Wohlfühl-Sommer und Irritation

So darf’s bleiben. Gern bis zum nächsten August. Der Hitze-Shutdown tut gut, auch wenn die ersten braunen Blätter schon jetzt unter den Füßen knistern.

Ansonsten Irritation. Verstörung. Ich selbst ein großes Fragezeichen. Schlingensief. Der Dokumentarfilm über ihn. Ein Durcheinander im Kopf hat er angerichtet. Ich habe seine Jeanne d’Arc in der Deutschen Oper, Bilder vom Parsifal in der Wagner-Hochburg gesehen, viel im Fernsehen, manches gehört über ihn. Und das Operndorf Burkina Faso, das weiter entsteht, langsam wie eine Schnecke, so wie sie im Grundriss verewigt ist. Es soll werden und wird werden, das Anti-Bayreuth. Das hat mich am meisten fasziniert.

Aber seine Kunst verstört mich. Ein Beuys in unserer Zeit und auf den Theater- und Opernbühnen unterwegs? Ich versuche zu strukturieren, was ich erlebt habe auf der großen Leinwand. Es will nicht gelingen. Wenn er über sich und sein Welt- und Kunstverständnis erzählt, ist er der Typ des Traumschwiegersohns, emphatisch, er sagt das Verrückteste auf liebenswerte Weise, gut aussehend ist er auch noch – und von einer berührenden Heiterkeit. Er stellt die Welt in Frage, will aufmischen. Will einen Blick auf diese Welt werfen, mit dem er das Chaos darin noch mehr chaotisiert. Da sie so ist wie sie ist, bin ich mit ihm durchaus konform. Den Wagner-Olymp mit einem irren „Parsifal“ aufzumischen , das ist für mich absolut sympathisch. Es geht ihm wohl um das Festgefahrene, eigentlich kaum Aushaltbare, was aber trotzdem von den meisten gut ausgehalten wird. Ich glaube, genau darum scheint es ihm zu gehen. In einem Filmausschnitt nach der Aufführung lächelt Frau Merkel. Wie mir schien, kam es von innen, war nicht unbedingt medienkonform.

Also, Christoph Schlingensief, wer weiß was die Altersweisheit aus ihm herausgelockt hätte. Im August vor zehn Jahren, 49 Jahre jung, ist er gestorben. An Krebs. Wer derart chaotisiert, dessen Immunsystem spielt dann womöglich auch verrückt. So ein Satz in etwa kam auch von ihm selbst im Film.

Wie schade, dass er nicht mehr direkt mitmischt. Ich lass mich ziemlich gern irritieren… Der Titel des Films „Schlingensief – in das Schweigen hineinschreien“ und gut zwei Stunden lang.

Also, mutig war er ganz bestimmt. Und er ist sich treu geblieben. Auf den allerersten Blick – soweit zu den Tugenden.

 

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