Verführt, verlockt, verraten

Es ist simpler als es klingt. Die Frühlings-Sonnenstrahlen locken, verführen…endlich! Und ich bin gnadenlos verraten. Knallrote Augen, das Gehirn upside down und gleichzeitig im Narkosezustand. Die uralten Platanen vorm Fenster haben es mir sozusagen mit dem Holzhammer gegeben. Zarte Pollen mit großer und weiter Streukraft haben mich in diesen Zustand versetzt. Einem Zustand, der einem gekonnt gesetzten Knockout entspricht. Nicht schlecht. Ich spreche von Heuschnupfen, Allergie.

So heißt die bescheuerte Angelegenheit, mit der ich mich mein Leben lang auseinandersetzen muß. Kleine Chemiekeulen helfen. Das Theater wird aushaltbar. Aber wehe, ein Viertelstündchen zu spät geschluckt, beginnt der Spuk von Neuem. Und das über Wochen und Monate. Jedes Jahr. Die Wiesenblumen lösen die Platanen ab. Dann folgen bald Roggen und Co.

Ich bin bockig. Ich will mich von Frau Natura nicht ausgrenzen lassen. Denn ich liebe sie: die wunderschönen Platanen mit ihren verwunschenen Stämmen, die berückenden Blumenwiesen, die mächtigen Getreidefelder. Ich liebe ihre Schönheit, ihre rätselhafte Zauberkraft, ihre Unbezwingbarkeit. Ihre Farben.

Aber mein Immunsystem spielt verrückt, kämpft mit denen, die ich gern zu Freunden hätte. Was ist das? Fängt das Wesen des Menschen vielleicht irgendwann immer an, das zu bekämpfen, was es zu sehr liebt? Warum? Um sich zu schützen vor dem Ausgeliefertsein, das jede große Liebe mit sich bringt? Ist es ein Zwang, eigene Grenzen zeigen zu müssen? Dummerweise halten genau diese Kräfte mich selbst nieder. Und nehmen mir damit etwas Wichtiges.

Es gab für mich mal eine kurze krankheitsbedingte Pause von diesem Dilemma. Wie habe ich es genossen, auf einer Sommerwiese zu liegen!!! Es war ein unglaubliches Gefühl, eine Kostbarkeit. Ob ich es genauso intensiv erlebt hätte, ohne den sonst üblichen Zwangsentzug? Einen Zwangsentzug, den auch Medikamente nicht wirklich verhindern können.

Oder auch andersherum: Braucht der Mensch den Verzicht, um genießen und schätzen zu können, um dankbar zu sein für das, was ihm geschenkt wird.

Ich wollte mal die aktuelle Situation einfach nicht beachten, aber irgendwie passt es nun doch gerade wieder. Ich glaube unser Dasein hat klare geometrische Formen und Linien – doch drunter und drüber liegt das Chaos, menschengemacht…menschengerecht?

Platanen, uralt und geheimnisvoll

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: