Wer ein Schiff bauen will…

…muss Sehnsucht nach dem Meer haben. Worte, die immer wieder in meinem Kopf herumgeistern.* Gerade jetzt, wo Politiker mit der Wahl mal wieder das Thema Schule entdeckt haben.

Es geht in den Diskussionen stets um ein Einheitsabitur, um Zensuren, Prüfungen und – na ja auch um herunter gekommene Schulhäuser. Doch woher kommen Sehnsüchte, die zum Schiffe bauen verführen? Sollten Schulen nicht all die Sehnsüchte bei unserem Nachwuchs wecken? Damit er Lust bekommt, Dinge zu erfinden, die das Leben einfacher und schöner machen, Sehnsüchte nach mehr (Mit)Menschlichkeit und Miteinander… Sehnsüchte, die von einer großen Neugier inspiriert sind…und von Leidenschaft.

Ich glaube, daß es nicht sinnvoll ist, die Köpfe mit immer mehr Wissen voll zu stopfen. Wissen, das oft genug schnell wieder vergessen ist, wenn die Prüfungen vorbei sind. Im Gegenteil, ich bin mir sicher, dass die heutige Art zu lernen, eher Hirne und Herzen blockiert. Mit wieviel wirklichkeitsnahen und auch -fernen Träumen und Sehnsüchten verlassen unsere Kinder die Schule? Und wer fragt sie überhaupt danach und ermutigt, in dieser Richtung zu suchen?

Wer baut die wirklich neuen Fahrzeuge, Raketen, Schiffe der Zukunft? Wer will im Beruf soziale Sehnsüchte verwirklichen und definiert das als sein Lebensziel? Nicht gegen das Bestehende, sondern für das Kommende, unsere Zukunft.

Wir – die Gesellschaft, die Wirtschaft – haben inzwischen mehr als ausreichend Ressourcen, um Sehnsüchten folgen zu können.

Wer in einem der ärmsten Länder Afrikas anfängt, eine Opernbühne aufzubauen, der tut genau das und reißt andere mit. Wer hilft, immer preiswertere Raketenantriebe zu entwickeln, will unsere Welt größer werden lassen und folgt seinem Kindheits-Traum vom friedlichen Leben im Weltall. Wer immer perfektere Computer entwickelt, die für jeden leicht händelbar sind und dabei auch noch besessen darauf besteht, dass sie schön und elegant sind, der lebt eine Sehnsucht, die er mit vielen teilen kann. Und der Alltag gibt diesen Menschen einfach Recht. Ich denke an Christoph Schlingensief, Elon Musk, Steve Jobs. Nur einer von ihnen lebt noch unter uns, Musk. Aber sie haben etwas gemeinsam: ihre herrliche Verrücktheit, ihre äußerst produktive Verrücktheit, die sie auf ihrem Weg gehalten hat und hält. Genau damit haben sie ihre „Schiffe“ gebaut und sie aufs „Meer“ gebracht.

Fasziniert hat mich jüngst in der RBB-Abendschau eine streikende Krankenschwester, die erklärte das es ihr um eine gerechte Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen gehe. Aber, sie liebe ihren Beruf und wolle auch nichts anderes tun. Sie strahlte aus, was sie sagte!

Ein gutes Allgemeinwissen ist wichtig, doch das reicht bei weitem nicht, um Visionen leben zu lernen.

Worüber also sollte nachgedacht werden, wenn es um Schulen und damit um die junge Generation geht? Um verschärfte Prüfungen oder um den Boden auf dem Sehnsüchte gedeihen? So, dass es spannend wird, unser Zukunftsschiff zu besteigen.

*(Tut mir leid, die Quelle der mich faszinierenden Worte kenne ich nicht.)

Ein Vierjähriger malt sein Zukunftsauto: „Sehr viel Platz auf dem Dach fürs Urlaubsgepäck und nicht nur Räder, sondern auch noch Ketten, um überall fahren zu können.“ Das farbenfrohe Gefährt lässt gute Laune aufkommen. So etwa könnte alles anfangen, wenn nicht Zensuren und Prüfungen vorher alle Keime von Begeisterung ersticken.

2 Kommentare zu „Wer ein Schiff bauen will…

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