Ostwestlich (6)

Das Neue Jahr hat schon einen halben Monat auf dem Buckel und ich habe immer noch keine Lust nachzudenken. Gleich gar nicht über Ostwestlich, über Corona und all den blöden Alltagskram.

Stattdessen flüchte ich zu den Bildern in der Alten Nationalgalerie, freue mich an der Innenarchitektur und ihren wunderbaren Perspektiven – die Innen und die nach Außen. Der Blick geht gen Osten. Und dort steht jetzt ein neues Schloß statt des Palastes der Republik statt des alten Wilhelminischen Stadtschlosses.

Das Gebäude verwirrt mich immer wieder. Was ist das eigentlich?

Ein Schloß und doch kein Schloß, der alte Prachteingang neben der neuen U-Bahnstation Museumsinsel.

Eine gnadenlos kahle Fassade zur Spree.

Unglaubliche Höhenerlebnisse wenn man erst drin ist.

Viele alte Skulpturen, viele alte Ornamente und Bauelemente, nachempfunden nach den alten Vorbildern.

Ziemlich schöne Räumlichkeiten für Museen und Ausstellungen – gut versteckt.

Mit dem Besuch aus Amerika brauche ich eine kleine Verschnaufpause. Doch die Foyerbistros sind am Sonntag geschlossen. Dafür das Dachrestaurant ungemütlichst überfüllt. Als Entschädigung ein neuer Berlin-Rundblick von der Dachterrasse im Januarnebel.

Meine Zerrissenheit bleibt, trotz inzwischen mehrerer Anläufe.

Wahrscheinlich ist das gut gemeinte Konzept, vielerlei Wünsche unter ein Dach zu bringen, der Haken an dem Unternehmen. Die einen wollten ihr Schloß wieder, die anderen demonstrierten für einen Palast der Republik – und dann sollte es etwas ganz Neues, Besonderes, Völker- und Religionsverbindendes werden. Die Anfechtungen wurden in den letzten Monaten ganz real: Jetzt soll aus eben diesen Gründen die christliche Inschrift auf dem Kuppelband ausgetauscht werden. Das Kreuz auf der Kuppel jedoch hat erst mal gesiegt. Vielleicht braucht dieser Palast einfach einige Jahre, Jahrzehnte, um mit der Welt zu verwachsen, in die er hineingesetzt wurde.

Ich spiele mal weiter mit dem quarantäniierten Enkelkind per Livestream „Stadt, Name, Land“ und staune, was die Drittklässlerin so alles kann und weiß – trotz der drei Jahre Schulstolpern.

Ostwestlich wird es demnächst mal wieder mehr.

Woran sich meine Augen weiden können…

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