Der Kopf, der Magen, der Darm, die Taschen – alles leer.
Selbst die Phantasie spaziert im Leeren.
Doch vor meinem Fenster seit Tagen eine große strahlende Esche in sommerlicher Prächtigkeit. SIE füllt meine Leere.

Bewegtes
Der Kopf, der Magen, der Darm, die Taschen – alles leer.
Selbst die Phantasie spaziert im Leeren.
Doch vor meinem Fenster seit Tagen eine große strahlende Esche in sommerlicher Prächtigkeit. SIE füllt meine Leere.

Kann sein, dass ein paar Beiträge der letzten Zeit eine Dopplung erfahren haben. Im Entwurfsordner erschienen plötzlich Blogs, von denen ich sicher war, sie veröffentlicht zu haben. Wahrscheinlich: Mein Uralt-Laptop hatte sich plötzlich unwiderruflich verabschiedet. Kann sein, dass da einiges on air geholpert hat. Das wäre dann mein Beitrag zum beliebten Thema KI….(Künstliche Intelligenz – für die, die nicht ständig in den Medien unterwegs und das virale Kürzel lesen.)

CHAOS-TIME
Ich bin sauer: Die zweite Erdbeerschale ist zur Hälfte ungenießbar. Ich öffne den Kühlschrank und in der 2. Etage schwimmt alles in Sahne. Die umherstehenden ökologisch wertvollen Pappschalen sind…Matschepampe. Wie auch die Erdbeeren. Alles Matschepampe. Ich fange an zu grinsen – innerlich und äußerlich.
Ich liebe dieses Nichtwort. Es ist so herrlich lautmalerisch klangvoll, ausdrucksstark – anfassbar. Ich sehe, erlebe, spüre beim Aussprechen die Matschepampe. Schade, dass derartige Erdbeeren nicht schmecken. Eigentlich hätte ich sie wenigstens genüsslich in den Händen zerquetschen sollen. Kleine Kinder tun so etwas spontan. Denen ist noch nicht der Kopf im Weg. Sie begegnen der Welt mit allen Sinnen und ergreifen sie buchstäblich.
Eine Szene hat sich mir bildhaft eingeprägt. Es hat ziemlich heftig geregnet und nieselt immer noch leise vor sich hin. Der Waldboden des Kindergartens ist gründlich aufgeweicht. Vor mir auf dem Boden liegen bäuchlings zwei Knaben, intensivst hingebungsvoll mit einem Schlammloch beschäftigt. Die Beschreibung der Kinder überlasse ich der individuellen Phantasie… Mich hat der Anblick glücklich gemacht. Sie durften! Kein Gemecker, keine Verbote. Also, Matschepampe kann beglücken.
Unten auf der Wiese singt gerade jemand zur Gitarre. Mir gefällt die Begleitmusik beim Schreiben. Vielleicht denkt sich mal jemand einen Matschepampe-Song aus. Das Wort allein ist doch schon Musik.
PS: Nachgeguckt im Netz: „In unserer Datenbank wurden für das Wort Matschepampe noch keine Synonyme hinterlegt.“ Okay. Dafür erreichen mich per Googelei diverse Rezepte mit diesem ausdrucksstarken Wortgebilde betitelt.


Ich stelle mir vor:
Zwanzig Menschen in einem großen Raum. Jede/r hat einen Knopf im Ohr. Jede/r hört sein Lied. Das Lied seiner Augenblicks-Stimmung. Und tanzt…
Ich glaube, das könnte ein großartiges Erlebnis werden.
Wer macht mit?

Es gibt Tage zum Davonlaufen. Manchmal wird auch eine Woche daraus. Dann fällt es schwer, die Regenbögen zu sehen und dem Wechselbad der Gefühle stand zu halten. Doch es gibt sie, auch wenn es Anstrengung kostet, mich darauf einzulassen.
Es begann Gestern Abend. Die Zehnjährige ist zu Besuch. Wir vertrödeln den lauen, schon ziemlich sommerlichen Abend auf dem Balkon beim Abendessen und Musikhören. Ich bin verblüfft, wie sich unser Musikgeschmack ähnelt. Sie fragt ab: Kennst du das und das und das? Vieles davon kenne ich. Die kleine Grazie fängt an zu tanzen. Als wir endlich im Bett liegen, tanzt plötzlich im Dämmerlicht eine Gestalt neben mir auf der Matratze. Die Musik dazu wird aus diesem kleinen Multitalent, das ich gerade zum Schreiben benutze, gezaubert. Ein wundersamer Moment, der vielleicht eine Viertelstunde in die Dunkelheit hinein andauert. Ich bin wieder hellwach und genieße…
Irgendwann ist das Kind dann tief und fest eingeschlafen, während ich in eine schlaflose Nacht hinein meditiere. Doch auch die geht vorbei. Und nach dem Frühstück geht der Tanz auf dem Balkon weiter.
Zwei, drei Stunden später freue ich mich -!wieder allein – auf ein ausgiebiges Schwimmen in der Stille des ringsum bewaldeten Sees. Ich genieße es auch. Aber aus der Stille wird nichts. Der vertraute Strand ist blockiert von Menschenmengen mit blaugelben Fahnen, die in stimmgewaltigen Sprechchören, das Ende des Krieges einfordern. Zumindest habe ich es so verstanden. Ich hoffe nur, dass die Kraft der Gedanken, die Wünsche dorthin trägt, wo sie gehört werden müssen. Das macht die Lautstärke in der Mitte des Sees erträglicher.
Und ich frage mich, ob es mir zusteht, im Augenblick dieses Stück unerträglicher Wirklichkeit ausblenden zu wollen. Frieden zu suchen, wenn nicht weit weg Menschen sterben, getoetet von Waffen mit futuristischen und fast romantischen Namen, die auch in Deutschland hergestellt werden. Die aber kaum ein Kriegsende herbeiführen werden. Dazu braucht es, bin ich mir sicher, ganz andere Kräfte……
Später in der S-Bahn um mich herum , wie immer, viele russisch klingende Laute. Aber auch spanische und englische. Ich komme ohne die Betriebsstoerungen vom Morgen schnell nach Hause. Unten im Park spielen junge Mädchen in pastellfarbenen bodenlangen Gewändern und weißen Kopfverhuellungen Fangen. Die eine bekommt den weißen Schal ihrer Freundin zu fassen, der sich etwas aufdröselt und schnell wieder zurecht gerückt ist…es sieht wie ein Tanz aus. Eine große freundliche Picknickrunde auf der Wiese bietet arabische Optik und Laute. Ich bin wieder in Gedanken bei der tanzenden Enkelmaus.
Das Wechselbad der Gefühle hört nicht auf. Und die Spannung in mir auch nicht.
Das ist alles Berlin und ist heute und das bin ich mit meiner Geschichte.

Als ich am Abend die Unterlagen für die bevorstehende OP lese, fällt es mir schon wieder schwer, den Zauber der Regenbogenmomente herbei zu rufen. Dieses Mal wird die Versehrtheit sichtbar werden. Gegen diesen Schmerz komme ich kaum an. Ich halte optische Dissonanzen schon immer schlecht aus.
Ich denke immer wieder mal darüber nach, was Diplomatie eigentlich ist. Mir wurde und wird Diplomatie immer als erringenswerte Fähigkeit gepriesen. Ich hadere mit mir, weil mir dann andere Gedanken kommen. Ist ein Diplomat nicht so eine Mischung aus Schlitzohr, Ganove und Edler Ritter? Im besten Fall ein genialer Mix daraus. So oder so. Ich mag das nicht. Ich kann und könnte das nicht.
Jedenfalls werde ich wohl doch bei meinem Mix bleiben: realistisch, idealistisch verbunden mit einer guten Portion Naivität. Also: Nicht besonders tauglich für den Alltag in dieser Welt.

Auf dem Balkon sein.
Die wärmende Sonne im Gesicht.
Rings um mich ein Frühlingsblumenmeer.
Im Farbenrausch versinken.
Nichts muss heute sein, alles kann.

Das Frühstück genießen.
Der Kaffee ist köstlich.
Zum Abschluss ein Stück vom augenblichen Lieblingskaese naschen…
…und einen Blick über die Balkonbruestung auf die bruetenden Schwäne werfen.
Drinnen wartet ein Tablett voller Farben.
Ich werde anfangen.

Mich als notorischen Stadtmenschen zieht es immer wieder ans Meer. Ich liebe den Geruch, der schon einige Kilometer vorher durch‘s Auto- oder Zugfenster weht. Ich liebe die Weite, wenn ich dann endlich am Meer stehe. Scheinbare Unendlichkeit erspüren, Weite, die Freiheit verspricht. Wohlfühl-Gefühle!
Vor unglaublichen Bergpanoramen stehe ich nur fasziniert. Ich will da nicht näher hin. Ich drehe mich um und gehe in die andere Richtung. Sie sind mir unheimlich, bedrückend, nur Ehrfurcht gebietend. Ich kann schlecht mit Autoritäten umgehen, mit den Selbsternannten oder denen, die es Kraft ihrer Position sein wollen.
Ja klar, das Meer hat es auch in sich. Ich habe großen Respekt vor ihm. Das aber hindert mich nicht daran, in Wohlfuehlmomenten weit hinaus zu schwimmen. Es öffnet mich, stimmt mich milde, weitet mir Herz und Seele. Vor riesigen Bergen fühle ich mich verloren. Das Meer ist meine seelische Heimat, genau genommen auch meine geistige.
Ich denke, dass es Berg- und Meermenschen gibt. So wie es Cat- und Dogpeople gibt. Katzen können das Gehorchen nicht, sie sind eigenwillig, stolz und unendlich verspielt, sie sind charmant und immer etwas unberechenbar.
Ich fange gerade an zu spinnen, was Meer und Katzen wohl gemeinsam haben. Obwohl – eine Katze am Meer habe ich noch nicht erlebt. Hunde schon….

„OOOOH! Ist das schön!“ So ganz spontan, der Ausruf der Zehnjährigen. Gerade war sie noch etwas nörgelig nach der langen und umständlichen Fahrerei. Ein wenig darüber hinweg half bereits die „beste Schokolade, die ich bisher getrunken habe“. Doch draußen blieb es dann weiter kalt und feucht.
Plötzlich der sattgrüne Hügel mit den weißen Skulpturen mitten im Park. Ich zeige auf den Wiesenhang bergauf. Wollen wir? Sie sorgt sich: Schaffst du das? Und sprintet bergauf. Ich will mir nichts beweisen, aber wissen will ich, ob es geht. Beidseitig eher ein sportliches Unterfangen. Wenn auch unterschiedlich motiviert. Wir schaffen beide unser Ziel. Dann stehen wir oben und schauen rundum in die noch stille Parklandschaft es folgt der zitierte Ausruf.
Ich freue mich. Wann staunt ein Kind schon noch über so etwas Naheliegendes? Staunt in unserem gesättigten, übersättigten Alltag. Einem Alltag, in dem es von allem meist etwas zu viel gibt. Das Zuwenig hat am ehesten mit Zeit zu tun. Mit Zeit für Nähe, Zeit zum Innehalten und Besinnen und eben auch zum Schauen.
Der Himmel bleibt an diesem Apriltag grau, es nieselt immer wieder. Doch der Funke ist übergesprungen. Von nun an machen wir uns gegenseitig auf Blumenschönheiten in den riesigen Tulpenbeeten aufmerksam, auf Frühlingsbäume, die sich allmählich entfalten. Das Fotografierauge hilft dabei und steigert die Entdeckerfreude.
Am Ende kommt eine lange Liste zusammen, weshalb wir unbedingt noch einmal die umständliche Fahrerei auf uns nehmen wollen.
Ein gelungener grauer, kalter Frühlingstag.

Von Oben…
Dieser Text entstand nach einem Gespräch, bei dem ich wieder mal das Gefühl hatte, mich bei diesem Thema kaum verständlich machen zu können. Allerdings, wenn ich die Zeilen jetzt noch einmal lese, scheint mir, dass ich es nur sehr begrenzt klarer hinbekommen habe. Aber, das Thema bewegt mich sehr, um nicht zu sagen, dass es mich ziemlich aufwühlt. Deshalb möchte ich trotzdem diese vor kurzem aufgeschriebenen Gedanken teilen. Ich versuche, mich weiter zu sortieren, um es demnächst besser rüber zu bringen.
Liebe X., …die letzten 24 Stunden, wieder zu Hause und wieder mehr bei mir, spukte dann das Ost-West-Thema noch mal in meinem Kopf herum. Jetzt kann ich auch, glaube ich, ein bisschen besser vermitteln, was ich sagen wollte: Das Thema bedrängt mich, weil es um Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit geht. Damit verbunden aber auch um viele große und kleine Ungerechtigkeiten. Vieles ist wie es (geworden) ist und nicht zu ändern. Manches wäre moeglicherweise zu ändern, wenn erst mal ein Bewusstsein dafür entsteht. Allein schon mit diesem Bewusstsein wäre eine Menge gewonnen. Deshalb möchte ich darüber ins Gespräch kommen.
Das Nicht-Gesehen-Werden, wie Du es genannt hast, spielt da auch mit hinein. Aber vor allem in einer größeren Dimension. Im Kleinen ist es natürlich auch mein persönliches Problem. Aber ich habe längst meinen Frieden damit gemacht, mich arrangiert und mich notwendigerweise auch angepasst- sehr bewusst. Was sich oft nicht besonders gut anfühlt, weil ich von meinem Wesen her zu Klarheit und Direktheit neige. Das ist allerdings der Punkt, wo ich oft auch schnell ungewollt verletzend werden kann.
Aber da wäre ich im Bereich von Psychologie und eben auch der Biografiearbeit angekommen. Ich glaube, dass Biografiearbeit in unserem Land, dass aus zwei sehr unterschiedlichen Staaten gewachsen ist, eine Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Realität in Vergangenheit und Gegenwart dringend erfordert. Sonst bleibt es bei einer Vereinnahmung der einen Seite durch die andere. In alten Zeiten haben die Sieger die Besiegten oft in großer Zahl umgebracht und völlig unterworfen. Sie wussten, denke ich, genau warum sie es taten. Das ist erfreulicherweise nicht passiert und ja eigentlich nicht mehr zeitgemäß. Aber es passiert auf andere Weise durch massive Ignoranz der Wirklichkeit der Besiegten, ihrer Geschichte bis heute. Außerdem möchte ich zu bedenken geben, ging der Aufbruch und Ausbruch aus dem System von der am Ende dann vereinnahmten Seite aus, vom Osten, der einstigen DDR.
Und die nun wieder hatte viele, viel mehr Facetten als gemeinhin bis heute sichtbar geworden ist und wird.
Sorry, jetzt höre ich auf, es sollte kurz werden – jetzt bin ich langsam im Romanbereich angekommen.

„Im Vakuum verschwinden“ hatte ich dazu im April 2020 geschrieben