Verhaltener Mai

Kuckucksrufe, Nachtigallentöne, üppiges sattes Grün und immer wieder kalter Ostwind. Dieser Mai gibt sich verhalten. Die Lust an dieser Jahreszeit will sich nicht so recht einstellen. Alles fühlt sich zwiespältig an. Corona zieht sich zurück und doch ist sie bei jedem Schritt nach draußen allgegenwärtig. Maskenmenschen. Abstandsdenken. Einfach nur vernünftig? Oder eher gut angepasst? Was für mich deutlich wird: Die nächsten Schritte in dieser  eigenartigen Zeit müssten schnell immer mehr  individualisiert werden. Das würde es nicht leichter machen, aber lebbarer. Wenn auch: Klare Ansagen von oben sind einfacher zu überschauen. Meine Wunschvariante, individuelle verantwortungsvolle Lösungen, erfordert recht intensives Mitdenken und eine sehr persönliche Entscheidungsfreude. No risk geht sowieso nicht, nie. Das Leben bleibt riskant. Doch so wie es jetzt stattfindet ist es schonend ausgedrückt ungemütlich.

Für die großen Visionen ist die Zeit sicher noch nicht reif. Aber vielleicht ist den letzten Wochen so etwas wie Humus entstanden, der gute Kräfte und neues Wachstum ermöglicht.

Ich frage mich gerade, wie ich mir die Großstadt wünschen würde.

Ich genieße es jetzt noch, entspannt durch die Mitten von Berlin zu bummeln.  Dem vielen interessanten Alten, ja faszinierenden in Gestalt von Bauwerken zu begegnen. Ich genieße viele ruhige Momente zum Schauen, zum Erleben auf leeren Straßen. Die Natur hat sich Raum genommen. Die riesigen Bäume betten ein, was vor so etwa 200 Jahren plus/minus auf dem sandigen Boden verewigt wurde. Dom und Lustgarten, die Museen, die Humboldt-Universität … Zwischendurch die Spree… uralt alles und doch irgendwie lebendig. Altneu das Schloß, das mit einer kupfernen Kuppel für sich wirbt. Da war mal der Palast der Republik…

Was haben wir dem Alten an Beständigem hinzuzufügen? Das neue Berliner Regierungsviertel aus einer ganz neuen deutschen Zeit mit dem Kanzler-„Bunker“. Für mich hat es eine freundliche Leichte. Doch ist das alles? Die Menschheit heute, müsste doch auch etwas  mehr Sichtbares hinterlassen. Oder ist es das eher Unsichtbare: Zum Beispiel die sozialen Grenzen, die nie so fließend waren wie heute. Mehr oder weniger Sicherheit für die meisten. Ein fürsorglicher Staat, der nicht perfekt ist, aber vieles ermöglicht. Da ginge bestimmt noch mehr, zum Beispiel mit einem Grundeinkommen…ein Weg zu mehr Freiheit.

Aber ich würde mir in einer künftigen Stadt auch neue, inspirierende Bauten wünschen, die die Generationen überleben. Weniger klein, klein, aber dafür viele offene Innen- und Außenräume an schönen Plätzen, wo Menschen sich begegnen und gar nicht anders können als miteinander zu reden. Architekten, die ihre Ideen zur Freude aller verwirklichen dürfen, das wünschte ich mir. Noch mehr Grün und Orte drin und draußen, die zum Verweilen und zur Ruhe einladen. Es darf überall Theater gespielt werden, getanzt, gesungen werden, ganz selbstverständlich…nur das allgegenwärtige laute Kreischen darf für mich gern wegbleiben. Und die eskalierenden Touristenströme. Ja, es ist schön, wenn Menschen sich auf den Weg machen, um andere Welten zu erkunden. Doch mit dem Foto-Apparat von einem Highlight zum anderen, fast schon zu rennen, in großen Gruppen… Auch dann ist es ungemütlich in der großen Stadt. Alternativen fallen mir kaum ein. Vielleicht die Idee des Mitwohnens weiter ausleben. Da wäre Begegnung von selbst dabei und jeder Gastgeber ein persönlicher Guide. Die Autos aus den Innenstädten verbannen, auch all die E-Bikes… Der Mensch hat Füsse zum Laufen, die ein beruhigtes Zeitmaß ermöglichen zum Sehen und Wahrnehmen und wirklich erleben.

Leider hat Corona gezeigt, wie schön sich eine gewaltsam beruhigte Stadt anfühlt. So wird und so kann es nicht weitergehen. Oder doch nicht leider? Schon nicht mehr bekannte Qualitäten sind sichtbar geworden. Jetzt wünschte ich mir eine inspirierte Politik mit einem schöpferischen Gestaltungswillen, der sich nicht immer wieder im Kleinklein verliert. So dass eine wunderschöne Stadt gedeihen kann, auf die ihre Bewohner zurecht stolz sind. Es können doch nicht nur die sanierten und rekonstruierten Hinterlassenschaften der Preußen sein, auf die wir und unsere Nachkommen sich beziehen. Ach bitte, macht doch was aus diesen vielen schönen kleinen Pflänzchen, die da auf Altpreußens Boden vorsichtig sprießen. Bitte denkt an die Zukunft und bitte auch ein, zwei, drei Nummern größer! Wenn diese Gabe Corona uns bereitet hätte… Sozusagen Krankheitsgewinn.

Um das Ganze heute abzurunden: Überall in der Stadt laden Poster in die nun endlich geöffnete Hannah-Arendt-Ausstellung ein. Das Motto auf den Plakaten: „Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen“. Doch das ist ein Thema fürs nächste Mal.

Der Weg ins Deutsche Historische Museum lohnt sich. Eine gut und eindringlich, nicht aufdringlich, erzählte Biografie, die Erleben lässt, wie Sätze wie dieser auf dem Poster zustande kommen…IMG_3574IMG_3579

Berlin, Berlin in diesen Tagen

Wirklich alte Zeiten?

Ich bin heute Silvia begegnet. Am Ende ganz real, vor allem aber einem gut Teil von ihrem Lebenswerk in ihrer Ausstellung. Es war spannend, in einem schönen großen Raum all diesen, zum größeren Teil  vertrauten, Einzelstücken konzentriert zu begegnen – und ihr auf diese Weise neu zu begegnen.

Aber ich bin auch mir begegnet. Und das hat mich etwas verstört. Vor inzwischen elf Jahren, zu ihrem runden Geburtstag, hatte sie Menschen aus ihrem Umfeld zum Webwerk eingeladen. Es müssen an die Hundert gewesen sein, die in Wort und Bild sich hineinwebten in ihr Lebens- und Künstlerthema. Ich auch. Und heute habe ich diesen alten Text wieder gelesen. Und war verstört. Was ich da an Themen und Fragen abgearbeitet habe, das würde heute nicht anders klingen. Bin ich hängenblieben, ohne mich weiter zu entwickeln? Hat sich im Menschengewebe nichts verändert in dieser Dekade? Alles beim Alten? Also, ich beschließe, es positiv zu betrachten: Ich bin mir treu geblieben. Das nun wäre der Text:

 

webfehler im web

Ich bin der Webfehler. So plötzlich wie der Gedanke kam, so hartnäckig hat er sich eingenistet. Ich merke: So ein bisschen diebische Freude an dem Sätzchen ist auch dabei. Ja typisch… für mich. Silvia kann so unglaublich tolerant sein. Ich glaube an sie. Und bin fasziniert von ihrer wahrhaftig unerschöpflichen Energie. Ein Bündel Willenskraft und Phantasie-Leben, dem die Ängste um die Zerstörbarkeit durchaus nahe sind. Sich aussetzen und einmischen – ihre Wahl als treibendes künstlerisches Motiv. Meine zunehmend als Lebensmotiv.

Wie kam ich, der Webfehler, ins große Beziehungstuch? Zuerst waren die Bücher, die vielen. Dann die Windeln. Die Stein-, Tuch,- Mullwindeln. Dazwischen das Zuhören, beidseitig. Irgendwann war ich dann einfach da. Als Webfehler: Nicht Künstlerin, nicht west-, sondern ostsozialisiert, nicht so ganz „comme il faut“. Ein bisschen zu direkt, zu wenig – unwillentlich und auch willentlich – mit den Spielregeln vertraut. Auch ich viel Wille: verstehen wollen, gnadenlos um Wahrheit ringend. Und auch noch stolz dazu. Ich gebe zu, ein brisantes Gemisch.

Ich versuche mir den Webfehler vorzustellen. Da ist das Tuch der SBK aus ihrem menschlichen Beziehungs-Lebenswerk gewebt.

Es hat kräftige Farben, strahlende, viele eigenwillige Formen, skurril, verrückt auch… Kreatives verbindet sich mit Kreativem, darunter Struktur. Das vielleicht macht die Faszination aus, Lebendigkeit, die das Auge anlockt und verwirrt. Ab und an dann auch Bodenständiges, Beruhigendes. Streifen und Würfel. Der niederrheinische Familien-Grundund-Boden. Apotheker-Tradition. Konvention und Sicherheit.

Und jetzt ich, der Webfehler: Schleicht er sich ins Bunte oder ins Bodenständige ein? Wohl eher ins Bunte oder…? Ich weiß nicht so recht. Oder doch: Genau dazwischen, wo sich ruhige Form und Aufreizendes begegnen. Die Hand streicht über ein zart flauschiges Tuch und plötzlich ist da so ein dicker Knubbel.

Im schönsten geheimnisvollen Indigo, meiner Lieblingsfarbe. Ich erlaube mir die Anmaßung. Ein Etwas, das stört. Im besten Fall aber innehalten lässt. Ein Moment der provozierten Ruhe, des Verweilens. Emotionen lassen sich in so einem Moment nicht vermeiden.

Was zeigt sich? Ich sehe die Perfektionisten unter uns zusammenzucken, in der cholerischen Variante aufschreien. Die jupiterhaft weisheitsvollen werden staunend über das Gewebe streichen und über SEINE schicksalshafte Notwendigkeit meditieren. Die In-sich-Ruhenden sehen und vergessen im gleichen Moment: „Nichts, um aus der Ruhe zu geraten.“ Die Kreativen wissen um die gestalterische Logik solch eines Web- Fehlers.
Eigentlich hat diese Erscheinung es ja an sich, dass jeder sie gern weg haben möchte. Jeder, der das Vollkommene liebt und es bewundern möchte. Solche Webfehler-Ware kommt ins Outlet zum -oft stark -reduzierten Preis für Schnäppchenjäger. Ich bin schuld, der Webfehler. Lieber kaschieren, dann reicht es doch noch für den Designer-Shop, leicht reduziert? Oder noch besser: Den Webfehler zum Kunstgriff stilisieren.

Ich merke: Koketterie. Ich flirte gerade mit dem Webfehler. Ich mag ihn, ich mag mich mit meinen Unvollkommenheiten. Ich mag Silvia, die sich auf Webfehler einlässt mit ihrer schier grenzenlosen Neugier. Gesprächsgewebe wird möglich. Miteinander ergründen wollen. All zu Menschliches… und auch Politik. Nachdenkliches Fragen, dass die Antworten nicht von vornherein weiß. Jenseits von Urteilen und Verurteilen.

Archaische Mullwindeln im Pampers-Zeitalter und eine archaische Bibliothek zu Internet-Zeiten Sie haben uns zusammengeführt.

Nicht, dass wir das Netz zur effektiven Kommunikation und Pampers am Po der Enkel nicht zu schätzen wissen. Doch ganz tief im Herzen lieben wir auch das Alte, das Sinnliche – Gewebe, das weniger vergänglich ist. Seine Sprache, die unsere Sinne direkter anspricht. Bücher und Mullwindeln sind Web-Werke, Gewebtes, das unsere Sinne berührt: sehen, tasten, riechen. Wir können uns hingeben. Auch stinkenden Mullwindeln. Das Herz öffnet sich. Silvia verwandelt das gereinigte, aus vergangenen Mutter-(Pflichten)Zeiten Übriggebliebene in Kunst: „Steinwindeln“. Auch das, nun ihrerseits eine provokante Webfehler-Logik?

Dank Internet und Co erleben wir heute schier unerschöpfliches Beziehungsgewebe. Bringt es uns dem „Wer bin ich?“ und dem „Du“ wirklich näher? Ein Spielplatz für den Kopf?

Ich möchte in Augen schauen, interessanten Gesichtern begegnen, Lebenskräfte erspüren. Ablehnung erfahren. Sympathie genießen. Erleben wann und wie sich die Geister scheiden. Lasst uns zusammen den Faden spinnen! Dann sind Visionen nicht mehr individuelles Traumwerk, sondern gemeinsames Machwerk – Fäden, aus dem das Gewebe eines Zukünftigen entstehen kann. Stoff, Material und Form begegnen sich. Und der Webfehler? Das Fremde darf sein, der willkommene Stein des Anstoßes. Er verhilft zur Beweglichkeit im Denken und Fühlen und Wollen. Die Logik von Spinnen und Weben. Die Vision erspinnen, aus diesem Faden die neue Wirklichkeit weben – jetzt…

Wir reden so oft und gern vom Fremdenhass. „Natürlich, nicht wir, wir doch nicht.“ Nein, wir haben kultiviertere Formen, uns dem Fremden zu nähern, manchmal verschlingen wir es auch mit unserer Hingabe. Doch, wie halten wir es eigentlich mit dem Fremden beim Nachbarn, beim Kollegen, beim Partner? Wie schnell sind wir mit Urteil und Ablehnung bei der Hand. Freilich, das ist kein Fremdenhass. Oder? Das Schaf hat einen grünen Punkt. Da muss etwas nicht stimmen. Leidvolle Erfahrung. Eine Freundin aus meinem Web-Werk sagte einmal tröstend nach einer traurig machenden Erfahrung: „Du bist eben das Schaf mit dem grünen Punkt.“ Das war in diesem Moment aufmunternd gemeint.

Und es war der Augenblick, in dem ich den Webfehler zu meinem Markenzeichen gemacht habe. An mir dürfen sich die Geister scheiden. Der Webfehler ist selbstbewusster geworden. Für die Künstlerin eine Herausforderung.
Silvia, was meinst Du?

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Mir wird’s nicht zu bunt

Viele bunte Fäden wirbeln in meinem Kopf herum. Ich versuche sie zu fassen und schaue, wie ein Gewebe daraus entstehen könnte. Schön, überraschend neu. Mit diesem Blick auf diese noch verrückter gewordene Welt, gehe ich entspannt in den Tag. Danke lieber Babelpapa, dass Du mich wieder mal dazu angeregt hast, mir selbst klarer zu werden. Gerade, weil wir oft nicht einer Meinung sind und völlig anders ticken.

Ich glaube, wenn das 70. naht, dann darf man ein wenig mehr bei sich und etwas weniger in den aktuellen Verstrickungen der Welt sein. Natürlich möchte ich meinen Kindern und noch mehr meinen Enkeln, die noch so sehr am Anfang stehen, etwas mitgeben. Die Morgengaben der Großmutter sozusagen. Aber eines ist für mich klar, es werden keine politischen Aktionen und Bekenntnisse im Strudel der Jetztzeit sein. Im tiefsten Inneren bin ich eher unpolitisch, das weiß weiß ich inzwischen. Obwohl mir klar ist, dass es ohne Politik nicht geht. Vielleicht noch nicht. Während sich die Welt im kaum nachlebbaren Tempo globalisiert hat, braucht es erst recht Menschen, die ordnen, lenken, ja auch (selbstlos) führen.

Doch das, was wir jetzt erleben, zeigt auch zu deutlich, dass es in diese Richtung nicht weiter gehen kann. Also wieder rückwärts in die kleinen Gemeinschaften, wo doch die große uns über den Kopf gewachsen ist? Wahrscheinlich ja, finde ich. Es müsste doch inzwischen – historisch betrachtet – gehen, aber ganz anders. Kriege müssten doch endlich der Vergangenheit angehören.  Können wir uns nicht sicher sein, dass auf diesem Planeten für alle, von allem genügend da ist, um gut zu leben? Ich glaube ja. Wenn sich Gruppen jedweder Größe, endlich unterstützen würden, statt sich durch Stärke und Machtzuwachs zu profilieren… Wenn nicht mehr um des Gewinn Willens produziert würde, was die Welt nicht, jedenfalls nicht in den vorhandenen Mengen, braucht… Wenn Menschen einander nur noch fragen, wie es ihnen geht und was sie für ihr Leben brauchen… Dann wären wir miteinander auf einer anderen Ebene. Und könnten uns irgendwann auch fragen, was wir voneinander an Nichtmateriellen brauchen.

Ich weiß, mein Idealismus ist nie ganz zu besiegen.

Abgehoben? Kann sein. Aber ich möchte alle meine bunten Fäden in meinem Kopf nur noch so verknüpfen, dass daraus ein wunderbarer Quilt entsteht. Bunt und fantastisch. Die Arbeit an so einem großen Teppich dauert lang, braucht Geduld und noch mal Geduld und unendlich viel Mühe. Die Stoffteile wären, um im Bild zu bleiben, bei meiner Arbeit die zwölf Tugenden. In denen steckt alles, was jeder Mensch braucht, um diese neue Welt mit zu gestalten. Nur leider oder Gott sei Dank, man kann sie sich nicht im Netz bestellen und kaufen. Sie wollen errungen, verinnerlicht werden, so dass sich das eigene Interieur, sprich Innere, allmählich verändert, immer harmonischer wird und gleichzeitig immer eigenständiger. Und da wäre ich wieder bei den Kindern und Enkeln. Unserem Ausgangspunkt.

Sie sollen, das wünschte ich mir, fragen lernen, auch das In-Frage-stellen und dabei denken lernen. Selber denken. Und trotzdem sich einlassen auf andere Gedanken. Aber sich nicht üben im  Nachdenken anderer Gedanken, drastischer nicht im Vorgekauten bleiben.  Dazu brauche ich Mut, der aus meiner Mitte kommt, muss mich üben im Wahrhaftigsein, mir selbst vertrauen. Und ich muss mir die Güte dabei bewahren, sie mir immer wieder erringen, was alles andere als leicht ist. Und das wären dann auch die ersten drei Tugenden von zwölf: Mut, Wahrhaftigkeit, Güte. Diese Drei sind so etwas wie die Grundsubstanz. Schon an sich schwer genug. Doch die acht, die danach kommen, das sind die Wegweiser, Stützpfeiler auf dem Weg des Lernens und Übers. Da wären zum Beispiel Ausdauer, Verbindlichkeit, Geduld. Nach der Geduld kommt nur noch die Zwölfte Tugend: Die Liebe, die selbstlose Liebe, die nichts für sich will.

Diesen inneren Weg, der sich letztendlich nur im tagtäglichen Außen beweisen kann, möchte ich den mir folgenden Generationen, vor allem meinen Enkeln hinterlassen – als Herausforderung für ihren eignen Lebensweg,

Meinetwegen dürft Ihr Jungen und Junggebliebenen auch eine originelle Demo für die Zwölf Tugenden inszenieren, sie auf den großen Plätzen des Landes tanzen, singen, bekunden. Aber bitte, tut es irgendwie, auf EURE Weise. Mit ihnen, den Tugenden, werdet ihr besser mit den Wirren des Alltäglichen zu Recht kommen, im ganz Großen und im Kleinen, wenn es denn mal wieder Streit mit Freunden gibt.

Übrigens: Mit einem Quilt kann man sich wunderbar zu decken und in fantastische Träume versinken.IMG_3200.jpeg

So ist es mir noch nicht bunt genug, im Prozess…

Mausig am 1. Mai

Komm lieber Mai und mache… Ja was bitte?

Ich fange mal mit dem 1. Juli vergangenen Jahres an. Gut erholt und gut gelaunt komme ich nach einer 9tägigen Auszeit aus dem Urlaub zurück. Meine damals sechsjährige Enkeltochter und ich wollen das Wiedersehen mit einem Kuchenschmaus feiern. Dafür sollte ein Drittel eines sorgfältig aufbewahrten Tortenbodens herhalten, mit Erdbeeren natürlich. Ich schreite zur Tat und halte eine absolut leere Hülle in der Hand. Nur ein kleines Loch im unteren Papier. Aufschrei: Maus!!! Nein Mäuse!!! – so viel schafft die verfressenste Maus nicht. Die Lebendfalle bringt dann am nächsten Morgen die Bescherung: Die Mama in der Falle und drumherum tanzen, besser hopsen fünf verzweifelte Minimäuse, denen gerade das erste Fell gewachsen ist. Das Bild werde ich nie vergessen. Und das, was dann folgte, auch nicht.

Mir war klar, das das Problem nicht von mir gelöst werden kann. Der Erlöser mit dem wunderschönen Namen Bärenfänger (nicht erfunden) erschien mit den schönen Worten „Oh, das ist ein starker Befall!“ Das Thema Lebendfallen war vergessen, die Tierschützer mögen mir gnädig sein. Nach drei Wochen nahezu täglicher Kammerjäger-Besuche, schien langsam Ruhe einzukehren. Die letzten Spuren in der Wohnung, deuteten auf eine verbliebene unerwünschte Mitbewohnerin, die einfach nicht zu überlisten war. Einer alten Schulfreundin erzählte ich von meinem Abenteuer. Die erinnerte sich dann, dass ihre auf dem Dorf lebende Großmutter einst die Unliebsamen mit Eierlikör überlistete. Besoffene Mäuse, na ja. Ich schnurstracks also zu Edeka und eine Miniflasche von dem Gesöff, das sonst bei mir niemals stattfindet, gekauft. Und siehe da: Die Letzte, die Klügste konnte von meinem Mäusefänger dann zur Belohnung JWD in die Freiheit entlassen werden. Janz weit draußen. Vor dem Haus geht nicht, die Schätzchen finden dorthin zurück, wo es ja gerade ganz gemütlich war.

Diese eine war die letzte von FÜNFZEHN, die meinen Urlaub missbraucht hatten.

Ziemlich genau zehn Monate später. Heute ist der 1. Mai 2020. Ich hoffe, es werden nicht wieder 15. Vor drei Wochen, eines Nachts, ich schlafwandelte zu meiner Wasserflasche um mich für den Rest der Schlafenszeit zu stärken, ein Deja-vu-Erlebnis. Während ich zur Flasche greife schaue ich in die Augen einer „Gemeinen grauen Hausmaus“. Die verfällt zuerst, genau wie ich, in Schockstarre. Dann flüchtet sie und ich kreische.

Alle meine Erfahrungen von vor zehn Monaten nutzen mir von da an so gut wie gar nicht. Die Lebendfalle wurde gründlich ausgeräumt, der Mechanismus umgangen, fünfmal an einem Tag. Das Tierchen flitzt mir inzwischen tagsüber fast über die Füsse. Bärenfänger hilf! Er kam, sah und siegte – zumindest partiell. Wir sind bei Nummer Vier angekommen und meine Wohnzimmerküche immer noch voller Fallen. Und ich nahezu obdachlos, na ja küchenlos. Und Angst besetzt, dass das Schlafzimmer auch noch erobert wird mit dieser Impertinenz.

Fazit:

Interessant ist, dass die diesjährige Mäusesippe offenbar nur im äußersten Notfall nach Weißbrothäppchen mit Nutella schnappt. Sie liebt Äpfel, die im letzten Sommer keine Maus interessierten. Sieben wunderschöne Bioäpfel mußten in den Müll wandern. Sie verschmäht meine Eierlikörreste vom letzten Jahr. Diese Sippe ist also nicht nur besonders intelligent (leere Fallen), sondern auch noch zeitgeistgemäß Vegetarier, Antialkoholiker und gesundheitsbewusst.

Meine Nerven haben ein zweites Mal total gelitten. Dazu muss ich erklären, dass, wenn andere Panikattacken bei Spinnen bekommen, mir das Gleiche bei Mäusen geschieht. Vernunft und Training helfen nicht, ich habe aufgegeben. Ich kann weder lebende noch tote Mäuse entsorgen. Interessanterweise hatten wir zu Familien- und Kinderzeiten auch mal, neben vielem anderen Getier, weiße Mäuse als Haustiere. Die konnte ich in die Hand nehmen und streicheln… Das Phänomen beschäftigt mich weiter. Es hat offenbar etwas mit toten Lebewesen und ungebetenen Eindringlingen zu tun.

Und ich habe, dank Google einiges Interessante über das Sozialverhalten von Mäusen gelernt. Zum Beispiel, dass Mäusemamas sich oft zusammentun, um ihren Nachwuchs groß zu bekommen. Weil die Milchtröpfchen bei oft sechs und mehr Nachkömmlingen kaum reichen. So kam es offenbar zu der FÜNFZEHN im letzten Sommer. Dank meiner Tortenböden hatten sie es erst mal zu Zweit geschafft, ihren Nachwuchs aus dem Gröbsten herauszubekommen.

Wenig tröstlich bleibt, dass ich offenbar jede Menge Leidens-Mitmenschen weltweit habe und die menschliche Intelligenz dem mausigen Instinkt oft nicht gewachsen ist.

Zur Zeit geht es mir mit dem unerwünschten und besonders in der Küche auch ekligen Besuch schlechter als im Sommer. Denn da war ich ständig auf der Flucht ins Sommerland und habe mich nach und nach mit allen fast verloren alten Freunden und Bekannten getroffen und lange geplante und nie gemachte Ausflüge stattfinden lassen. Aber, jetzt ist Corona-Zeit: Ausgehverbot aller Art. Selbst den Trost, dass es zur Not ja auch noch Hotelzimmer gibt, selbst der ist mir versagt…

Mausiges und Corona-Virus und bei beiden kein ein Ende in Sicht. Eigentlich ist schon eins davon zu viel – warum wird mir diese Prüfung auferlegt? Komm lieber Mai und mache…es geht jetzt bei mir ums Überleben…

Dieses Schätzchen lief mir im Herbst auf dem Ku’Damm über den Weg. Ich habe es sofort mitgenommen, aufgehängt und hinterhältig gedacht: Entweder lacht sich das nächste Graufell über das Ballettröckchen tot oder es erschrickt sich ob der Gehenkten zu Tode. Ja aber, denkste… Inzwischen sehe ich doppelt, wenn es um Mäuse geht. Und das ist zweimal zu viel.

 

Illusionen?!?

Gestern hatte ich Babelpapa auf seinen vorletzten Blogg geantwortet…oder auch kommentiert. Wie auch immer, meine ganze Mühe ist on Air verschwunden. Schade. Das passt zu meinem aktuellen „Eingesperrten-Status“, inneres Chaos, Gedankenkarussell. Außen auch Chaos: Eine Maus hat es sich bei mir gemütlich gemacht und schon zweimal tollkühn die Lebendfalle geräumt. Inzwischen experimentiere ich verzweifelt, einem Herzinfarkt nahe, mit der Konsistenz der Nutella-Brotbröckchen, die vor einem Jahr erfolgreich waren. Vielleicht pflegt das Kerlchen, gut genährt, inzwischen schon seinen Nachwuchs in einer Mauerwand-Nische meiner Altbauwohnung. Hatten wir schon…

So, und nun trotzdem der Versuch, mich zu zentrieren und dem Querdenker- Jubel von Babelpapa meine Version beizusteuern.

Ich finde Querdenken auch gut. Es kann helfen, festgefahrene Muster aufzulösen und neu darauf zu schauen. Es kann auch helfen, meinen eigenen Standort zu bestimmen. Aber alles in Frage stellen und vor allem Minderheiten-Ansichten zu befürworten, ist für mich noch kein Querdenken und wenig produktiv. Verschiedene Ansichten anzuhören, zu lesen, das halte ich für selbstverständlich. Viel wichtiger ist für mich das Selberdenken. Darauf bestehe ich und das wünschte ich  mir von allen meinen Mitmenschen. Einen Ober-Richtig-Denker wird es nie geben, kann es auch nicht geben. Irgendwer wird allerdings dazu oft ernannt. Ist ja auch bequem jemanden zu folgen, der meine Seele wärmt und streichelt, weil er mit mir auf einer Wellenlänge liegt. Doch, ob uns das als Gesellschaft, als Mitmenschen weiterbringt? Scheint mir eher gefährlich.

Die erste Bedingung für einen Fortschritt wäre, das einander Zuhören zu üben. Die zweite, wirklich miteinander ins Gespräch zu kommen, verschiedene Gedanken zusammen weiter zu entwickeln in eine Richtung, wo sie produktiv werden können. Da kann Querdenken eine Rolle spielen, aber nur eine.

Nebenbei bemerkt: Wenn im Osten immer nur gehorsam dem gefolgt worden wäre, was oben gedacht oder besser verordnet worden ist, hätte es kein 1989 gegeben und manches andere auch nicht.

Und jetzt leben wir alle in einer bewährten Demokratie in der Corona-Krise. Ich fühle mich sehr in die Verantwortung genommen der Gemeinschaft gegenüber, aber ich treffe auch stets von Neuem meine eigenen Entscheidungen.

Gegen die Ohnmacht, nicht wirklich etwas verändern zu können, habe ich sehr früh angefangen die Grenzen des Möglichen im Bestehenden auszureizen und andererseits, immer wieder von Neuem meine eigenen Grenzen zu bestimmen. Daraus ist eine Übung ohne Endzeitdatum geworden und eine Dauerherausforderung. Für mich hat das sehr viel mit dem absolut anstrengenden, aber auch freudigem Selberdenken zu tun. Und: Für mich lebt darin ganz stark eine Moralität. Ich weiß, das Wort hat meist einen leicht säuerlichen Beigeschmack und assoziiert bei vielen einen erhobenen Zeigefinger. Aber ich liebe, wie schon mehrmals erwähnt, die zwölf Tugenden aus dem Mittelalter, die mit dem Gral und den Artusrittern im Kontext stehen. Sie  sind für mich in diesen beschriebenen Prozessen ein Geländer zum Festhalten, eine Orientierungshilfe und letztlich auch ein täglicher Prüfstein für mein alltägliches Tun. (Wer mehr wissen will, kann sich dazu bei mir zum Seminar anmelden…Grinssmiley)

Ich finde es schön, lieber Babelpapa, dass du die Chancen der Coronaauszeit ausreizt, dass du dich von diesem erzwungenen Freiraum anregen lässt. Ich glaube, dass das eine grandiose Chance ist, um zur Besinnung zu kommen. Für alle. Wär doch schön, wenn die große Sehnsucht nach der Normalität, ein paar Einschlüsse von neuem Denken und Tun mit sich bringen würde. Das wäre mein Herzenswunsch. Von Verschwörungstheorien und Besserwissen halte ich schlichtweg nichts. Ich habe Achtung vor denen, die ehrliche Politik machen. Interessant ist doch, dass in den letzten Wochen einige laute, aufdringliche Stimmen nahezu verstummt sind. Ich könnte auch künftig darauf verzichten…

Also die kleinen Visionen ohne Illusionen.IMG_2888.jpeg

Lasst die Welt noch einen Moment stille stehen!

 

Alt genug?!?

Das Corona-Karussell dreht sich etwas langsamer. Dafür werden die Diskussionen heftiger. Das Heftigste, das ich gelesen habe (so etwa): Ist doch gut, wenn die Alten endlich gehen, Corona hilft nach. Die haben uns doch das ganze Umweltdesaster samt unkontrollierter Globalisierung eingebrockt. Prima, ich hoffe ihr Jungen bekommt es wirklich besser hin und haltet durch mit euren Idealen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Entwicklungen erst eine bestimmte Stufe erreicht haben müssen, ehe sie so eskalieren, dass sie als Thema Allgemeingut werden, werden können. In den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern und auch 90ern waren noch ganz andere Aufgaben zu bewältigen. Dass sich in diesen Jahrzehnten zunächst ganz unauffällig  eine Wachstumseuphorie eingeschlichen hat, das ist lange, den meisten nicht aufgefallen. Im Gegenteil, das Ganze  wurde generationsübergreifend von den meisten mitgetragen. Und überhaupt nicht negativ bewertet. Mir persönlich hat dieses Endlos-Wachstum nie behagt.

Jetzt haben wir den großen Schlamassel und müssen sehen, was wir daraus machen. Nicht nur der Umwelt zu liebe. Ich sage bewusst WIR, von ganz jung bis ganz alt. Die Generationen brauchen sich. Die einen haben die frischen Ideen, die Kraft und Energie, die Ideale, die sie noch nicht scheitern erlebt haben. Die anderen, 50 oder 60 plus, hätten gelebte Erfahrungen beizusteuern. Nicht um zu bremsen, sondern um alte Denkfehler und Verhaltensweisen nicht zu wiederholen. Das wäre erfolgversprechender als alles andere vorher. Die Alten waren nicht nur dumm und ignorant und die Jungen stehen trotz allem Enthusiasmus nicht pro se für gelingenden Menschheitsfortschritt.

Aber da ist das WÄRE.  Wo in unserer Gesellschaft sind die Generationen wirklich ein gut auf gestelltes Team, das sich ergänzt?

Großelterndienste sind gefragt und Pflegeheime sind ein Endlos-Thema. Und sonst, jede Menge selbstlose ehrenamtliche Arbeit, aber Wertschätzung, Gleichberechtigung der Generationen ist schwer erlebbar, eigentlich nicht wirklich existent.

Um solch eine Qualität zu verinnerlichen, braucht es mehr als gemeinsame Balkongesänge und ähnliches. Zweifelsohne, das ist schön, rührt zu Tränen… Für einen wirklichen Neuanfang nach und mit Corona wird es nicht reichen. Da träumt die Gesellschaft wahrscheinlich schnell wieder ins einigermaßen gemütliche Fahrwasser, statt sich ihrer Potenzen und Kompetenzen zu besinnen und…zu handeln. Gern auch singend.

Übrigens: Die Alten müssen gewissenhafter mit ihrer Zeit umgehen, weil selbige objektiv knapp geworden ist. Wer lässt sich schon gern seine knappen Ressourcen weiter kappen? Wohl keiner. Und außerdem gehört Leichtsinn tendenziell eher zum Jungsein. Verantwortlich selbstbestimmt zu handeln, dafür sollte 60plus tendenziell gut gewappnet sein. Nur so, ganz nebenbei zum Corona-Thema.

Um zu meinem Ausgangspunkt zurück zu kommen: Interessant ist ja auch, dass nicht nur die Älteren am meisten coronagefährdet sind. Sondern auch generell Männer, auch jüngere. Sollte man die dann auch lieber noch ein bißchen länger vorsichtshalber“ einsperren“? Ich weiß, das war jetzt bösartig. Doch das bin ich nun wirklich nicht. Aber, ich konnte es mir gerade mal nicht verkneifen.

Auf neues Miteinander… Wir sind miteinander alt genug.

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Zarte Pflänzchen…

Die Vision – meine Vision

Eine Kurzfassung zum Thema Vision, ich möchte hier keine Romane schreiben. Aber: Die Corona-Situation provoziert gerade dazu, mal ein bißchen weiter zu denken. Ganz frei weiter denken. Zukünftig. Dieses wäre für mich das zweite Potential dieser vertrackten Situation.  (Die erste : Den nicht gerade erträumten Augenblick öfter mal genießen, ohne Vor- und Rückdenken. Denn, zu ändern ist ja eh nichts dran.)

Die letzten zwölf Monate hat die junge, sehr junge Generation sich deutlich Gehör verschafft. Sie wollen nicht mehr mitansehen, dass unsere elementarste Lebens(um)welt systematisch und sinnlos zerstört wird: Frydays For Future.  Und jetzt kommt Corona über uns. Ich frage mich gerade, wer da so knallhart einfach mal auf der Autobahn die Handbremse gezogen hat. Die da ganz oben? Ich meine nicht die, die da rund um den Berliner Reichstag herum das endlose Wirtschaftswachstum ausüben. Natürlich nur auch. Sie machen auch noch ein paar ganz gute Dinge, wie jetzt eben.

Ich meine wirklich die da gaaaaanz oben. Wer sonst hätte sich denn getraut, dem Wachstumswahnsinn gnadenlos Paroli zu bieten. Dem Mehr-und-Mehr-Produzieren.

War ja eigentlich dringend notwendig. Also jetzt vielleicht: Corona For  Future.

Dank an die Enkelgeneration, dass sie laut und deutlich geworden ist, dass sie den Startschuss gegeben hat.

Was jetzt wachsen könnte, das wäre eine neue Qualität anstelle endloser Quantitäten.

Wie könnte mit all dem Reichtum, der unserer Gesellschaft zur Verfügung steht, etwas Neues gestaltet werden? Zum Beispiel sich nicht in der Produktivität überbieten, sondern in der Kreativität? Nicht den Welthandel immer mehr ausbauen, sondern die Ideen weltweit vernetzen. Im Kleinen anfangen, denn gute Beispiele verderben nicht die Sitten…

Was wir derzeit vermissen ist nicht das allerneueste noch raffiniertere Automodell, der Hightec-Staubsauger-Roboter, sondern die kleinen Läden, Cafés, Restaurants, den Eismann um die Ecke, den Friseur und so weiter und so fort. Die Mitmenschen. Keiner braucht jedes Jahr ein paar neue Sneaker, aber frisches Obst und Gemüse, das bildlich meist vor der Haustür wächst. Warum muss es denn immer raffinierter und extraordinärer werden und wozu? Nichts gegen einen exzellenten Käse, der teuer ist, oder ein gutes Stück Fleisch. Das reicht aber einmal in der Woche oder im Monat.

Was uns lebendig erhält, das sind doch die Menschen um uns herum, die Kinder, auch die Künstler und ihre Werke. Gesunde Nahrung aller Art.

Woher könnte das Geld für so ein lebendiges Wachstum kommen? Woher die Mittel für das existenzsichernde Grundeinkommen für jeden? Da müssten wirklich mal unsere Wissenschaftler ran. Sie müssten einerseits mit allen zusammen die lebenswerten Visionen entwickeln. Erst daraus ließen sich die nächsten machbaren Schritte ableiten. Sie sollten mit uns träumen und rechnen und probieren. Versuch und Irrtum gehören doch selbstverständlich zum menschlichen Dasein. Im Großen wie im Kleinen. Das Eine braucht das Andere. In welche Richtung soll ich meinen Fuß setzen, wenn ich nicht weiß, wo ich hin will. Zusammen probieren, statt ständig Hasstiraden loszulassen- wäre das nicht die Alternative?

Aber auch: Wenn es so richtig weh tut, dann gehe ich freiwillig zum Arzt und hole mir Rat. Macht ihr mit, ihr Wirtschafts- und sonstigen Weisen aller Couleur? Wozu haben wir so ein fantastisches Gelehrtensystem? Es könnte, nein müsste doch helfen, die Krankheiten der Gesellschaft zu heilen. Da könnte ein Blick in die Geschichte helfen: Die Humboldt-Brüder, auf die die Deutschen ja so stolz sind, waren beide auf ihre Weise Denker und Macher.

Wir wissen, weil wir es ein Leben lang erlebt haben, daß eine Wirtschaft zu fast allem fähig ist. Ich meine das durchaus positiv. Wenn jetzt allmählich (anders wird es nicht gehen) aus dem extensiven Wachstumsprozess ein intensiver, nach innen gekehrter auf  (Lebens)Qualität bedachter würde, dann hätte ich das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein.

Kein Kind wächst endlos. Es braucht eine gewisse Größe und Reife, um seinen nächsten Entwicklungsschritt gehen zu können. Da erscheinen dann neue innere Qualitäten. Oft auch hart errungen, beim Älterwerden. Die Menschheit an sich, so scheint es, steht jetzt an einer Schwelle in ein neues Lebensalter. Die Vorraussetzungen sind da.

Der Mut auch, um über diese Schwelle zu gehen und die vermeintliche Ruhe und Sicherheit zu riskieren?

Neues, Unbekanntes macht meist auch Angst. Gewohnte Sicherheiten bleiben auf der Strecke. Und trotzdem, weil es eigentlich nicht anders geht:

Warum nicht Corona For Future?

Wir wären dann so frei, nicht noch mehr Schicksalsschläge als Lektionen hinnehmen zu müssen.

Vielleicht schlummert ja in irgend einer I-Cloude schon so ein Konzept zum

Anfänge wagen…

IMG_1597.jpegIMG_1540.jpegFotos: Pestmaske und Perspektiven, vielleicht neue Horizonte

 

 

 

Nachtrag zum Kitsch

Juhu! Mein Plädoyer für den Kitsch hat einen großen Befürworter. Der sagte nämlich in einem Interview, dass Kitsch sehr stimulant sein kann. Und: Kitsch ist etwas, was sich nicht ernst nimmt. Genau das ist es: Das Spielen, das Spielerische, die Regeln auf den Kopf stellen und schauen, was dann passiert.

Der Zitierte ist leider inzwischen, seit einem reichlichen Jahr, in anderen Sphären unterwegs: Karl Lagerfeld. Ich habe ihn bewundert und tue das bis heute. Mit seinem Äußeren hat er auch aus seiner Person eine Marke gemacht – originell, witzig und immer und überall erkennbar, unverkennbar. Was nicht so ins Auge gefallen ist: Hinter dieser kunstvollen Verpackung verbarg sich ein warmherziger, liebevoller Mensch, der unglaublich kreativ und fleißig war. Ein Leben lang. Und der auch so einen Satz locker und mal ganz nebenbei aussprach: Man soll kein Drama aus sich machen.

Auch ein Satz, der meinem Selbstverständnis sehr entgegen kommt. Aber Lagerfeld selbst, mit seiner Erscheinung, hat uns eigentlich buchstäblich herausgefordert. Indirekt hat er doch vermittelt: Gönnt Euch mindestens den zweiten und auch noch den dritten Blick auf eure Mitmenschen und entdeckt ihr Wesen.

Mir ist es so gegangen: Neugierig geworden habe ich angefangen zu lesen, zu schauen, zu hören.* Dann erschien eine Welt hinter der dunklen Brille, dem langen Pferdeschwanz, den Handschuhen, die mir ein Lächeln hervorgelockt hat, die mich erwärmt hat.

Ich für meinen Teil bleibe dabei: Kitsch ist köstlich.

Und: Menschen sind spannend.

*Es gibt einen langen Film über ihn, Bücher. Die zitierten Sätze stammen aus einer zwei, drei Jahre zurückliegenden NDR-Talk-Show (ohne Gewähr) über die ich zufällig im Netz eben wegen des Namens Lagerfeld gestolpert bin.

Von Luke Perry (l.) und Costa Cordalis sind 2019 verstorben
Karl Lagerfeld und Baptiste Giabiconi

Überfluss

Es wird spannend. Da ein neuer Überfluss, nämlich an Zeit. Dort ein neuer Mangel an etwas bisher absolut Selbstverständlichen: Toilettenpapier. Das sind doch Phänomene die eine nähere Betrachtung lohnen.

Lassen wir mal aktuelle physische und zu ahnende kommende materielle Existenzprobleme einen Moment draußen vor.

Das mit der Zeit verlockt zu Gedankenspielen. Plötzlich ist etwas reichlich da, was immer ziemlich knapp war. Wie viele haben sich danach gesehnt, mehr Zeit zu haben. Wozu?Was wollten wir eigentlich damit anfangen.?

Zur Ruhe kommen. Okay. Ich widerspreche: Zur Ruhe kommen, indem die nächste Reise, das nächste Event geplant wird.  So sah es doch meist aus. Wir stellen dann fest: Wir waren schon fast überall und die Feste waren selten das Gelbe vom Ei.

Aber irgendwie will die Zeit ja gefüllt und die Vorfreude bedient werden. Es sollte doch etwas geben, ein Ziel auf das ich freudig, erwartungsvoll hinschauen kann. Dabei gerät mir der Augenblick schon wieder ins Vergessen. Doch draußen scheint gerade die Sonne am Abendhimmel so wunderbar, so besonders. Im See die Spiegelungen haben jetzt eine ganz neue Qualität.

Dem Enkelkind hat das neue Lebensjahrsiebt auch ein ganz neues Lächeln auf das Gesicht gemalt. Wenn ich da hin schaue, bin ich ganz froh, wird mir warm. Genau genommen gibt es hundert solcher Momente am Tag – wenn ich Zeit habe. Wenn ich mir Zeit dafür nehme. Das klappt nicht so gut und wird schwierig, wenn ich mit den Gedanken schon bei nächsten Tag, Monat bin. Wenn ich den Zukunftsängsten, viel Raum gebe.

Jetzt aber haben viele von uns so viel Zeit, daß Platz für alles ist. Während ich mir sicher bin, dass materieller Überfluss alle Kreativität tötet, bin ich gleichzeitig überzeugt dass in einem Überfluss an Zeit ein riesiges Potential an Kreativität steckt. Zeit gibt mir Raum zum Nachdenken, zum Verknüpfen von dem, was in mir ruht. Zum Nachdenken über die Frage „Wie soll die Welt aussehen, in der ich leben möchte?“ Wenn ich das vor mein inneres Auge stelle, kommt es zwangsläufig zur nächsten Frage: Was muß geschehen, damit das möglich wird? Und dann: Was wäre der nächste notwendige Schritt dahin? Daraus: Wie wäre das aktuell machbar?

IMG_2200Das wäre vorerst der innere Weg von der Vision in der Ferne zu den Schritten im Alltag. Jetzt. Ich glaube, darüber sollten wir uns austauschen. Unbedingt.

Ausgeme/ärzt

Langsam könnte es sich ausgemärzt haben. Ich will ja den März nicht wirklich und nicht gleich ausmerzen. Nach einem bisschen weniger Stillstand und einem bisschen mehr wilden verrückten April sehne ich mich schon. Und nach himmlischer Wääärme…

Miteinander reden, so von Angesicht zu Angesicht, wäre auch ganz schön. Das wünschte ich mir schon sehr. Eigentlich schreibe ich gerade deswegen. Nicht weil ich Euch von meiner Meinung überzeugen will. Ich möchte sie anbieten. Zum Nachdenken, zum Mitdenken, zum Weiterdenken- im besten Fall zum Miteinanderdenken. Das wäre überhaupt das Allerbeste.

Wünschen darf man ja. Dass dieser spezielle Monat schwer zu fassen ist, das habe ich übrigens auch beim Malen gemerkt. Seit Januar versuche ich meine innere Stimmung des jeweiligen Monats in einem Bild mit dem äußeren Sein in Einklang zu bringen. Ich werkele immer noch und immer wieder daran herum. Trotzdem, das wäre mein März – vorerst:

Keine Kunst, der Versuch eine, meine Stimmung festzuhalten