Zu alt für die Welt?

Ich muss noch mal auf das Alter oder besser auf uns Alternde zurück kommen.

Die Wehwehchen nehmen zu. Und das Äußere: Na ja, vieles war schon mal ansehnlicher. Ich sage bewusst nicht schöner. Mir begegnen täglich so viele schöne alte Menschen, rein äußerlich schöne. Natürlich weit entfernt von einer Schönheit, wie sie uns in der Mode und Modelwelt begegnet. Auch die schaue ich mir gern an, sehr gern sogar. Doch die Alten, wir Alten haben etwas zu bieten, das die schönen Jungen nicht haben, noch nicht. Da zeigt sich im Außen oft etwas, was im Inneren gereift ist. Wissen, Erfahrung und vor allem auch Gelassenheit verbinden sich zu einer Schönheit, die genauso ansehenswert ist wie die junge. Finde ich. Das sind nicht nur Ausnahmeerscheinungen, die großer Weisheit entspringen. Ich bin fasziniert davon und schreibe das nicht nur so dahin. Unsere neue Welt, die voller Bilder ist, sollte sich viel öfter auch auf diese Bilder besinnen. Ein bißchen was tut sich da schon, aber eben nur ein bißchen.

Womit ich bei meinem eigentlichen Fragethema bin, dass mich immer wieder sehr bewegt und auch berührt. Was macht die moderne Gesellschaft aus dem Schatz, der ihr mit der 65plus/minus-Generation zur Verfügung steht? Ich glaube, kaum etwas macht sie damit. Die Welt der Ehrenämter ist schön und gut. Mir ist sie zu wenig. Wenn ich den Medien folge, dann geht es um Renten, die die Jungen hart erarbeiten müssen und wahrscheinlich später selbst schlechter dran sind. Da geht es hartnäckig um Pflege und Demenz. Und darum, dass die Alten nun das brauchen, was sie ihren Kindern einst überreichlich haben zukommen lassen: Hingabe, Aufopferung, Verantwortung, nicht vorhandene Zeit. Das mag ja alles dazu gehören. Aber nicht nur und auch nur mehr oder weniger, weil das individuell sehr unterschiedlich bemessen ist.

Seniorenresidenz, Alten- und Pflegeheim lösen nun im Alter Kinderkrippe und Kita ab. Der Staat und die Generationen der Mitte haben zu zahlen. Unter Ächzen. Es reicht hinten und vorn nicht. Dass diese Lebensperiode genauso selbstverständlich ist, wie alle voran gegangenen, erlebe ich beim Lesen, Schauen, Hören der Nachrichten nicht, kaum.

Und noch weniger, was haben denn die Alten und Alternden wirklich der Gesellschaft zu geben, meinetwegen zu bieten? Eine alte Freundin meinte, dass das auch damit zu tun hat, dass heute die Alten nicht mehr zwingend zur Betreuung des Nachwuchses gebraucht werden, da diese Aufgabe nun die Kitas übernehmen . Das ist sicher ein Teil der Wirklichkeit. Sehr individuelle Lebensentwürfe und Großfamilie vereinen sich nicht mehr zwingend. Mal abgesehen davon, dass Großeltern als Babysitter trotzdem noch gefragt sind.

Doch all das, beantwortet meine Frage nicht: Was könnten, müssten die alt Gewordenen wirklich in die Gesellschaft einbringen? Wissen, Erfahrungen, auch Weisheit? Wofür könnte das gut sein? Für klug geschriebene Bücher, Bilanzen der Alten, die gelesen, zur Seite gelegt und wieder vergessen werden? Oder hat es vielleicht etwas damit zu tun, dass dieser Zeit und ihren Menschen die Visionen fehlen, seit langer, langer Zeit? Eine Frage, die mich schon ebenso lange beschäftigt. Denn da könnten sich alle Generationen begegnen. Und nicht in der Frage wer wie am besten betreut wird.

Auf die Kinder und Jugendlichen zu hören, sie genau wahrnehmen in ihren Bedürfnissen und Wünschen und abfragen, was die Alten anzubieten haben, das wäre in meinen Augen eine Verantwortung der mittleren Jahrgänge, die all das zusammen bringen sollten. Respekt und Achtung gegenüber den Jungen und den Alten müsste sich auf diese Weise äußern und könnte zu neuen Qualitäten des Zusammenlebens führen. Ganz neuen.

Kinder bereichern schon allein durch Ihr Sein, aber auch sie brauchen genaues Lauschen, um ihnen den Weg in die Welt gut vorzubereiten. Der Schatz der Alten müsste gefördert, gefordert werden. In beiden Fällen ist Aktivität vor allem der Nichtbetroffenen gefragt. Es könnte hilfreich sein. Doch müssten wir ihn, diesen Schatz erst einmal entdecken. Ich schreibe bewusst wir.

Ganz ketzerisch und ein bißchen böse: Für mich ist der Wunsch nicht denkbar, dass die Kleinen zur Entlastung möglichst schnell selbständig werden und die Alten, doch bitte rechtzeitig sich davon machen mögen. Jetzt werde ich drastisch und so meine ich es auch nicht unbedingt, aber unterschwellig erlebe ich schon einen Gestus, der irgendwie dort in der Nähe zu Hause ist. Kaum bewusst bei den meisten… Ich denke, alle Generationen sollten so bewusst wie möglich diese Welt mit gestalten. Erst dann kann es gut werden und sich neue Horizonte auftun. Die Zeit ist reif dafür.

Ganz praktisch finde ich zum Beispiel, dass der über das Maß anstrengende Job des Politik-Machens der mittleren Generation überlassen werden sollte. Aber die Alten sollten in aller Konsequenz beratend dabei sein, einbringen, was ihre Ernte eines langen Lebens ist. Und sie könnten auch ganz gut vermitteln für die Heranwachsenden deren Stimme ebenso zählen muss.

Es geht mir nicht um Aktionen, aber um Prozesse, die in Gang gebracht werden können, ein Schritt nach dem anderen.

P

Perspektiven – wir brauchen sie, nicht nur als Individuen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: