Der Februar – herausfordernd

Ich wollte meine Februarstimmung mit dem Pinsel visualisieren. Das innere Bild war klar, doch es wollte sich nicht so richtig fügen. Den Februar erlebe ich immer als einen widerspruchsvollen Monat. Ja, hurra, es wird wieder heller, ein freundlicheres Licht, dadurch schon ein bißchen mehr Farbe überall. Draußen über den Trauerweiden liegt ein sanfter gelber Hauch. Beim nahen Hinsehen sind es endlos viele zartgrüne Knospen an den hellbraunen Zweigen. Schneeglöckchen, Krokusse sagen verhalten „Wir sind wieder da“. Ein Winterling zeigte sich mir jüngst.

Aber: Es ist ungemütlich draußen, die eigene Kraft hat sich mehr als halbiert, jeder Widerstand gegen Husten und Schnupfen usw. usf. prallt klirrend an dem Draußen ab. Durchhalten. Trotzdem…einen langen Havelspaziergang machen, lieben Menschen begegnen und noch lieber (keine Ansteckungsgefahr) am Telefon quatschen…

Und dann schaue ich auf meinen Balkon und muss lachen. Ich sehe meinen großen Pott. In ihm begegnen sich alle Jahreszeiten. Während die Christrosen unverdrießlich blühen, welkt der Weihnachtsstern vor sich hin. Aber da sind die kleinen wilden lila Malven vom  letzten Sommer, die Anfang Januar mit letzten Blüten der Jahreszeit trotzten. Der Rosmarin ist mit blauen Blüten dabei. Die „Stubentiger“ Tulpen und Narzissen aus den letzten Wochen vollenden ihr Dasein nun da draußen und leuchten noch ein bißchen. Der Salbei strotzt vor sich hin ohne jede Pause. Üppige grünweiße Nesseln füllen unverändert einen ganzen Kasten. Das ganze Jahr auf einmal. Verrückt!

Ist es aber nicht auch so mit unserem alltäglichen Leben? Da ist der Augenblick, jetzt wo ich schreibe, das entspräche etwa der blühenden Christrose. Doch dabei ist alles andere genauso anwesend: Die große Freude von Vorgestern mit dem Dreijährigen, egal wie anstrengend. Die Trauer um die Freundin die vor drei Jahren gestorben ist und heute Geburtstag hätte. Ruth hätte heute auch Geburtstag, sie verabschiedete sich vor einem knappen Jahr. Doch die Dritte im Bunde feiert heute ihren Geburtstag, wie schön. Und dann winkt ein wenig die Vorfreude auf warme Frühlingstage ohne Husten. Ein ganzer Schatz an Erinnerungen ist plötzlich da während ich schreibe. Ich bleibe offen für Überraschungen aller Art…auf das was kommen mag.

So verwoben ist das alles, so wie sich in dem großen Blumenpott die vier Jahreszeiten vergnügt „Hallo“ sagen.

IMG_1557.jpeg

Der Februar zeigt sich verheißungsvoll und ist doch zugleich entkräftend. Muss ich erst entkräftet sein, um den Verheißungen aus voller Seele gewachsen zu sein. Müsste ich nicht, sagt mein Kopf. Oder anders herum: Brauche ich all die Verheißungen, um leben zu können. Aber vielleicht ist es einfach so: Es gibt dieses verflixte Zusammenspiel von Innen und Außen, von der Zeit, die nur scheinbar in einer geraden Linie verläuft und das Leben schön aufregend macht.

PS: Wer es wissen will, der Weg zur Glückseligkeit ist leicht zu finden. Einfach fragen. Mich.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: