Randbemerkungen 3

Der Baum. Da steht er. Stark, unabhängig, in den Himmel wachsend. Im tiefsten Innern aber sehr sensibel und verletzbar.

Dann aber umringen ihn die Kastanie, die Birke, die Esche, die Eiche, die Espe, die Weide, die Ulme, die Akazie… Allesamt weiblichen Geschlechts: DIE. Der Ahorn tanzt aus der Reihe. Aber ansonsten, auch geografisch ein wenig weiter geschaut – die Palme -, bleibt’s beim die.

Ein „der“, das die Vielfalt und Schönheit der „die“ vereint? Schützt? Über ihnen steht? Oder was bitte…?

Die Baum klingt komisch. Doch im Plural ist das DIE auch an dieser Stelle präsent: Die Bäume.

Sprachphänomene. Und nur so eine Randbemerkung zum Beginn der Woche, die etwas mehr Sonnenschein und immer noch zu viel Kälte verheißt.

Die Platane, uralt und geheimnisvoll

Verführt, verlockt, verraten

Es ist simpler als es klingt. Die Frühlings-Sonnenstrahlen locken, verführen…endlich! Und ich bin gnadenlos verraten. Knallrote Augen, das Gehirn upside down und gleichzeitig im Narkosezustand. Die uralten Platanen vorm Fenster haben es mir sozusagen mit dem Holzhammer gegeben. Zarte Pollen mit großer und weiter Streukraft haben mich in diesen Zustand versetzt. Einem Zustand, der einem gekonnt gesetzten Knockout entspricht. Nicht schlecht. Ich spreche von Heuschnupfen, Allergie.

So heißt die bescheuerte Angelegenheit, mit der ich mich mein Leben lang auseinandersetzen muß. Kleine Chemiekeulen helfen. Das Theater wird aushaltbar. Aber wehe, ein Viertelstündchen zu spät geschluckt, beginnt der Spuk von Neuem. Und das über Wochen und Monate. Jedes Jahr. Die Wiesenblumen lösen die Platanen ab. Dann folgen bald Roggen und Co.

Ich bin bockig. Ich will mich von Frau Natura nicht ausgrenzen lassen. Denn ich liebe sie: die wunderschönen Platanen mit ihren verwunschenen Stämmen, die berückenden Blumenwiesen, die mächtigen Getreidefelder. Ich liebe ihre Schönheit, ihre rätselhafte Zauberkraft, ihre Unbezwingbarkeit. Ihre Farben.

Aber mein Immunsystem spielt verrückt, kämpft mit denen, die ich gern zu Freunden hätte. Was ist das? Fängt das Wesen des Menschen vielleicht irgendwann immer an, das zu bekämpfen, was es zu sehr liebt? Warum? Um sich zu schützen vor dem Ausgeliefertsein, das jede große Liebe mit sich bringt? Ist es ein Zwang, eigene Grenzen zeigen zu müssen? Dummerweise halten genau diese Kräfte mich selbst nieder. Und nehmen mir damit etwas Wichtiges.

Es gab für mich mal eine kurze krankheitsbedingte Pause von diesem Dilemma. Wie habe ich es genossen, auf einer Sommerwiese zu liegen!!! Es war ein unglaubliches Gefühl, eine Kostbarkeit. Ob ich es genauso intensiv erlebt hätte, ohne den sonst üblichen Zwangsentzug? Einen Zwangsentzug, den auch Medikamente nicht wirklich verhindern können.

Oder auch andersherum: Braucht der Mensch den Verzicht, um genießen und schätzen zu können, um dankbar zu sein für das, was ihm geschenkt wird.

Ich wollte mal die aktuelle Situation einfach nicht beachten, aber irgendwie passt es nun doch gerade wieder. Ich glaube unser Dasein hat klare geometrische Formen und Linien – doch drunter und drüber liegt das Chaos, menschengemacht…menschengerecht?

Platanen, uralt und geheimnisvoll

Nachtrag zu „Unpolitisch“

Beim Gehen lässt es sich gut NACHdenken. Ich stolpere über meinen Satz von jüngst, dass auch das Wort Demokratie zur Worthülse, zum Skelett verkommen ist. Und muss feststellen: Nein, ganz so ist es nicht. Beim Blick kreuz und quer über den Globus, muss ich mich korrigieren. Was dieses Deutschland da an Demokratie zustande bringt, das ist eigentlich doch eine ganze Menge. Eventuell das heute real Mögliche und Machbare. So gesehen und im Vergleich ist das ganz schön viel. Ich kann ganz gut das Alltags-Gerempel beiseite lassen. Aber natürlich kommt noch das große ABER.

Es gäbe schon noch Möglichkeiten, die meinen, durchaus auch utopischen, Demokratiebegriff nähren könnten. Da wäre die Möglichkeit von Volksentscheiden zu Themen, die allen am Herzen oder auch im Magen liegen. Und da wäre das Grundeinkommen für jeden Bürger dieses Landes. Beides hat die Dimension von Freiheit, von Freiheit die dem (altgriechischen) Demos, dem Volk ein Mehr an Kreativität ermöglichen könnte. Ich bin überzeugt, dass schon in diesen Projekten ungeahnte Möglichkeiten stecken. Beides wäre heute schon machbar, nachgewiesenermaßen. Und könnte ein Nährboden für Visionäres sein, was mir so sehr fehlt in der großen Politik. Die verhaspelt sich ständig im alltäglichen Kleinklein und verliert dabei den Weg aus dem Blick. Und so etwas wie das verlockende Licht am Ende eines schönen frühlingshaften Waldweges. Auch da weiß ich nicht, ob es nur ein Verwirrspiel oder eine segensvolle gleißende Lichtung ist…

Unpolitisch

Im tiefsten Inneren bin ich unpoltisch. Habe ich wahrscheinlich schon mal geschrieben. In ruhigen Zeiten lässt es sich damit leben. Aber wir haben keine ruhigen Zeiten. Wenn ich anfange nachzudenken, stecke ich stets und ständig im abgründigsten Schlamassel. Und versuche mich zu sortieren.

Erstens: Bin ich zutiefst dankbar, dass es Menschen gibt, die Politik machen wollen, können, die es versuchen. Der Satz ist Eins zu Eins gemeint. Nicht ironisch, nicht zynisch.

Zweitens: Wir brauchen (noch?) ein Regulativ, das das Zusammenleben großer Menschengruppen ermöglicht. Sonst hätten wir wie einst Stammeskriege in kleinsten und größten Gruppierungen auf der Alltagsliste. Köpfe einschlagen mag ich überhaupt nicht. Verbal schon eher, das könnte in Grenzen produktiv sein, wenn eine Kultur dahintersteht, die das Erlösende ermöglicht.

Drittens: Bilden wir uns nicht zu viel auf unsere Kultur- und Menschlichkeits-Fähigkeit ein? Ich glaube, wir sind immer noch „blutige“ Anfänger. Das sich einzugestehen könnte hilfreich sein. Auch Politiker sind, so gesehen, ziemlich normale Menschen. Leider wird zu oft Übermenschliches von ihnen verlangt.

Viertens: Ich ertrage das Parteiengerangel schon lange nicht mehr. Sollten nicht immer wieder Menschen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Fähigkeiten zusammenfinden, um die augenblicklich beste Lösung für ein Problem zu finden?

Fünftens: Ich wünsche mir zutiefst Weitblick, Kreativität samt einem zurück gestellten Ego, um die Gegenwart zu gestalten, so daß die Zukunft erkennbar wird. Viele Begriffe, auch Demokratie, sind für mich inzwischen zur Worthülse verkommen – …wenn sie das nicht schon immer war. Alle müssen mitreden dürfen, wenn sie können. Wenn das nicht konstruktiv geschieht, sollte es einfach im Raum stehen bleiben dürfen. Nicht mehr und nicht weniger.

Sechstens: Ernsthaft, ich wünsche mir einen weisen König, einen Weisen, der all das mit Draufsicht ein wenig hält und stets lebendig ein wenig korrigiert, erkannte und unerkannte Knoten löst.

*Die Gender-Schreibe ist mir zu umständlich. Also: Ein weises Wesen, das dazu fähig ist.

Das tollste Fachwissen taugt nichts, wenn es nicht umfassend nach allen Richtungen vernetzt wird.

Wer bessere Ideen hat, schreibe mir……….Die gibt es bestimmt. Mir scheint alles gegenwärtig alles verfahren, hoffnunglos festgefahren.

So oder so oder wie … ? Anleihen bei den Alten (Alte Nationalgalerie Berlin)

Randbemerkungen 2

Das Älterwerden – auch schon in sehr jungen Jahren – bringt manchmal Verblüffendes mit sich. Beachtliche acht Jahre feierte das Kind jüngst sein lebensfrohes Dasein. Und es besteht auf Traditionen. Die heißen zum Beispiel Gummibären-Torte. Eine große und eine kleine. So muß es sein, wenn es auch schon längst nicht mehr um lukullische Höhepunkte geht.

Tradition ist auch, dass die Großmutter die Geburtstagsnacht bei ihr verbringt . Auch dieses Ritual wird nach wie vor mit Vehemenz eingefordert.

Während alle noch schlafen kommt das strahlende Geburtstagskind ins Zimmer gehüpft. Oma, du bist heute nicht die Erste, die mir gratuliert. Ich rate: Der Bruder, die Lieblingspuppe….

„Ich habe heute mir selber zuerst gratuliert!!!“, ruft die stolze Achtjährige vergnügt.

Verblüfft lache ich mit ihr und nehme sie in den Arm. Irgendwie ist das genial, denke ich mir. Wenn sie diese Lösung verinnerlicht, könnte sich manch künftiges Lebensproblem schon etwas entspannen lassen. So in etwa: Sich selbst öfter mal in den Arm nehmen, wenn es gerade kein anderer tut. Oder generell: Ich wünsche mir etwas und sorge erst einmal selbst für das, was ich mir wünsche. So gut es eben geht.

Und manchmal könnte das ja auch schon reichen.

Randbemerkungen 1

Plötzlich stehen Sätze im Raum, die haben es in sich und sollten aufgehoben zu werden.

Jüngst mit der Achtjährigen unter den Linden unterwegs. Beim überdimensionalen Alten Fritz wird eine Betrachtungspause eingefordert. Wir umrunden das Denkmal. Der Sockel bringt sie ins Grübeln. Was sind das für Männer?

Die Fürsten, die dem König gedient haben. Noch eine Sockelrunde: Und wo sind die Frauen?

Im Erwachsenen-Deutsch kommt mein Satz: Das ist eine Frage, die auch heute noch aktuell ist.

Derweil schaut das Kind auf das neu errichtete Schloss. Haben darin auch Prinzessinnen gewohnt?

Die Welt ist eben ziemlich schwer zu verstehen…

Leidenschaften

Im diesem Wort steckt etwas Tückisches, wenn ich es zerpflücke. Leiden, schaffen und schaf(f)t, Leidenschaft. Merkwürdig, da ja eigentlich große Gefühle gemeint sind.

Unsere schöne deutsche Sprache.

Genauer hingeschaut finde ich, dass so ungeheuer viel Wahrheit drinsteckt. Viel mehr als uns wahrscheinlich im alltäglichen Sprachgebrauch bewusst wird. Wir sind leidenschaftliche Sportler, Sänger, Tänzer, Lesende… – Liebende.

Wir folgen unserer Leidenschaft mit viel Freude und einem Gefühl des unwiderstehlich Hingezogenseins. Durchaus auch mit Abhängigkeitstendenzen, die sich partiell unseres Willens entziehen. Wenn dann kein Raum und keine Resonanz für unsere Leidenschaft da ist, beginnen wir tatsächlich zu leiden.

Ein widersprüchliches Sprachgebilde ist diese Leidenschaft. Aber auch ein Hinweis auf die Tücke der selbstwaltenden Gefühle. So scheint es mir. Unsere Gefühle lieben wir, wir kultivieren sie, verlassen uns auf unser Bauchgefühl...und lassen uns stets und ständig von ihnen überwältigen. Im Guten wie im Schlechten.

Ich bin zunehmend geneigt, ein Warnschild aufzustellen: „Vorsicht Gefühle!“. Weil… ja weil sie vielleicht Urgewalten sind. Einem Orkan, wie erst Vorgestern auf Berlins Straßen, setze ich mich ja auch nicht ungeschützt und freiwillig aus. Mal abgesehen davon, daß ihm ein riesiger wunderschöner Regenbogen folgte.

Freilich, Gefühle haben auch die andere Seite, das Zarte und Sentimentale, die stille Leidenschaft. Diese wandelt womöglich am anderen Abgrund. An dem der eigenen, nicht gut überschaubaren Untiefen.

Das Schöne an der Leidenschaft ist andererseits, das ich mich mit etwas mit Haut und Haar verbinde, es mit allen Fasern lebe. Doch genau dort beginnt die Gefahrenzone, in der mich schnell selbst verlieren kann, mir die Zügel entgleiten.

In diesem Zusammenhang beschäftigt mich eine anderes Thema schon lange: Krankheit, Sterben, Tod. All das ist in unserer Welt extrem gefühlsdominiert. Ich frage mich: Ist in diesen Bereichen neben der „wilden“ Gefühlswelt nicht auch noch etwas anderes wichtig? Zum Beispiel unsere ordnenden Gedanken, Kampfeswille, wenn es sinnvoll erscheint… Welche Art von Gefühlen entstehen, wenn ich mir in einem Krankheits- oder auch Sterbeprozess über das Schöne in meinem bisher gelebten Leben klar werde und Dankbarkeit dafür entsteht. Mir scheint, dass das ganz andere Gefühle sind – gegründete. Solche, die über mein leidendes Ego hinausgehen. Keine Leiden-Schaften, sondern eine tief empfundene Freude.

Schöne Aussichten

Was mir Angst macht

Nein, nicht Corona. Die nehme ich ernst, bin vorsichtig im Umgang mit ‚ihr‘ und weiß, dass es einfach auch Unabwendbares, Schicksalhaftes im Leben gibt.

Angst macht mir etwas anderes, an das ich nicht erst seit Heute und Gestern stets und ständig stoße. Ich nenne es mal Ideologien. Die harmloseste Wörterbuchdefinition dazu lautet erst mal ganz einfach „Weltanschauung“. Aber, gibt es die Weltanschauung? Eine fürs Leben, eine ein für allemal?

Die Welt verändert sich. Ich verändere mich. Vor allem Letzteres. Hoffentlich.

Dann begegne ich viel Bewegung und Bewegten im Außen. Und ich bewege mich im Außen – und auch im Innen. Da kann nichts festgeschrieben werden. Und ich möchte nicht in ein Schubfach gesteckt werden. Wenn die Erstarrung kommt, kommt die Ideologie. Die macht mir Angst. Ideologien machen mir Angst. Ich selbst erlebe um mich herum ein Erblühen aller möglichen Ideologien. Mehr denn je zuvor.

Vor vielen Jahren habe ich mal in mein Notizbuch geschrieben: Wenn eine Gruppe sich einer Idee bemächtigt, dann ist die Idee schon verloren. Verloren, weil meist daraus sehr schnell eine Ideologie gezimmert wird. Möglicherweise oft ungewollt. Aber, es ist so. Denn dann hat alles, was den Rahmen der Ursprungsidee sprengt keinen Platz. Wer drumherum und drüber hinaus denkt, der wird schnell zum Verräter und meist auch ausgestoßen. Und die Idee beginnt zu sterben…

Verschworene Gemeinschaften haben für mich selten etwas Anziehendes, eher etwas Abstoßendes. Freilich könnten sie der Kern für etwas Gutes, Neues in der Welt sein…könnten…

Was macht Ideologien so verführerisch? Da kommt, glaube ich, vieles zusammen. Sie führen in eine Gemeinschaft vermeintlich Gleichgesinnter, das gibt Halt. Vermeintliche Sicherheit entsteht, wenn ich einem vorgegebenen Gedankengebäude folgen kann. Und dann womöglich habe ich das Gefühl, ich bin auf der besseren Seite, eventuell ‚Ich bin etwas Besseres, weil ich weiß was gut und richtig ist‘. Meine Weltanschauung hat alle Antworten und in der Regel auch einen Vordenker. Bin ich ‚Nach’denker oder ‚Mit’denker? Kann ich noch selber denken, weiter denken? Darf ich…?

Aber, wenn ich dieses Weltanschauungsgebäude mit meinen eigenen Gedanken abgleiche und wenn ich dann womöglich nicht Konformes aussortiere, dann bleibt das eigene Denken schnell auf der Strecke. Da sind ja kluge Menschen, die es wissen müssen. Tückisch. Zumal es in der Welt die einfachen, klaren Antworten nirgendwo gibt.

Für mich gibt es durchaus einfache, klare Orientierungen. Die befinden sich aber auf einer anderen Ebene. Es sind moralische Wertvorstellungen, die mir allein eine Orientierung geben. An denen kann ich mich in der Welt messen und weiter entwickeln. Mit ihnen begebe ich mich mit einem relativ sicheren Boden unter den Füßen in die Welt der Ideen. Ideen, die nicht zu festgefahrenen Ideologien verkommen dürfen und die keinen ausschließen, der Fragen stellt und seine Gedanken dazu stellt.

Ich spreche mal wieder von den zwölf Tugenden, dem Geländer in meinem Leben.

Glaubensgemeinschaften gibt es nicht nur im Bereich der Religionen. Weltanschauliche Verbünde existieren reichlich. Auch Gurus aller Coleur. Sie sind überall.

Ich denke da auch an Anthroposophie, die aus sich heraus eigentlich ein offenes Gedankengebäude ist.

Aber auch alltäglicher: Radfahrer und Veganisten kommen oft als solche Gemeinschaften daher, natürlich auch Autofahrer. Freilich niemals alle. Aber Gruppendynamik nahe an einer Ideologie ist als Potential allemal anwesend.

Das zum Thema Ängste. Meinem Aspekt.

Berlin in diesen Tagen. In diesem Motiv steckt alles Mögliche aus dem Reich der Ideologien.

Lob und Widerrede der guten alten Schule

Flächendeckend Schule für alle, kostenlos und verpflichtend – das ist auch heute noch in der Mitte Europas eine große Errungenschaft. Die Startbox ins Leben, die allen Kindern zukommt. Klar, gibt es auch da Unterschiede. Denn, das, was jedes Kind von zu Hause mitbringt, das bleibt sehr unterschiedlich.

Ich bin weit davon entfernt zu meckern. Nur, das Modell in seiner Grundstruktur ist mehr als 100 Jahre alt. Innerlich und äußerlich. Auch wenn die Kinder heute vielleicht häufiger im Kreis sitzen und manches Neue dazu gekommen ist. Die digitale Revolution fing spätestens vor 30 Jahren an und wurde vor etwa 20 Jahren breitenwirksam. Und ist erst mal seeehr lange an allen Schulen vorbei gegangen. Dass es jetzt drängt und einiges allmählich in den Schulen passiert, das ist Corona, der unheimlichen grauen Eminenz, zu verdanken. Das Digitale an die Schulen zu bringen, ist für mich aber nur ein Aspekt – und pur gehandhabt auch ein nicht ungefährlicher – um Fragen an die Schule in unserer Zeit zu stellen.

Ich wünschte mir, dass die Schule allmählich ein ganz anderer Ort wird. Nach wie vor sollten die alten Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben, Rechnen im Grundschulalter erworben werden – und unbedingt so, dass sie im „Schlaf“ abrufbar sind. Aber dann und gleichzeitig sollte schlichtweg das Lernen gelernt werden, Neugier und Kreativität herausgefordert werden. Und: Schulen sollten es zum Hauptthema machen, gezielt soziale und moralische Fähigkeiten entwickeln zu helfen.

Das Vollstopfen mit Wissen, Wissen das spätestens nach dem Abschlußzeugnis meist im tiefen Vergessen versinkt und sehr schnell auch nicht mehr abrufbar ist, sollte ausgedient haben. Wissen ist heute schnell und unkompliziert digital abrufbar – wenn ich weiß, was ich wissen will und wie ich es finde. Das sollte gelernt werden. Und vorher: Fragen, Fragen, Fragen stellen. Neugierig sein.

Ein gutes Allgemeinwissen halte ich durchaus für wichtig. Doch es sollte von Anfang an anders erworben werden. Es müsste durch Projekte aller Art, in großen und kleinen Gruppen, oder auch einzeln erworben werden. Zum Beispiel: Wer mit anderen im Garten alles mögliche Getier beobachtet, wird schnell in einer Gruppe jede Menge Fragen und Wissen dazu zusammentragen. Daraus entstehen jede Menge neue Fragen. Der Lehrer darf beim Ordnen und Strukturieren helfen und schnell ist der Inhalt eines Lehrbuchs zusammengetragen – aktiv, selbst erlebt. Wer an einem Holzstück arbeiten darf, erwirbt nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern wird eine Menge über Baumarten und ihre Qualitäten lernen – im Tun. Die Älteren würden sich zum Beispiel mit Autos befassen und über Antriebe eine Menge begreifen, das wäre angewandte Physik und Chemie. Wenn junge Menschen nähen lernen, brauchen sie auch eine Menge Rechenfähigkeiten und Wissen über Stoffe und wo sie herkommen…und natürlich Ideen. Und immer gilt: Der Spass am Selbertun.

Die digitale Welt gehört zu unserem Leben und wird (und soll auch nicht) wieder verschwinden). Deshalb, finde ich, geht nur eines: Sie altersgerecht zu integrieren und die Gefahren kennenlernen. Wir verzichten auch nicht aufs Auto, weil wir wissen, dass immer wieder Unfälle passieren. Aber wir machen uns die Gefahren bewusst und versuchen, sie zu reduzieren. Und wir überlegen zunehmend wieviel Auto wir wirklich brauchen und merken, dass zu Fuß gehen Spaß machen kann. Analog: Auch das gedruckte Buch wird seinen Platz zurück erobern und behaupten.

Wer zehn, zwölf Jahre auf diese Weise sich lernend die Welt erobert hat, der wird mit Sicherheit eine Menge davon bleibend verinnerlicht haben. Und vielleicht richtig „Bock“ auf die Welt bekommen, in die er hineingeboren ist.

Gleichzeitig bekommt das soziale Miteinander einen ganz anderen Stellenwert und moralische Qualitäten könnten herausgefordert werden und wachsen. Später auch reflektiert werden. Nicht als Draufgabe, sondern als Essentielles einer langen Schulzeit. Schon Kinder könnten bewusst lernen, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und nicht wertend damit umgehen, sondern damit sich selber und andere besser kennen lernen.

Kunst und Kultur wären das natürliche Elixier bei einem solchen Lernen. Die Luft, durch die das alles atmen muß. Freilich, dieses und jenes gibt es schon an unseren Schulen, Freie Schulen sind da oft einen Schritt weiter. Aber, das Lernen bleibt gefangen in einem System, einem Korsett, das längst sklerotisiert ist und das Pferd vom Schwanz aufzäumt.

Die Schule im 21. Jahrhundert sollte nicht mehr die Abiturfahne auf ihrem Dach hissen. Sondern neugierige begeisterungsfähige junge Menschen entlassen, für die Schule all die Jahre etwas im guten Sinn Aufregendes war. Menschen, die einfach Lust haben, die Welt zum Besseren zu verändern und ihren Träumen zu folgen. Es könnte allerdings sein, dass eine solche Art des Lernens für alle Beteiligten etwas anstrengender wird. Es ist zweifelsohne ein Kraftakt, der Zeit und Geduld erfordert. Einen uralten Baum kann man nicht verpflanzen. Aber es lässt sich eine Welt drumherum gestalten, die dem Heute und der Zukunft neue Möglichkeiten schafft. Der Alte darf in all seiner Schönheit bewundert werden – als Zeitgestalt.

So schön alt…
…und der Zukunft entgegen

Lustlos

Das gibt’s auch. Darf sein. Muss ich mir aber mantramäßig immer wieder sagen. Obwohl ich aus Erfahrung weiß, dass es sich meist schnell und von allein erledigt. Und ich weiß auch: Meist wächst daraus neue Produktivität, ist so ein blöder Zustand der Boden für neue Ideen. Gut und schön, ich kann mich trotzdem an solchen Tagen nicht leiden. Lieblings-Schokolade hilft ein bißchen.

Selbst die besten Ideen versickern in Energielosigkeit. Eben ein blöder Zustand.

Zulassen – sage ich mir.

Ich bin genervt. Wider besseres Wissen. Lese Quatsch und gucke blödes Zeug und finde den Zustand noch blöder.

Dann bin ich eben optmistisch, sage ich mir gerade – doch da macht gerade mal der Verstand mit. Der Rest bleibt eben lustlos.

Dafür hat es gerade noch gereicht – ein blödes Foto…