Illusionen?!?

Gestern hatte ich Babelpapa auf seinen vorletzten Blogg geantwortet…oder auch kommentiert. Wie auch immer, meine ganze Mühe ist on Air verschwunden. Schade. Das passt zu meinem aktuellen „Eingesperrten-Status“, inneres Chaos, Gedankenkarussell. Außen auch Chaos: Eine Maus hat es sich bei mir gemütlich gemacht und schon zweimal tollkühn die Lebendfalle geräumt. Inzwischen experimentiere ich verzweifelt, einem Herzinfarkt nahe, mit der Konsistenz der Nutella-Brotbröckchen, die vor einem Jahr erfolgreich waren. Vielleicht pflegt das Kerlchen, gut genährt, inzwischen schon seinen Nachwuchs in einer Mauerwand-Nische meiner Altbauwohnung. Hatten wir schon…

So, und nun trotzdem der Versuch, mich zu zentrieren und dem Querdenker- Jubel von Babelpapa meine Version beizusteuern.

Ich finde Querdenken auch gut. Es kann helfen, festgefahrene Muster aufzulösen und neu darauf zu schauen. Es kann auch helfen, meinen eigenen Standort zu bestimmen. Aber alles in Frage stellen und vor allem Minderheiten-Ansichten zu befürworten, ist für mich noch kein Querdenken und wenig produktiv. Verschiedene Ansichten anzuhören, zu lesen, das halte ich für selbstverständlich. Viel wichtiger ist für mich das Selberdenken. Darauf bestehe ich und das wünschte ich  mir von allen meinen Mitmenschen. Einen Ober-Richtig-Denker wird es nie geben, kann es auch nicht geben. Irgendwer wird allerdings dazu oft ernannt. Ist ja auch bequem jemanden zu folgen, der meine Seele wärmt und streichelt, weil er mit mir auf einer Wellenlänge liegt. Doch, ob uns das als Gesellschaft, als Mitmenschen weiterbringt? Scheint mir eher gefährlich.

Die erste Bedingung für einen Fortschritt wäre, das einander Zuhören zu üben. Die zweite, wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen, verschiedene Gedanken zusammen weiter zu entwickeln in eine Richtung, wo sie produktiv werden können. Da kann Querdenken eine Rolle spielen, aber nur eine.

Nebenbei bemerkt: Wenn im Osten immer nur gehorsam dem gefolgt worden wäre, was oben gedacht oder besser verordnet worden ist, hätte es kein 1989 gegeben und manches andere auch nicht.

Und jetzt leben wir alle in einer bewährten Demokratie in der Corona-Krise. Ich fühle mich sehr in die Verantwortung genommen der Gemeinschaft gegenüber, aber ich treffe auch stets von Neuem meine eigenen Entscheidungen.

Gegen die Ohnmacht, nicht wirklich etwas verändern zu können, habe ich sehr früh angefangen die Grenzen des Möglichen im Bestehenden auszureizen und andererseits, immer wieder von Neuem meine eigenen Grenzen zu bestimmen. Daraus ist eine Übung ohne Endzeitdatum geworden und eine Dauerherausforderung. Für mich hat das sehr viel mit dem absolut anstrengenden, aber auch freudigem Selberdenken zu tun. Und: Für mich lebt darin ganz stark eine Moralität. Ich weiß, das Wort hat meist einen leicht säuerlichen Beigeschmack und assoziiert bei vielen einen erhobenen Zeigefinger. Aber ich liebe, wie schon mehrmals erwähnt, die zwölf Tugenden aus dem Mittelalter, die mit dem Gral und den Artusrittern im Kontext stehen. Sie  sind für mich in diesen beschriebenen Prozessen ein Geländer zum Festhalten, eine Orientierungshilfe und letztlich auch ein täglicher Prüfstein für mein alltägliches Tun. (Wer mehr wissen will, kann sich dazu bei mir zum Seminar anmelden…Grinssmiley)

Ich finde es schön, lieber Babelpapa, dass du die Chancen der Coronaauszeit ausreizt, dass du dich von diesem erzwungenen Freiraum anregen lässt. Ich glaube, dass das eine grandiose Chance ist, um zur Besinnung zu kommen. Für alle. Wär doch schön, wenn die große Sehnsucht nach der Normalität, ein paar Einschlüsse von neuem Denken und Tun mit sich bringen würde. Das wäre mein Herzenswunsch. Von Verschwörungstheorien und Besserwissen halte ich schlichtweg nichts. Ich habe Achtung vor denen, die ehrliche Politik machen. Interessant ist doch, dass in den letzten Wochen einige laute, aufdringliche Stimmen nahezu verstummt sind. Ich könnte auch künftig darauf verzichten…

Also die kleinen Visionen ohne Illusionen.IMG_2888.jpeg

Lasst die Welt noch einen Moment stille stehen!

 

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