Kino und Wirklichkeit umarmen sich. Eigentlich wollten wir in die Welt der Insekten eintauchen. Ich war richtig gespannt auf das Reich der kleinen Schwirrer, die mir derzeit ein bisschen zu oft Nachtschlaf und Frühstückslaune rauben – eben mückisch und wespisch.
Innerlich schon tiefenentspannt zurück gelehnt in Erwartung ganz besonderer Naturbilder und der Stimme Katharina Thalbachs…Nun ja, Terminchaos, Sonntags ist eben alles anders.
Die Alternative führte ins Chaos der Griechen. Das Trojanische Pferd und die martialische Kampfeslust der Ithaker und ihrer Widersacher.
Ich habe die drei Stunden infernalisches Schlachtgetümmel und die Entgötterung der griechischen Helden überlebt. Es gab ja noch den Einen. Odyssee. Menschlich heldenhaft, stark und edel. Der, den die Götter, insbesondere Zeus, prüften. Der Auserwählte, der nur allein wieder die Heimat auf ihren Beschluss erreichen sollte.
Die Heimat nebst seinem edlen Nachwuchs samt noch edlerer Mutter. Obendrauf gab’s natürlich ein wunderschönes Pferd, den widerlichen Zyklopen, die Giganten, die Circen, eben die ganze Odyssee, die im Schlachtlärm tatsächlich überlebt hat.
Es war Öl Eintauchen und Erinnerungshilfe. Es blieb ein wenig Sehnsucht nach den Homerischen Versen. Denen wiederum der realitätsnähere Blick ein ganzes Bisschen auf die Füße geholfen hat.
Rückblickend für mich gar noch Lebenshilfe. Während Anfangs der Held seine Mannen noch zurechtweist: „Die Götter helfen denen, die sich selber helfen!“, geht’s ganz anders nach Hause nach Ithaka. Nichts, rein gar nichts, soll gesteuert sein. Festgebunden auf einem winzigen Floss, allein Zeus und seinem Willen vertrauen müssend, ganz und gar allein und den Allgewalten des Meeres überlassen, spült es ihn an das ersehnte heimatliche Ziel Ithaka.
Erst jetzt darf und muss er wieder kämpferisch ins Geschehen eingreifen und an der Zukunft arbeiten.
Ich frage mich: Ist das auch die Logik meiner derzeitigen ganz persönlichen Odyssee? Jo Aber: Bin ich noch in der Phase des mir selber Helfens? Oder schon des eigenwillenlos Treibenlassens? Nur noch gottvertrauend.
So ein Ausruhen vom eigenen Willen kann ganz schön anstrengend sein.
Wie wird mein Ithaka aussehen? Und was bleibt mir? Auch das Exil? Und wo?
Die Insekten müssen warten.
