Narben

Die alten Helden zeigen stolz ihre Narben. Denn die stehen für erfolgreich bestandene Kämpfe, für Tapferkeit, Durchhaltevermögen, für Mut und Unbesiegbarkeit.

Ich bin gerade auf mein Schlachtfeld zurückgekehrt. Zurückgekehrt worden. Ganz und gar nicht freiwillig oder aus Langerweile oder der Sehnsucht nach Herausforderungen. Warum das notwendig war wird sich noch zeigen. Vielleicht…

Jedenfalls ist mein Kampfplatz das deutsche Gesundheitsunwesen, die Krankenhausszene und eigentlich genauer das ganze soziale Netzgewirke. Letzteres vor allem. Ich bin überzeugt, dass das die Schauplätze der Kämpfe unserer Zeit sind. Und die der Zukunft. Kein Mord und Totschlag, um Terrain zu gewinnen. Dafür eine Gemengelage aus mangelnder bis fehlender menschlicher Empathie und Überlastungssymptomen aller Art.

Die Narben entstehen aus Unbedachtem. Narben von Menschen, die von Bürokratie und Technokratie ganz und gar vereinnahmt sind. Und genau das schon längst nicht mehr wahrnehmen können.

Schwerkranke Menschen werden nach Wochen von jetzt nach gleich nach Hause geschickt bar jeder Ahnung wie sie zurecht kommen können. Da fallen Bemerkungen wie „Wir sind kein Hotel“. Gepeitscht wird durch ein fast seelenloses System bis zur vollständigen Erschöpfung. Um dann zu hören „Zu Hause können sie sich ausruhen“. Aber, in der Urlaubszeit allein mit Haushalt und Versorgung, den sich stapelnden Staub ringsum vor Augen bei kaum noch vorhandener eigener Handlungskraft….

Der Mensch degradiert zur reparaturbedürftigen Maschine. Die Seele ein nicht vorhandenes Unikum…

…die am Ende aber ungefragt gebraucht wird, um wieder heil und ganz zu werden.

So wie es jetzt geschieht, so wird all das eingesetzte Wissen, der überwältigende medizinische Fortschritt letztlich ins Jenseits befördert. Mit den ‚Händen‘ aufgebaut und mit dem ‚Hintern‘ eingerissen.

Meine Bewunderung allen, die sich trotz aller Zwänge ihre menschliche Handlungsfähigkeit bewahrt haben.

Wie war das mit den heldenhaften Narben?

Ich werde immer geschickter beim Einhandeln derselben. Und mache mir deswegen keine Vorwürfe mehr.

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