Genuss kontra Stress

Geht das, dem extremen Stress mit extremem Genuss beizukommen? Ich probiere es gerade.

Mich hat es mal wieder erwischt, zum dritten Mal mit zweimal ungewöhnlichen (Zitat) 15 Jahren Pause. Und eigentlich bin ich ziemlich entspannt. Das hat etwas mit meinem etwas reiferen Alter zu tun und mit dem „Man kennt es ja“. Und dem Satz, dass die Chancen gar nicht so schlecht seien.

Trotzdem bin ich gerade dem Genuss verfallen: Da einen Kaffee plus Snack wenn mir gerade so ist, dort teure Bio-Leckerei und dann noch das französische Lieblingscafe weils gerade am Weg lag. Bildermuseum sowieso, hab ja eine Jahreskarte. Mein Luxusfriseur musste auch sein, außer der Reihe. Und dann lief mir das lange gesuchte Sommerkleid über den Weg, Schlussverkauf, aber bei…na ja. Dazu einen neuen schicken Schal für den lädierten Hals.

Ich muss da jetzt selber gründlich grinsen. Aber es geht noch weiter.

Fast kostenlos mit Deutschlandticket zum Schlachtensee. Morgenstille und ganz ganz viel Wasser und Bäume fast für mich allein. Köstlich, für mich der perfekte Genuss. Die einen gehen in die Kirche oder einen anderen Tempel, ich freue mich schon das ganze Jahr auf diese wenigen Sommermonate und eben diese Glücksmomente. Auftanken für die restlichen Neun.

Dieses Mal hatte es allerdings einen Preis von knapp 11 Euro für ein wasserdichtes Pflaster aus der Apotheke. Ich hoffe, dass sich all KI der Luxus in nächster Zeit wieder herauswirtschaften lässt.

Aber jetzt kommt die andere Seite: Der Stress. Ich scheitere wieder mal an unserem doch recht gutem Gesundheitsuniversum. Überhaupt nicht reinkommen, keine Termine, warten, warten, warten und dann mit Schelte rechnen müssen. Hoffnungslos überlastete und überforderte Ärzte, denen ich am liebsten selber helfen möchte. Die KI half meinem fehlenden Wissen nach, aber dann gibt’s doch noch individuellere Fragen, keine Zeit, ich könne ja im Entlassungsbericht nachlesen. Mit einem weinenden und zunehmend lachenden Auge übersetze ich mir das Medizin-Chinesisch (ist das Wort jetzt rassistisch?)…

Auweia, in welcher Welt werde ich immer älter. Jedenfalls warte ich noch immer auf einen Anruf – um den See wandernd mit IPhone laut gestellt in der Hand. Es ist Abend geworden. Der Fragen ein vorläufiges Ende wird es nun im besten Fall frühestens Dienstag Nachmittag geben.

Die Frage war: Genuss kontra Stress, geht das? Ich weiß es nicht und betäube mich derweil. Mit Tagesspiegel, Computerspielen und Kirschen. Was anderes geht gerade nicht. Aber wer weiß, üben, üben, üben….und dann doch wieder genießen.

Hinterlasse einen Kommentar