Bedrohliche Nähe

Der Krieg ist hautnah gerückt. Bedrohlich nah.

Er lässt sich auch nicht mehr aus Kinderzimmern verdrängen.

Der Streit um einen Playmobil-Feuerwehrhelm eskaliert. Jede/r braucht ihn dringend und beharrt auf seinem Recht. Es wird nicht nur laut, sondern auch handgreiflich. Ziemlich brutal. Alle meine Versuche der Deeskalation scheitern kläglich. Ich muß laut werden, um mir Gehör zu verschaffen. Irgendwann habe ich die beiden Streithähne im festen Griff. An jeder Hand einen. Ich hole tief Luft nach gründlicher Erwägung.

„Wisst ihr, was gerade in der Ukraine passiert?“ Ja, sie wissen. Mehr als ich ahnte, sogar Namen werden genannt. Und da ist das neu zugezogene Mödchen im Haus. Der Papa ist im Krieg, in der Ukraine. Es ist still geworden.

Ich frage: Wisst ihr wie Kriege entstehen? Schweigen.

Ich sage (so etwa): Jemand will etwas, was der andere hat. Nur einer vielleicht darüber will reden. Das reicht nicht. Dann wird zugeschlagen. Menschen müssen sterben. Wofür eigentlich…

Wir wiederholen die jüngst besprochenen Regeln für Problemlösungen:

Nicht schreien, nicht schlagen, reden. Immer wieder reden und nach Lösungen suchen, Kompromisse finden. Die beiden wissen schon, was Kompromisse sind. An Ideen für einen guten Kompromiss muss allerdings noch gearbeitet werden.

Die Übungen im Kinderzimmer könnten durchaus von weltgeschichtlicher Bedeutung sein. Auf jeden Fall fängt die Weltgeschichte dort an. Finde ich.

Darum ging’s, genauer um den Helm. Der eine braucht ihn für den Motorradfahrer, die andere für die Mama, die bei der Feuerwehr ist. Zwei durchaus einleuchtende Argumente.

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