Die unsichtbare Burka

Es ist total verrückt: Eine Burka macht eine Frau nahezu unsichtbar. Sie selbst aber ist als Verhüllung-Instrumentarium gut sichtbar. Sie berührt uns – sehr unterschiedlich.

Es ist noch verrückter: Manchmal möchte ich mich in so ein Stück Stoff, ich sage bewusst nicht Kleidungsstück, hüllen. Unerkannt unter Menschen wandeln. Sehen und selbst nicht gesehen werden, ein bißchen ein Tarnkappen-Effekt. Doch wann und ob ich es tun würde, das entscheide ich selbst. Darin liegt der gravierende Unterschied. Denn normalerweise, wenn mir eine so verhüllte Menschin begegnet, erlebe ich durchdringendes Unbehagen, ein innerer Aufschrei. Trotzdem, kann sein, dass die Frau darin die Burka freiwillig und sogar gern trägt. Kann sein…

Jüngst in einem Gespräch mit einer Freundin über Frauen und weibliches Sein in unserer Gesellschaft, da kam mir das Bild der Burka in den Sinn. Die Frage war, warum sich Männer immer wieder besser zeigen und präsentieren können. Sie werden mehr im Sozialen und im gesellschaftlichen Kontext gesehen und gehört und profitieren davon reichlich. Dass es so ist, darüber waren wir uns einig. Wir hatten genügend eigenes Erleben aus langen Berufsjahren zur Hand.

Dass die jahrhundertalte Männerherrschaft wohl noch vieeeel Zeit braucht, um aus den Strukturen und Köpfen zu verschwinden, ist nur die eine Seite der Medaille. Doch da kam die Burka in den Sinn und die andere Seite der Medaille. Frauen sind auch ohne diese Ganzkörperbedeckung weltweit oft (fast) unsichtbar. Machen sie sich eventuell unsichtbar, auch ohne Burka? Freiwillig, unfreiwillig? Unbewusst?

Erklärungsversuche: Frauen leben weniger aus dem Präsenzwillen oder einem Machtbedürfnis heraus. Sie wägen mehr ab, leben stärker mit dem Sowohlalsauch. Daraus entsteht zwangsläufig mehr Zurückhaltung, die möglicherweise fast bis zur Unsichtbarkeit führt. Die unsichtbare Burka eben.

Währenddessen setzen sich die männlichen „Selbstdarsteller“ selbstverständlich in Szene. Es ist ihr Naturell. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Beides ist für mich keine Wertung, ich versuche so gut es geht, objektiv zu beschreiben.

Jedoch braucht unsere Gesellschaft beide Qualitäten dringend. Das Weibliche und das Männliche. Ein Widerspruch in sich. Wie könnten sich künftig das im Weiblichen stärker lebende allzu Menschliche, die Mühe um Wahrhaftigkeit und Empathie besser behaupten? Wie liesse sich die unfreiwillige Burka nachhaltig ablegen?

Wir kamen im Gespräch auch auf die Vorzüge männlicher Fähigkeiten. Männer sind oft klarer (auch, wenn genau hingeschaut, nichts klar ist). Aber Klarheit besitzt eine ziemliche Verführungskraft. Sie gründet sich in der Sehnsucht nach dem Wissenden, auch nach dem Guru, der einfach zu sagen weiß, wo es lang geht. Doch nichts ist einfach, das wäre meine Gewißheit.

Und sie sind strukturierter, die Männer. Auch das nimmt eher ein. Männer haben meist einen deutlichen Willen zur Macht, auch zum Tun, zum Gestalten, während Frauen oft im Wenn und Aber verschwinden. Da wäre sie wieder, die Burka, in diesem Fall ein nebeliger Schleier.

Quoten sind aus dieser Perspektive für mich nicht das Schlechteste, weil sie eben diese objektiven Unterschiede etwas ausgleichen können, ein Gleichgewicht organisieren, das eben nicht von allein entsteht.

Was wäre noch zu tun, was könnten wir Frauen tun, was anders machen? Die besseren Männer werden, dürfte nicht die Antwort sein – glaube ich.

Na ja, zu allererst ein Bewusstsein davon zu entwickeln und die Burka, wenn überhaupt, bewusster einsetzen.

Und überhaupt, Machtwille und hohes Verantwortungsbewusstsein müssen ein unzertrennliches Paar werden…

Die gleiche Farbe…zufällig entdeckt…zum Thema weiblich, männlich

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