Angst – Teil 2

Ich lasse mal für einen Schreibmoment Corona beiseite und schau ein bißchen weiter beim begonnenen Thema.

Was wären die Ausuferungen der Angst? Tollkühnheit, Wagehalsigkeit zum Beispiel in einer eher nicht wünschenswerten Weise. Auf der anderen Seite fallen mir Wagemut, ein Mut in gut überlegter Form ein. Der Mut steht an erster Stelle der zwölf Tugenden.* Im mittelalterlichen Sprachgebrauch hieß es Starkmut durch Zucht. Zucht im Sinne einer gut geführten und bewusst eingesetzten Kraft. Das gefällt mir. Ich glaube nicht, dass mir das immer gelingt. Aber das Wissen darum ist für mich ein sehr brauchbares Handwerkszeug im Alltag. Immer dann, wenn ich mich frage was ich zum Beispiel einer aufkommenden Angst entgegen halten kann. Dann gehts bei mir weiter mit Nachdenken. Mir hilft es und holt mich aus dem beginnenden Gefühlsstrudel heraus. Nur: Im Dialog fürchte ich mich inzwischen schon, solche Logik auszusprechen. Warum? Weil mir dann Rationalität bis hin zur Gefühllosigkeit vorgeworfen wird. Nicht immer, aber oft. Komisch: Wenn ich wirklich mal wütend und laut werde, also ein Gefühl äußere, ist das überhaupt nicht erwünscht. Logisch, Jähzorn zählt biblisch zu den Todsünden, ist seit Jahrhunderten Menschen eingebläut. Meine Fragen wären: Wie kommunizieren wir heute Gefühle, wenn ja welche und wie tun wir es? Und: Warum nicht alle?

Sichtbar geäußertes Leid und Tränen werden eher akzeptiert. Freude, Liebe, Glück, na klar, daran will jeder teil haben. Oder auch nicht, weil ihm gerade etwas davon fehlt, was er auch gern hätte…und er es deshalb nicht aushält.

Also, wie steht es um unsere Angst, die wir doch durchaus brauchen. Als Stoppsignal, damit wir in einem real gefährlichen Moment besonders bedacht vorgehen. Als Warnung für gefährliche Situationen, vor Gefahren, denen ich mich nicht bedingungslos ausliefern muss und sowieso nicht will. Bleiben wir im Auto am Stoppschild stehen und trauen uns vor Angst nicht weiter? Nein. Werden wir vor einem Orkan gewarnt und gehen vorsichtshalber eine Woche nicht aus dem Haus, obwohl die Sonne längst wieder scheint. Lächerlich, sicher.

Doch mit diffusen Ängsten wird doch oft genau so umgegangen. Endlos in diesem Gefühl verharren, weggucken, verdrängen. Zu sagen „Ich bin nun mal so“.

Ist es dann nur rational oder gar gefühlskalt, der Angst das Stoppschild zu zeigen und sie zu befragen?

Zum Beispiel: Wer bist du? Woher kommst du? Bist du uralt oder ganz jung? Wovon nährst du dich? Dann bin ich doch mit mir Gespräch, im Kontakt. Ich kann es auch als ein Form der Meditation betrachten. Ich räume in mir auf. Und muss es auch immer wieder tun. Chaos kommt schnell wieder, überall, ob auf dem Schreibtisch, in der Wohnung  oder … Die innere Leere, eine Form der Meditation, würde nicht ins Bild passen. Auf meinem Schreibtisch muss ich sorgfältig ordnen, aussortieren, aber nicht der Einfachheit halber alles mit einer Handbewegung in den Papierkorb schieben. Freilich ist das anstrengend. Ich habe nicht immer Lust dazu und gucke  dann einfach eine Weile weg. Bis es mir zu viel wird. Und dann geht es dem Durcheinander an die Wurzeln. Ein herrliches Gefühl, wenn es mal wieder für eine Weile geschafft ist.

Mit der Angst geht es genauso. Da ist es ein Akt der Selbstbefreiung, wenn es erst mal wieder geschafft ist, die Bewegungsstarre aufhört. Einfach himmlisch.

* Es gibt einen Kranz der Zwölf Tugenden, der im Mittelalter gewunden wurde. Er ist eng mit der Parsifal-Legende verbunden, also mit dem Weg zum Gral. In diesem Kontext wird der Gral als Kelch der Liebe, der selbstlosen Liebe, die nichts für sich will, definiert. Er wird als Ziel verstanden. Doch im Vordergrund steht der Weg, auf dem wir um menschliche Tugenden, um eine menschengemäße Moralität ringen.

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Ruhe, eine natürliche Ordnung, aber auch Untiefen

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