen, dass daraus ein wunderbarer Quilt entsteht. Bunt und fantastisch. Die Arbeit an so einem großen Teppich dauert lang, braucht Geduld und noch mal Geduld und unendlich viel Mühe. Die Stoffteile wären, um im Bild zu bleiben, bei meiner Arbeit die zwölf Tugenden. In denen steckt alles, was jeder Mensch braucht, um diese neue Welt mit zu gestalten. Nur leider oder Gott sei Dank, man kann sie sich nicht im Netz bestellen und kaufen. Sie wollen errungen, verinnerlicht werden, so dass sich das eigene Interieur, sprich Innere, allmählich verändert, immer harmonischer wird und gleichzeitig immer eigenständiger. Und da wäre ich wieder bei den Kindern und Enkeln. Unserem Ausgangspunkt.

Sie sollen, das wünschte ich mir, fragen lernen, auch das In-Frage-stellen und dabei denken lernen. Selber denken. Und trotzdem sich einlassen auf andere Gedanken. Aber sich nicht üben im  Nachdenken anderer Gedanken, drastischer nicht im Vorgekauten bleiben.  Dazu brauche ich Mut, der aus meiner Mitte kommt, muss mich üben im Wahrhaftigsein, mir selbst vertrauen. Und ich muss mir die Güte dabei bewahren, sie mir immer wieder erringen, was alles andere als leicht ist. Und das wären dann auch die ersten drei Tugenden von zwölf: Mut, Wahrhaftigkeit, Güte. Diese Drei sind so etwas wie die Grundsubstanz. Schon an sich schwer genug. Doch die acht, die danach kommen, das sind die Wegweiser, Stützpfeiler auf dem Weg des Lernens und Übers. Da wären zum Beispiel Ausdauer, Verbindlichkeit, Geduld. Nach der Geduld kommt nur noch die Zwölfte Tugend: Die Liebe, die selbstlose Liebe, die nichts für sich will.

Diesen inneren Weg, der sich letztendlich nur im tagtäglichen Außen beweisen kann, möchte ich den mir folgenden Generationen, vor allem meinen Enkeln hinterlassen – als Herausforderung für ihren eignen Lebensweg,

Meinetwegen dürft Ihr Jungen und Junggebliebenen auch eine originelle Demo für die Zwölf Tugenden inszenieren, sie auf den großen Plätzen des Landes tanzen, singen, bekunden. Aber bitte, tut es irgendwie, auf EURE Weise. Mit ihnen, den Tugenden, werdet ihr besser mit den Wirren des Alltäglichen zu Recht kommen, im ganz Großen und im Kleinen, wenn es denn mal wieder Streit mit Freunden gibt.

Übrigens: Mit einem Quilt kann man sich wunderbar zu decken und in fantastische Träume versinken.IMG_3200.jpeg

So ist es mir noch nicht bunt genug, im Prozess…

Mausig am 1. Mai

Komm lieber Mai und mache… Ja was bitte?

Ich fange mal mit dem 1. Juli vergangenen Jahres an. Gut erholt und gut gelaunt komme ich nach einer 9tägigen Auszeit aus dem Urlaub zurück. Meine damals sechsjährige Enkeltochter und ich wollen das Wiedersehen mit einem Kuchenschmaus feiern. Dafür sollte ein Drittel eines sorgfältig aufbewahrten Tortenbodens herhalten, mit Erdbeeren natürlich. Ich schreite zur Tat und halte eine absolut leere Hülle in der Hand. Nur ein kleines Loch im unteren Papier. Aufschrei: Maus!!! Nein Mäuse!!! – so viel schafft die verfressenste Maus nicht. Die Lebendfalle bringt dann am nächsten Morgen die Bescherung: Die Mama in der Falle und drumherum tanzen, besser hopsen fünf verzweifelte Minimäuse, denen gerade das erste Fell gewachsen ist. Das Bild werde ich nie vergessen. Und das, was dann folgte, auch nicht.

Mir war klar, das das Problem nicht von mir gelöst werden kann. Der Erlöser mit dem wunderschönen Namen Bärenfänger (nicht erfunden) erschien mit den schönen Worten „Oh, das ist ein starker Befall!“ Das Thema Lebendfallen war vergessen, die Tierschützer mögen mir gnädig sein. Nach drei Wochen nahezu täglicher Kammerjäger-Besuche, schien langsam Ruhe einzukehren. Die letzten Spuren in der Wohnung, deuteten auf eine verbliebene unerwünschte Mitbewohnerin, die einfach nicht zu überlisten war. Einer alten Schulfreundin erzählte ich von meinem Abenteuer. Die erinnerte sich dann, dass ihre auf dem Dorf lebende Großmutter einst die Unliebsamen mit Eierlikör überlistete. Besoffene Mäuse, na ja. Ich schnurstracks also zu Edeka und eine Miniflasche von dem Gesöff, das sonst bei mir niemals stattfindet, gekauft. Und siehe da: Die Letzte, die Klügste konnte von meinem Mäusefänger dann zur Belohnung JWD in die Freiheit entlassen werden. Janz weit draußen. Vor dem Haus geht nicht, die Schätzchen finden dorthin zurück, wo es ja gerade ganz gemütlich war.

Diese eine war die letzte von FÜNFZEHN, die meinen Urlaub missbraucht hatten.

Ziemlich genau zehn Monate später. Heute ist der 1. Mai 2020. Ich hoffe, es werden nicht wieder 15. Vor drei Wochen, eines Nachts, ich schlafwandelte zu meiner Wasserflasche um mich für den Rest der Schlafenszeit zu stärken, ein Deja-vu-Erlebnis. Während ich zur Flasche greife schaue ich in die Augen einer „Gemeinen grauen Hausmaus“. Die verfällt zuerst, genau wie ich, in Schockstarre. Dann flüchtet sie und ich kreische.

Alle meine Erfahrungen von vor zehn Monaten nutzen mir von da an so gut wie gar nicht. Die Lebendfalle wurde gründlich ausgeräumt, der Mechanismus umgangen, fünfmal an einem Tag. Das Tierchen flitzt mir inzwischen tagsüber fast über die Füsse. Bärenfänger hilf! Er kam, sah und siegte – zumindest partiell. Wir sind bei Nummer Vier angekommen und meine Wohnzimmerküche immer noch voller Fallen. Und ich nahezu obdachlos, na ja küchenlos. Und Angst besetzt, dass das Schlafzimmer auch noch erobert wird mit dieser Impertinenz.

Fazit:

Interessant ist, dass die diesjährige Mäusesippe offenbar nur im äußersten Notfall nach Weißbrothäppchen mit Nutella schnappt. Sie liebt Äpfel, die im letzten Sommer keine Maus interessierten. Sieben wunderschöne Bioäpfel mußten in den Müll wandern. Sie verschmäht meine Eierlikörreste vom letzten Jahr. Diese Sippe ist also nicht nur besonders intelligent (leere Fallen), sondern auch noch zeitgeistgemäß Vegetarier, Antialkoholiker und gesundheitsbewusst.

Meine Nerven haben ein zweites Mal total gelitten. Dazu muss ich erklären, dass, wenn andere Panikattacken bei Spinnen bekommen, mir das Gleiche bei Mäusen geschieht. Vernunft und Training helfen nicht, ich habe aufgegeben. Ich kann weder lebende noch tote Mäuse entsorgen. Interessanterweise hatten wir zu Familien- und Kinderzeiten auch mal, neben vielem anderen Getier, weiße Mäuse als Haustiere. Die konnte ich in die Hand nehmen und streicheln… Das Phänomen beschäftigt mich weiter. Es hat offenbar etwas mit toten Lebewesen und ungebetenen Eindringlingen zu tun.

Und ich habe, dank Google einiges Interessante über das Sozialverhalten von Mäusen gelernt. Zum Beispiel, dass Mäusemamas sich oft zusammentun, um ihren Nachwuchs groß zu bekommen. Weil die Milchtröpfchen bei oft sechs und mehr Nachkömmlingen kaum reichen. So kam es offenbar zu der FÜNFZEHN im letzten Sommer. Dank meiner Tortenböden hatten sie es erst mal zu Zweit geschafft, ihren Nachwuchs aus dem Gröbsten herauszubekommen.

Wenig tröstlich bleibt, dass ich offenbar jede Menge Leidens-Mitmenschen weltweit habe und die menschliche Intelligenz dem mausigen Instinkt oft nicht gewachsen ist.

Zur Zeit geht es mir mit dem unerwünschten und besonders in der Küche auch ekligen Besuch schlechter als im Sommer. Denn da war ich ständig auf der Flucht ins Sommerland und habe mich nach und nach mit allen fast verloren alten Freunden und Bekannten getroffen und lange geplante und nie gemachte Ausflüge stattfinden lassen. Aber, jetzt ist Corona-Zeit: Ausgehverbot aller Art. Selbst den Trost, dass es zur Not ja auch noch Hotelzimmer gibt, selbst der ist mir versagt…

Mausiges und Corona-Virus und bei beiden kein ein Ende in Sicht. Eigentlich ist schon eins davon zu viel – warum wird mir diese Prüfung auferlegt? Komm lieber Mai und mache…es geht jetzt bei mir ums Überleben…

Dieses Schätzchen lief mir im Herbst auf dem Ku’Damm über den Weg. Ich habe es sofort mitgenommen, aufgehängt und hinterhältig gedacht: Entweder lacht sich das nächste Graufell über das Ballettröckchen tot oder es erschrickt sich ob der Gehenkten zu Tode. Ja aber, denkste… Inzwischen sehe ich doppelt, wenn es um Mäuse geht. Und das ist zweimal zu viel.

 

Illusionen?!?

Gestern hatte ich Babelpapa auf seinen vorletzten Blogg geantwortet…oder auch kommentiert. Wie auch immer, meine ganze Mühe ist on Air verschwunden. Schade. Das passt zu meinem aktuellen „Eingesperrten-Status“, inneres Chaos, Gedankenkarussell. Außen auch Chaos: Eine Maus hat es sich bei mir gemütlich gemacht und schon zweimal tollkühn die Lebendfalle geräumt. Inzwischen experimentiere ich verzweifelt, einem Herzinfarkt nahe, mit der Konsistenz der Nutella-Brotbröckchen, die vor einem Jahr erfolgreich waren. Vielleicht pflegt das Kerlchen, gut genährt, inzwischen schon seinen Nachwuchs in einer Mauerwand-Nische meiner Altbauwohnung. Hatten wir schon…

So, und nun trotzdem der Versuch, mich zu zentrieren und dem Querdenker- Jubel von Babelpapa meine Version beizusteuern.

Ich finde Querdenken auch gut. Es kann helfen, festgefahrene Muster aufzulösen und neu darauf zu schauen. Es kann auch helfen, meinen eigenen Standort zu bestimmen. Aber alles in Frage stellen und vor allem Minderheiten-Ansichten zu befürworten, ist für mich noch kein Querdenken und wenig produktiv. Verschiedene Ansichten anzuhören, zu lesen, das halte ich für selbstverständlich. Viel wichtiger ist für mich das Selberdenken. Darauf bestehe ich und das wünschte ich  mir von allen meinen Mitmenschen. Einen Ober-Richtig-Denker wird es nie geben, kann es auch nicht geben. Irgendwer wird allerdings dazu oft ernannt. Ist ja auch bequem jemanden zu folgen, der meine Seele wärmt und streichelt, weil er mit mir auf einer Wellenlänge liegt. Doch, ob uns das als Gesellschaft, als Mitmenschen weiterbringt? Scheint mir eher gefährlich.

Die erste Bedingung für einen Fortschritt wäre, das einander Zuhören zu üben. Die zweite, wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen, verschiedene Gedanken zusammen weiter zu entwickeln in eine Richtung, wo sie produktiv werden können. Da kann Querdenken eine Rolle spielen, aber nur eine.

Nebenbei bemerkt: Wenn im Osten immer nur gehorsam dem gefolgt worden wäre, was oben gedacht oder besser verordnet worden ist, hätte es kein 1989 gegeben und manches andere auch nicht.

Und jetzt leben wir alle in einer bewährten Demokratie in der Corona-Krise. Ich fühle mich sehr in die Verantwortung genommen der Gemeinschaft gegenüber, aber ich treffe auch stets von Neuem meine eigenen Entscheidungen.

Gegen die Ohnmacht, nicht wirklich etwas verändern zu können, habe ich sehr früh angefangen die Grenzen des Möglichen im Bestehenden auszureizen und andererseits, immer wieder von Neuem meine eigenen Grenzen zu bestimmen. Daraus ist eine Übung ohne Endzeitdatum geworden und eine Dauerherausforderung. Für mich hat das sehr viel mit dem absolut anstrengenden, aber auch freudigem Selberdenken zu tun. Und: Für mich lebt darin ganz stark eine Moralität. Ich weiß, das Wort hat meist einen leicht säuerlichen Beigeschmack und assoziiert bei vielen einen erhobenen Zeigefinger. Aber ich liebe, wie schon mehrmals erwähnt, die zwölf Tugenden aus dem Mittelalter, die mit dem Gral und den Artusrittern im Kontext stehen. Sie  sind für mich in diesen beschriebenen Prozessen ein Geländer zum Festhalten, eine Orientierungshilfe und letztlich auch ein täglicher Prüfstein für mein alltägliches Tun. (Wer mehr wissen will, kann sich dazu bei mir zum Seminar anmelden…Grinssmiley)

Ich finde es schön, lieber Babelpapa, dass du die Chancen der Coronaauszeit ausreizt, dass du dich von diesem erzwungenen Freiraum anregen lässt. Ich glaube, dass das eine grandiose Chance ist, um zur Besinnung zu kommen. Für alle. Wär doch schön, wenn die große Sehnsucht nach der Normalität, ein paar Einschlüsse von neuem Denken und Tun mit sich bringen würde. Das wäre mein Herzenswunsch. Von Verschwörungstheorien und Besserwissen halte ich schlichtweg nichts. Ich habe Achtung vor denen, die ehrliche Politik machen. Interessant ist doch, dass in den letzten Wochen einige laute, aufdringliche Stimmen nahezu verstummt sind. Ich könnte auch künftig darauf verzichten…

Also die kleinen Visionen ohne Illusionen.IMG_2888.jpeg

Lasst die Welt noch einen Moment stille stehen!

 

Alt genug?!?

Das Corona-Karussell dreht sich etwas langsamer. Dafür werden die Diskussionen heftiger. Das Heftigste, das ich gelesen habe (so etwa): Ist doch gut, wenn die Alten endlich gehen, Corona hilft nach. Die haben uns doch das ganze Umweltdesaster samt unkontrollierter Globalisierung eingebrockt. Prima, ich hoffe ihr Jungen bekommt es wirklich besser hin und haltet durch mit euren Idealen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Entwicklungen erst eine bestimmte Stufe erreicht haben müssen, ehe sie so eskalieren, dass sie als Thema Allgemeingut werden, werden können. In den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern und auch 90ern waren noch ganz andere Aufgaben zu bewältigen. Dass sich in diesen Jahrzehnten zunächst ganz unauffällig  eine Wachstumseuphorie eingeschlichen hat, das ist lange, den meisten nicht aufgefallen. Im Gegenteil, das Ganze  wurde generationsübergreifend von den meisten mitgetragen. Und überhaupt nicht negativ bewertet. Mir persönlich hat dieses Endlos-Wachstum nie behagt.

Jetzt haben wir den großen Schlamassel und müssen sehen, was wir daraus machen. Nicht nur der Umwelt zu liebe. Ich sage bewusst WIR, von ganz jung bis ganz alt. Die Generationen brauchen sich. Die einen haben die frischen Ideen, die Kraft und Energie, die Ideale, die sie noch nicht scheitern erlebt haben. Die anderen, 50 oder 60 plus, hätten gelebte Erfahrungen beizusteuern. Nicht um zu bremsen, sondern um alte Denkfehler und Verhaltensweisen nicht zu wiederholen. Das wäre erfolgversprechender als alles andere vorher. Die Alten waren nicht nur dumm und ignorant und die Jungen stehen trotz allem Enthusiasmus nicht pro se für gelingenden Menschheitsfortschritt.

Aber da ist das WÄRE.  Wo in unserer Gesellschaft sind die Generationen wirklich ein gut auf gestelltes Team, das sich ergänzt?

Großelterndienste sind gefragt und Pflegeheime sind ein Endlos-Thema. Und sonst, jede Menge selbstlose ehrenamtliche Arbeit, aber Wertschätzung, Gleichberechtigung der Generationen ist schwer erlebbar, eigentlich nicht wirklich existent.

Um solch eine Qualität zu verinnerlichen, braucht es mehr als gemeinsame Balkongesänge und ähnliches. Zweifelsohne, das ist schön, rührt zu Tränen… Für einen wirklichen Neuanfang nach und mit Corona wird es nicht reichen. Da träumt die Gesellschaft wahrscheinlich schnell wieder ins einigermaßen gemütliche Fahrwasser, statt sich ihrer Potenzen und Kompetenzen zu besinnen und…zu handeln. Gern auch singend.

Übrigens: Die Alten müssen gewissenhafter mit ihrer Zeit umgehen, weil selbige objektiv knapp geworden ist. Wer lässt sich schon gern seine knappen Ressourcen weiter kappen? Wohl keiner. Und außerdem gehört Leichtsinn tendenziell eher zum Jungsein. Verantwortlich selbstbestimmt zu handeln, dafür sollte 60plus tendenziell gut gewappnet sein. Nur so, ganz nebenbei zum Corona-Thema.

Um zu meinem Ausgangspunkt zurück zu kommen: Interessant ist ja auch, dass nicht nur die Älteren am meisten coronagefährdet sind. Sondern auch generell Männer, auch jüngere. Sollte man die dann auch lieber noch ein bißchen länger vorsichtshalber“ einsperren“? Ich weiß, das war jetzt bösartig. Doch das bin ich nun wirklich nicht. Aber, ich konnte es mir gerade mal nicht verkneifen.

Auf neues Miteinander… Wir sind miteinander alt genug.

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Zarte Pflänzchen…

Die Vision – meine Vision

Eine Kurzfassung zum Thema Vision, ich möchte hier keine Romane schreiben. Aber: Die Corona-Situation provoziert gerade dazu, mal ein bißchen weiter zu denken. Ganz frei weiter denken. Zukünftig. Dieses wäre für mich das zweite Potential dieser vertrackten Situation.  (Die erste : Den nicht gerade erträumten Augenblick öfter mal genießen, ohne Vor- und Rückdenken. Denn, zu ändern ist ja eh nichts dran.)

Die letzten zwölf Monate hat die junge, sehr junge Generation sich deutlich Gehör verschafft. Sie wollen nicht mehr mitansehen, dass unsere elementarste Lebens(um)welt systematisch und sinnlos zerstört wird: Frydays For Future.  Und jetzt kommt Corona über uns. Ich frage mich gerade, wer da so knallhart einfach mal auf der Autobahn die Handbremse gezogen hat. Die da ganz oben? Ich meine nicht die, die da rund um den Berliner Reichstag herum das endlose Wirtschaftswachstum ausüben. Natürlich nur auch. Sie machen auch noch ein paar ganz gute Dinge, wie jetzt eben.

Ich meine wirklich die da gaaaaanz oben. Wer sonst hätte sich denn getraut, dem Wachstumswahnsinn gnadenlos Paroli zu bieten. Dem Mehr-und-Mehr-Produzieren.

War ja eigentlich dringend notwendig. Also jetzt vielleicht: Corona For  Future.

Dank an die Enkelgeneration, dass sie laut und deutlich geworden ist, dass sie den Startschuss gegeben hat.

Was jetzt wachsen könnte, das wäre eine neue Qualität anstelle endloser Quantitäten.

Wie könnte mit all dem Reichtum, der unserer Gesellschaft zur Verfügung steht, etwas Neues gestaltet werden? Zum Beispiel sich nicht in der Produktivität überbieten, sondern in der Kreativität? Nicht den Welthandel immer mehr ausbauen, sondern die Ideen weltweit vernetzen. Im Kleinen anfangen, denn gute Beispiele verderben nicht die Sitten…

Was wir derzeit vermissen ist nicht das allerneueste noch raffiniertere Automodell, der Hightec-Staubsauger-Roboter, sondern die kleinen Läden, Cafés, Restaurants, den Eismann um die Ecke, den Friseur und so weiter und so fort. Die Mitmenschen. Keiner braucht jedes Jahr ein paar neue Sneaker, aber frisches Obst und Gemüse, das bildlich meist vor der Haustür wächst. Warum muss es denn immer raffinierter und extraordinärer werden und wozu? Nichts gegen einen exzellenten Käse, der teuer ist, oder ein gutes Stück Fleisch. Das reicht aber einmal in der Woche oder im Monat.

Was uns lebendig erhält, das sind doch die Menschen um uns herum, die Kinder, auch die Künstler und ihre Werke. Gesunde Nahrung aller Art.

Woher könnte das Geld für so ein lebendiges Wachstum kommen? Woher die Mittel für das existenzsichernde Grundeinkommen für jeden? Da müssten wirklich mal unsere Wissenschaftler ran. Sie müssten einerseits mit allen zusammen die lebenswerten Visionen entwickeln. Erst daraus ließen sich die nächsten machbaren Schritte ableiten. Sie sollten mit uns träumen und rechnen und probieren. Versuch und Irrtum gehören doch selbstverständlich zum menschlichen Dasein. Im Großen wie im Kleinen. Das Eine braucht das Andere. In welche Richtung soll ich meinen Fuß setzen, wenn ich nicht weiß, wo ich hin will. Zusammen probieren, statt ständig Hasstiraden loszulassen- wäre das nicht die Alternative?

Aber auch: Wenn es so richtig weh tut, dann gehe ich freiwillig zum Arzt und hole mir Rat. Macht ihr mit, ihr Wirtschafts- und sonstigen Weisen aller Couleur? Wozu haben wir so ein fantastisches Gelehrtensystem? Es könnte, nein müsste doch helfen, die Krankheiten der Gesellschaft zu heilen. Da könnte ein Blick in die Geschichte helfen: Die Humboldt-Brüder, auf die die Deutschen ja so stolz sind, waren beide auf ihre Weise Denker und Macher.

Wir wissen, weil wir es ein Leben lang erlebt haben, daß eine Wirtschaft zu fast allem fähig ist. Ich meine das durchaus positiv. Wenn jetzt allmählich (anders wird es nicht gehen) aus dem extensiven Wachstumsprozess ein intensiver, nach innen gekehrter auf  (Lebens)Qualität bedachter würde, dann hätte ich das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

Kein Kind wächst endlos. Es braucht eine gewisse Größe und Reife, um seinen nächsten Entwicklungsschritt gehen zu können. Da erscheinen dann neue innere Qualitäten. Oft auch hart errungen, beim Älterwerden. Die Menschheit an sich, so scheint es, steht jetzt an einer Schwelle in ein neues Lebensalter. Die Vorraussetzungen sind da.

Der Mut auch, um über diese Schwelle zu gehen und die vermeintliche Ruhe und Sicherheit zu riskieren?

Neues, Unbekanntes macht meist auch Angst. Gewohnte Sicherheiten bleiben auf der Strecke. Und trotzdem, weil es eigentlich nicht anders geht:

Warum nicht Corona For Future?

Wir wären dann so frei, nicht noch mehr Schicksalsschläge als Lektionen hinnehmen zu müssen.

Vielleicht schlummert ja in irgend einer I-Cloude schon so ein Konzept zum

Anfänge wagen…

IMG_1597.jpegIMG_1540.jpegFotos: Pestmaske und Perspektiven, vielleicht neue Horizonte

 

 

 

Nachtrag zum Kitsch

Juhu! Mein Plädoyer für den Kitsch hat einen großen Befürworter. Der sagte nämlich in einem Interview, dass Kitsch sehr stimulant sein kann. Und: Kitsch ist etwas, was sich nicht ernst nimmt. Genau das ist es: Das Spielen, das Spielerische, die Regeln auf den Kopf stellen und schauen, was dann passiert.

Der Zitierte ist leider inzwischen, seit einem reichlichen Jahr, in anderen Sphären unterwegs: Karl Lagerfeld. Ich habe ihn bewundert und tue das bis heute. Mit seinem Äußeren hat er auch aus seiner Person eine Marke gemacht – originell, witzig und immer und überall erkennbar, unverkennbar. Was nicht so ins Auge gefallen ist: Hinter dieser kunstvollen Verpackung verbarg sich ein warmherziger, liebevoller Mensch, der unglaublich kreativ und fleißig war. Ein Leben lang. Und der auch so einen Satz locker und mal ganz nebenbei aussprach: Man soll kein Drama aus sich machen.

Auch ein Satz, der meinem Selbstverständnis sehr entgegen kommt. Aber Lagerfeld selbst, mit seiner Erscheinung, hat uns eigentlich buchstäblich herausgefordert. Indirekt hat er doch vermittelt: Gönnt Euch mindestens den zweiten und auch noch den dritten Blick auf eure Mitmenschen und entdeckt ihr Wesen.

Mir ist es so gegangen: Neugierig geworden habe ich angefangen zu lesen, zu schauen, zu hören.* Dann erschien eine Welt hinter der dunklen Brille, dem langen Pferdeschwanz, den Handschuhen, die mir ein Lächeln hervorgelockt hat, die mich erwärmt hat.

Ich für meinen Teil bleibe dabei: Kitsch ist köstlich.

Und: Menschen sind spannend.

*Es gibt einen langen Film über ihn, Bücher. Die zitierten Sätze stammen aus einer zwei, drei Jahre zurückliegenden NDR-Talk-Show (ohne Gewähr) über die ich zufällig im Netz eben wegen des Namens Lagerfeld gestolpert bin.

Von Luke Perry (l.) und Costa Cordalis sind 2019 verstorben
Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi

Überfluss

Es wird spannend. Da ein neuer Überfluss, nämlich an Zeit. Dort ein neuer Mangel an etwas bisher absolut Selbstverständlichen: Toilettenpapier. Das sind doch Phänomene die eine nähere Betrachtung lohnen.

Lassen wir mal aktuelle physische und zu ahnende kommende materielle Existenzprobleme einen Moment draußen vor.

Das mit der Zeit verlockt zu Gedankenspielen. Plötzlich ist etwas reichlich da, was immer ziemlich knapp war. Wie viele haben sich danach gesehnt, mehr Zeit zu haben. Wozu?Was wollten wir eigentlich damit anfangen.?

Zur Ruhe kommen. Okay. Ich widerspreche: Zur Ruhe kommen, indem die nächste Reise, das nächste Event geplant wird.  So sah es doch meist aus. Wir stellen dann fest: Wir waren schon fast überall und die Feste waren selten das Gelbe vom Ei.

Aber irgendwie will die Zeit ja gefüllt und die Vorfreude bedient werden. Es sollte doch etwas geben, ein Ziel auf das ich freudig, erwartungsvoll hinschauen kann. Dabei gerät mir der Augenblick schon wieder ins Vergessen. Doch draußen scheint gerade die Sonne am Abendhimmel so wunderbar, so besonders. Im See die Spiegelungen haben jetzt eine ganz neue Qualität.

Dem Enkelkind hat das neue Lebensjahrsiebt auch ein ganz neues Lächeln auf das Gesicht gemalt. Wenn ich da hin schaue, bin ich ganz froh, wird mir warm. Genau genommen gibt es hundert solcher Momente am Tag – wenn ich Zeit habe. Wenn ich mir Zeit dafür nehme. Das klappt nicht so gut und wird schwierig, wenn ich mit den Gedanken schon bei nächsten Tag, Monat bin. Wenn ich den Zukunftsängsten, viel Raum gebe.

Jetzt aber haben viele von uns so viel Zeit, daß Platz für alles ist. Während ich mir sicher bin, dass materieller Überfluss alle Kreativität tötet, bin ich gleichzeitig überzeugt dass in einem Überfluss an Zeit ein riesiges Potential an Kreativität steckt. Zeit gibt mir Raum zum Nachdenken, zum Verknüpfen von dem, was in mir ruht. Zum Nachdenken über die Frage „Wie soll die Welt aussehen, in der ich leben möchte?“ Wenn ich das vor mein inneres Auge stelle, kommt es zwangsläufig zur nächsten Frage: Was muß geschehen, damit das möglich wird? Und dann: Was wäre der nächste notwendige Schritt dahin? Daraus: Wie wäre das aktuell machbar?

IMG_2200Das wäre vorerst der innere Weg von der Vision in der Ferne zu den Schritten im Alltag. Jetzt. Ich glaube, darüber sollten wir uns austauschen. Unbedingt.

Ausgeme/ärzt

Langsam könnte es sich ausgemärzt haben. Ich will ja den März nicht wirklich und nicht gleich ausmerzen. Nach einem bisschen weniger Stillstand und einem bisschen mehr wilden verrückten April sehne ich mich schon. Und nach himmlischer Wääärme…

Miteinander reden, so von Angesicht zu Angesicht, wäre auch ganz schön. Das wünschte ich mir schon sehr. Eigentlich schreibe ich gerade deswegen. Nicht weil ich Euch von meiner Meinung überzeugen will. Ich möchte sie anbieten. Zum Nachdenken, zum Mitdenken, zum Weiterdenken- im besten Fall zum Miteinanderdenken. Das wäre überhaupt das Allerbeste.

Wünschen darf man ja. Dass dieser spezielle Monat schwer zu fassen ist, das habe ich übrigens auch beim Malen gemerkt. Seit Januar versuche ich meine innere Stimmung des jeweiligen Monats in einem Bild mit dem äußeren Sein in Einklang zu bringen. Ich werkele immer noch und immer wieder daran herum. Trotzdem, das wäre mein März – vorerst:

Keine Kunst, der Versuch eine, meine Stimmung festzuhalten

Angst – Teil 2

Ich lasse mal für einen Schreibmoment Corona beiseite und schau ein bißchen weiter beim begonnenen Thema.

Was wären die Ausuferungen der Angst? Tollkühnheit, Wagehalsigkeit zum Beispiel in einer eher nicht wünschenswerten Weise. Auf der anderen Seite fallen mir Wagemut, ein Mut in gut überlegter Form ein. Der Mut steht an erster Stelle der zwölf Tugenden.* Im mittelalterlichen Sprachgebrauch hieß es Starkmut durch Zucht. Zucht im Sinne einer gut geführten und bewusst eingesetzten Kraft. Das gefällt mir. Ich glaube nicht, dass mir das immer gelingt. Aber das Wissen darum ist für mich ein sehr brauchbares Handwerkszeug im Alltag. Immer dann, wenn ich mich frage was ich zum Beispiel einer aufkommenden Angst entgegen halten kann. Dann gehts bei mir weiter mit Nachdenken. Mir hilft es und holt mich aus dem beginnenden Gefühlsstrudel heraus. Nur: Im Dialog fürchte ich mich inzwischen schon, solche Logik auszusprechen. Warum? Weil mir dann Rationalität bis hin zur Gefühllosigkeit vorgeworfen wird. Nicht immer, aber oft. Komisch: Wenn ich wirklich mal wütend und laut werde, also ein Gefühl äußere, ist das überhaupt nicht erwünscht. Logisch, Jähzorn zählt biblisch zu den Todsünden, ist seit Jahrhunderten Menschen eingebläut. Meine Fragen wären: Wie kommunizieren wir heute Gefühle, wenn ja welche und wie tun wir es? Und: Warum nicht alle?

Sichtbar geäußertes Leid und Tränen werden eher akzeptiert. Freude, Liebe, Glück, na klar, daran will jeder teil haben. Oder auch nicht, weil ihm gerade etwas davon fehlt, was er auch gern hätte…und er es deshalb nicht aushält.

Also, wie steht es um unsere Angst, die wir doch durchaus brauchen. Als Stoppsignal, damit wir in einem real gefährlichen Moment besonders bedacht vorgehen. Als Warnung für gefährliche Situationen, vor Gefahren, denen ich mich nicht bedingungslos ausliefern muss und sowieso nicht will. Bleiben wir im Auto am Stoppschild stehen und trauen uns vor Angst nicht weiter? Nein. Werden wir vor einem Orkan gewarnt und gehen vorsichtshalber eine Woche nicht aus dem Haus, obwohl die Sonne längst wieder scheint. Lächerlich, sicher.

Doch mit diffusen Ängsten wird doch oft genau so umgegangen. Endlos in diesem Gefühl verharren, weggucken, verdrängen. Zu sagen „Ich bin nun mal so“.

Ist es dann nur rational oder gar gefühlskalt, der Angst das Stoppschild zu zeigen und sie zu befragen?

Zum Beispiel: Wer bist du? Woher kommst du? Bist du uralt oder ganz jung? Wovon nährst du dich? Dann bin ich doch mit mir Gespräch, im Kontakt. Ich kann es auch als ein Form der Meditation betrachten. Ich räume in mir auf. Und muss es auch immer wieder tun. Chaos kommt schnell wieder, überall, ob auf dem Schreibtisch, in der Wohnung  oder … Die innere Leere, eine Form der Meditation, würde nicht ins Bild passen. Auf meinem Schreibtisch muss ich sorgfältig ordnen, aussortieren, aber nicht der Einfachheit halber alles mit einer Handbewegung in den Papierkorb schieben. Freilich ist das anstrengend. Ich habe nicht immer Lust dazu und gucke  dann einfach eine Weile weg. Bis es mir zu viel wird. Und dann geht es dem Durcheinander an die Wurzeln. Ein herrliches Gefühl, wenn es mal wieder für eine Weile geschafft ist.

Mit der Angst geht es genauso. Da ist es ein Akt der Selbstbefreiung, wenn es erst mal wieder geschafft ist, die Bewegungsstarre aufhört. Einfach himmlisch.

* Es gibt einen Kranz der Zwölf Tugenden, der im Mittelalter gewunden wurde. Er ist eng mit der Parsifal-Legende verbunden, also mit dem Weg zum Gral. In diesem Kontext wird der Gral als Kelch der Liebe, der selbstlosen Liebe, die nichts für sich will, definiert. Er wird als Ziel verstanden. Doch im Vordergrund steht der Weg, auf dem wir um menschliche Tugenden, um eine menschengemäße Moralität ringen.

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Ruhe, eine natürliche Ordnung, aber auch Untiefen

Vorsicht Angst!

Sich vor der Angst vorsehen, das wäre auch ein geeigneter Titel in meinen Augen. Das Thema treibt mich schon Jahre um. Weil ich ihr immer wieder begegne – der Angst. Ich selbst bin ein vorsichtiger Mensch, aber wenig Angst belastet. Was mir meist niemand so recht glaubt.

Das, was mich wirklich nicht belastet, das sind die diffusen Alltagsängste mit denen sich so viele Menschen herum schlagen. Dieses „Was wäre wenn..“ und ich weiß nicht, was auf mich zukommt. Alles das, was schlaflose Nächte verursacht und im Alltäglichen verunsichert, und belastet.

Aber wenn ich davon ausgehe, dass es die Sicherheit, das alles Vorhersehbare sowieso nicht gibt, ja dann…? Dann kann ich mich innerlich wappnen und mit der Gewissheit weitergehen, dass es eine Lösung geben wird. Also mein Schicksal akzeptieren und ihm die Hand reichen – ergeben ist nicht gemeint.

Ich freue mich, wenn Souveränität und Kreativität mir abverlangt werden. Meine Ideale werde ich dann neu kreieren müssen. Mir macht es durchaus Spass, dem Unerwarteten frohgemut zu begegnen und Hallo zu sagen. Auch in ungemütlichen bis lebensbedrohlichen Situationen, die mir durchaus vertraut sind. Vielleicht bin ich mit dieser Haltung irgendwo in der Nähe der Extremkletterer. Kann sein. Jeder braucht halt seine Entwicklungshilfe. Doch nehmen uns die Alltagsängste nicht auch die Freude am Leben? Deshalb denke ich: Extremklettern kann, muss aber nicht sein. Freude an den Herausforderungen vor die uns das Lebens stellt, die sollte schon sein.

Und nun kommt derzeit die Angst mit Brachialgewalt in Gestalt von Corona durch alle Türen und Fenster hereinspaziert. Zu uns allen. Ergeben wir uns ihrem vereinnahmenden Wesen? Oder fangen wir an nachzudenken, über Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten, über Unausweichliches und über UNS. Dieser Virus schenkt uns auch Zeit und Ruhe.

Wir haben doch unseren Löwenbändiger stets verfügbar bei uns…  Aha?

Ja! Wir können nachdenken. Der Angst unsere berechtigten Fragen stellen: Wer bist du, was willst du von mir? Schon allein diese Geste lässt den brüllenden Löwen namens Angst leiser werden. Der will uns ja mit seinem Gebrüll erst mal nur einschüchtern, eben Angst machen, handlungsunfähig erreichen.

Wenn ich im Bild bleibe: Wenn ich anfange, vor dem brüllenden Löwen davon zu laufen, vielleicht noch mit geschlossenen Augen, dann hat er mich schon, weil er sowieso schneller ist. Aber ich bin womöglich klüger, entwickle blitzschnell eine Strategie. Dazu muss ich innerlich und äußerlich ganz ruhig werden und mich nicht von meinen Ängsten beherrschen lassen. Dann habe ich eine Chance. Auch Angesichts eines Löwen. Unsere Alltagsherausforderungen sind anstrengend, aber im Vergleich meist viel harmloser. Weil: Ich habe meist Zeit auf meine Lebenserfahrung, auf mein Wissen zurück zu greifen. Mit Hilfe von irgendwoher kann ich in der Regel sowieso rechnen.

Also: Wovor haben wir jetzt Angst? Vor der Ungewissheit? Die gehört zum menschlichen Leben. Angst sollte ich vielleicht eher vor mir selber haben, ich , der ich ihr nicht ins Gesicht sehe und ihr meine Fragen stelle.

Fortsetzung folgt.

Corona sei Dank wahrscheinlich bald… (Jetzt finde ich die Smileys nicht, also: Grins)