Jüngst in Worpswede

Ein gewaltiger Stein in der Mitte von Worpswede, Bernhard Hoetger hat ihn zurecht gemeißelt. Er fesselt mich, na ja er hat mit mir zu tun. Es ist die „Wut“, die mich da mit Brachialgewalt anspringt. Ein verknotetes Etwas, ein Mensch. Wirklich zum Fürchten.

Ich hoffe nur, ganz so schlimm hat mich keiner in meiner Wut erlebt. Ansonsten, lasst Gnade walten. Ich kann ganz schön wütend werden. In der Regel dann, wenn ich Ungerechtigkeit erlebe – egal ob sie mich oder andere betrifft. Aber auch im Großen und Ganzen, immer dann wenn Macht, Gier und Geld das Handeln bestimmen und (Mit)menschlichkeit aufs Nebengleis gerät oder ganz verschwindet.

Was könnte die Wut erlösen? Wenn ich auf meine ratgebenden zwölf Tugenden schaue, dann dürfte es die Milde sein. Ins Heute-Deutsch übersetzt könnten wir etwa von Güte sprechen. Aber das alte Wort Milde scheint mir hier viel besser zu passen. So im Sinne „lass Milde walten, wenn da auch etwas nicht in Ordnung war“. Mit dem Wort Güte scheint mir der Satz nicht so stimmig zu sein. Mit Milde der Wut begegnen und sie so zu dimmen, dass Mitmenschlichkeit möglich bleibt.

Ob sich der gewaltige Stein mit Milde erlösen lässt?

Jedenfalls hat er etwas in mir angeregt.

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