Mausig am 1. Mai

Komm lieber Mai und mache… Ja was bitte?

Ich fange mal mit dem 1. Juli vergangenen Jahres an. Gut erholt und gut gelaunt komme ich nach einer 9tägigen Auszeit aus dem Urlaub zurück. Meine damals sechsjährige Enkeltochter und ich wollen das Wiedersehen mit einem Kuchenschmaus feiern. Dafür sollte ein Drittel eines sorgfältig aufbewahrten Tortenbodens herhalten, mit Erdbeeren natürlich. Ich schreite zur Tat und halte eine absolut leere Hülle in der Hand. Nur ein kleines Loch im unteren Papier. Aufschrei: Maus!!! Nein Mäuse!!! – so viel schafft die verfressenste Maus nicht. Die Lebendfalle bringt dann am nächsten Morgen die Bescherung: Die Mama in der Falle und drumherum tanzen, besser hopsen fünf verzweifelte Minimäuse, denen gerade das erste Fell gewachsen ist. Das Bild werde ich nie vergessen. Und das, was dann folgte, auch nicht.

Mir war klar, das das Problem nicht von mir gelöst werden kann. Der Erlöser mit dem wunderschönen Namen Bärenfänger (nicht erfunden) erschien mit den schönen Worten „Oh, das ist ein starker Befall!“ Das Thema Lebendfallen war vergessen, die Tierschützer mögen mir gnädig sein. Nach drei Wochen nahezu täglicher Kammerjäger-Besuche, schien langsam Ruhe einzukehren. Die letzten Spuren in der Wohnung, deuteten auf eine verbliebene unerwünschte Mitbewohnerin, die einfach nicht zu überlisten war. Einer alten Schulfreundin erzählte ich von meinem Abenteuer. Die erinnerte sich dann, dass ihre auf dem Dorf lebende Großmutter einst die Unliebsamen mit Eierlikör überlistete. Besoffene Mäuse, na ja. Ich schnurstracks also zu Edeka und eine Miniflasche von dem Gesöff, das sonst bei mir niemals stattfindet, gekauft. Und siehe da: Die Letzte, die Klügste konnte von meinem Mäusefänger dann zur Belohnung JWD in die Freiheit entlassen werden. Janz weit draußen. Vor dem Haus geht nicht, die Schätzchen finden dorthin zurück, wo es ja gerade ganz gemütlich war.

Diese eine war die letzte von FÜNFZEHN, die meinen Urlaub missbraucht hatten.

Ziemlich genau zehn Monate später. Heute ist der 1. Mai 2020. Ich hoffe, es werden nicht wieder 15. Vor drei Wochen, eines Nachts, ich schlafwandelte zu meiner Wasserflasche um mich für den Rest der Schlafenszeit zu stärken, ein Deja-vu-Erlebnis. Während ich zur Flasche greife schaue ich in die Augen einer „Gemeinen grauen Hausmaus“. Die verfällt zuerst, genau wie ich, in Schockstarre. Dann flüchtet sie und ich kreische.

Alle meine Erfahrungen von vor zehn Monaten nutzen mir von da an so gut wie gar nicht. Die Lebendfalle wurde gründlich ausgeräumt, der Mechanismus umgangen, fünfmal an einem Tag. Das Tierchen flitzt mir inzwischen tagsüber fast über die Füsse. Bärenfänger hilf! Er kam, sah und siegte – zumindest partiell. Wir sind bei Nummer Vier angekommen und meine Wohnzimmerküche immer noch voller Fallen. Und ich nahezu obdachlos, na ja küchenlos. Und Angst besetzt, dass das Schlafzimmer auch noch erobert wird mit dieser Impertinenz.

Fazit:

Interessant ist, dass die diesjährige Mäusesippe offenbar nur im äußersten Notfall nach Weißbrothäppchen mit Nutella schnappt. Sie liebt Äpfel, die im letzten Sommer keine Maus interessierten. Sieben wunderschöne Bioäpfel mußten in den Müll wandern. Sie verschmäht meine Eierlikörreste vom letzten Jahr. Diese Sippe ist also nicht nur besonders intelligent (leere Fallen), sondern auch noch zeitgeistgemäß Vegetarier, Antialkoholiker und gesundheitsbewusst.

Meine Nerven haben ein zweites Mal total gelitten. Dazu muss ich erklären, dass, wenn andere Panikattacken bei Spinnen bekommen, mir das Gleiche bei Mäusen geschieht. Vernunft und Training helfen nicht, ich habe aufgegeben. Ich kann weder lebende noch tote Mäuse entsorgen. Interessanterweise hatten wir zu Familien- und Kinderzeiten auch mal, neben vielem anderen Getier, weiße Mäuse als Haustiere. Die konnte ich in die Hand nehmen und streicheln… Das Phänomen beschäftigt mich weiter. Es hat offenbar etwas mit toten Lebewesen und ungebetenen Eindringlingen zu tun.

Und ich habe, dank Google einiges Interessante über das Sozialverhalten von Mäusen gelernt. Zum Beispiel, dass Mäusemamas sich oft zusammentun, um ihren Nachwuchs groß zu bekommen. Weil die Milchtröpfchen bei oft sechs und mehr Nachkömmlingen kaum reichen. So kam es offenbar zu der FÜNFZEHN im letzten Sommer. Dank meiner Tortenböden hatten sie es erst mal zu Zweit geschafft, ihren Nachwuchs aus dem Gröbsten herauszubekommen.

Wenig tröstlich bleibt, dass ich offenbar jede Menge Leidens-Mitmenschen weltweit habe und die menschliche Intelligenz dem mausigen Instinkt oft nicht gewachsen ist.

Zur Zeit geht es mir mit dem unerwünschten und besonders in der Küche auch ekligen Besuch schlechter als im Sommer. Denn da war ich ständig auf der Flucht ins Sommerland und habe mich nach und nach mit allen fast verloren alten Freunden und Bekannten getroffen und lange geplante und nie gemachte Ausflüge stattfinden lassen. Aber, jetzt ist Corona-Zeit: Ausgehverbot aller Art. Selbst den Trost, dass es zur Not ja auch noch Hotelzimmer gibt, selbst der ist mir versagt…

Mausiges und Corona-Virus und bei beiden kein ein Ende in Sicht. Eigentlich ist schon eins davon zu viel – warum wird mir diese Prüfung auferlegt? Komm lieber Mai und mache…es geht jetzt bei mir ums Überleben…

Dieses Schätzchen lief mir im Herbst auf dem Ku’Damm über den Weg. Ich habe es sofort mitgenommen, aufgehängt und hinterhältig gedacht: Entweder lacht sich das nächste Graufell über das Ballettröckchen tot oder es erschrickt sich ob der Gehenkten zu Tode. Ja aber, denkste… Inzwischen sehe ich doppelt, wenn es um Mäuse geht. Und das ist zweimal zu viel.

 

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