
Grossstadt-Romantik anno 2025

Bewegtes

Das Gerade-Noch-Kind hat eine Idee. „Wir machen einen Mädelsabend!“ Die Mädels sind im reifen Großmutteralter und mitten im 13. Jahr, im vorpubertären Umbauprozess also. W
Wie gesagt, so auch irgendwann getan.
Der Nachwuchs hat Masken bei DM besorgt und Pads für die Augen. Für mich ein völlig neues Konsumfeld. Ich habe auch keine Ahnung, wie man das praktiziert. Die Große schon. Für kleine Schlemmereien habe ich gesorgt. Doch ich werde belehrt: Erst danach. Nicht reden, nicht lachen. Der Film auf dem IPad gehört schon deswegen dazu. Wir entscheiden uns für das doppelte Lottchen. Der geht mit Schmunzeln.
Wir sehen lustig aus. Die Schönheits-Accessoires sind überwiegend bunt gemustert.
Nachdem wir uns nach geraumer Zeit wieder davon befreit haben, muß ich natürlich DIE unmöglichste aller Fragen dem Nicht-Mehr-Ganz-Kind stellen: „Sag mal, hast du Falten?“
Die Antwort kommt prompt: „Man kann ja nicht früh genug anfangen.“
Es lacht nur eine lauthals, das bin ich.

Der Satz hat sich in meinem Unterbewusstsein irgendwo weit hinten eingenistet, wer weiß warum:
„Hier können Sie kontaktlos zahlen.“
Okay. Aber da war er plötzlich unvermittelt da. Nachdenkend über sich wiederholende seltsame Begegnungen verwandelte der Satz sich in zwei Worte: „Kontaktlos begegnen“…
Seltsam. Aber das passt. Und genau so geschieht es…

Vor fünf Minuten habe ich das Kino verlassen. Vor meiner Nase bewegt sich eine Sbahn. Strahlender Sonnenschein, im nächsten Moment prasselt ein Platzregen vom Himmel, die Sonne scheint weiter. Ich suche nach Worten für das eben Erlebte.
Mein spontanes Gestammel:
Verstörend, anstrengend, brutal, seelisch und physisch erschöpfend, expressionistisch, surreal und gleichzeitig extrem realistisch, bildvergewaltigend und bildgewaltig, wortarm, mystisch und erdrückend banal….
Nach zwei von fast drei Stunden rebellierte auch noch meine Blase bei unerreichbaren WCs. Ich habe am Film gelitten und leide noch immer.
Erschöpft von den Haarwurzeln bis zum Großzeh sinke ich auf einen Stuhl des nächstbesten Strassencafé‘s. Ein Kaffee und ich fange an zu schreiben. Intuitiv nach Befreiung suchend.
Um mich herum die Ausläufer des Berlin-Marathons: sportbedresste Menschen, einer trägt schwer an Rucksack und Medaille, auf sichtlich müden Füßen…
Sämtliche Buslinien in SüdWest-Richtung sind auf die sowieso schon viel zu enge Kantstraße umgeleitet.
Und dann und wann durchdringende Blaulichtsirenen…
Eigentlich fast das vertraut alltägliche Chaos. Der Kaffee ist inzwischen kalt geworden und ich weiß nicht, ob ich wieder Boden unter den Füßen habe…
…nach dem Film „In die Sonne schauen“, der mich angesichts der vielen Ausrufezeichen, mit denen er bedacht wird, ins Kino gelockt hat.

Abos haben was Verlässliches. Ich muss nichts tun und bekomme regelmäßig, was ich brauche. Feine Sache.
Mit der Auferstehung ist das dann aber so eine Sache. Gefühlt hatte ich da auch so was wie ein ABO. Nur für die Ewigkeit gibt es wahrscheinlich kein einziges ABO. Wahrscheinlich hört es mit dem Auferstehungs-ABO auf, wenn ich nicht mehr zahlen kann. Wie bei jedem anderen Abonnement. Welche Zahlungsmittel braeuchte ich? Kraft, Energie, Lebenslust? Was ist die Währung für dieses ABO?

Heute entdeckt:

Was ich in diesem Leben nicht gelernt habe:
• Geld anhäufen ( Sparen ist nicht gemeint)
• Meine Gedanken und Gefühle zu verbergen ( Mit Masken mag ich nur spielen)
• Auswendiglernen ( Verlustgefuehl nur bei Gedichten)
• Mit Selber-Denken aufzuhören ( Würde für mehr Gemütlichkeit sorgen, was auch nicht zu verachten ist)
• Mich der Macht und den Maechtigen zu beugen (Was das Leben oft entspannter gemacht hätte)
• Titeln aller Art Respekt zu erweisen (Menschen schon)
Will ich’s noch lernen?
Keine Lust.
Wohl eher nicht.
Typ „Unbelehrbar“

Flüsse ziehen mich magisch an. Wie sehr, das ist mir erst in der möglichen Mitte meines Lebens bewusst geworden.
Dort, wo ich Jahrzehnte meines Lebens verbracht habe, war der Fluss begraben worden. Weil er störte, weil er stank, verhaesslicht von Industrieablagerungen. Ich wusste nicht, dass ich ihn vermisse. Aber ich wusste um ihn. Jahre führte mein Schulweg über den zugemauerten Fluss. Ich war oft in Gedanken bei ihm. Und bei den Fischern, die ihn in ganz alten Zeiten bevölkerten. Noch bevor das Industriezeitalter seinen Tribut forderte.
Merkwürdig das alles. Dann habe ich die vom Ost-West-Clinch befreite Havel erlebt und ahnte, dass ich da leben möchte. Ein Fluss im urbanen Gebiet, kaum Mauern, oft ganz frei. Ein unglaubliches Gefühl. Ich habe ihn mir in Reichweite geholt. Wenn ich dort bin, geht es mir gut.
Heute frage ich mich: Was hat der zugemauerte, unterirdische Fluss über die Jahrzehnte mit mir gemacht?
Hat er im Unbewussten, im Seelenraum Gefühle begrenzt, Leben nicht zugelassen? Was konnte nicht fließen…Nun ja, ich mag nichts übertreiben. Aber, es bleibt eine Merkwürdigkeit in meinem Leben.
Was macht ein Fluss mit mir? Was berührt mich?
Die Weite, das eigentlich Unbezwingbare, seine zielstrebige Bewegung, seine Sanftheit und seine Wildheit, die unbezwingbare Schönheit, seine Wandelbarkeit? Alles. Am meisten ist es wohl seine Lebendigkeit, die in dem Moment zu meiner wird.
Der Fluss meiner Vergangenheit durfte inzwischen wieder ans Tageslicht, teilweise und sauber. Noch hat er nicht wieder die Präsenz in der Stadt. Sie würde beiden gut tun. Und für mich würde sich ein Kreis schließen.

Ein schon spaetsommerlicher Tag am glasklaren See. Plötzlich sind auch noch die paar Mitschwimmer verschwunden. Kein Boot, kein Stand Up – hier nicht erlaubt. Nur Wald und Seerosen. Eine unglaubliche Stille. Ich schwimme, lasse mich treiben, versinke in der umhüllenden Stimmung. Als ich mich umdrehe, ist mein Ufer zur Miniatur geworden. Erst jetzt denke ich an den Rückweg. Es bleibt schön und der See gehört mir allein. Wieder in Sichtweite muss ich meinen Einstiegsplatz suchen. Wind und Wellen haben mich ein ganzes Stück abgetrieben. Doch da sind sie, „meine“ Seerosen und ein paar Schritte weiter mein ziviles Outfit.
Der Rückweg führt an meiner Lieblingsgaertnerei vorbei. Ihrer Magie ich noch nie widerstehen können. Dort gibt es nicht nur unendlich viel Blühendes in allen Farben, sondern auch nette und gesprächige Gärtner.
Zu einem Tütchen exklusiv leckerer Tomaten, die ich sonst gar nicht esse, gesellen sich etwas Blaubluehendes und etwas zitronenblaettrig Essbares.
Ich will mit Karte bezahlen, sie funktioniert am Ort nicht. Also suche ich meine letztes Bargeld zusammen. Ich bleibe dann noch vor einer grazilen Pflanze stehen, die ewiges Leben verspricht und gerate ins Meditieren und mit der Chefin ins Gespräch.
Es muss sein. Irgendwie ein Wink von oben, von den Schicksalsmächten oder… Ich stehe also noch mal an der Kasse, dieses Mal mit der Chefin und angele nach meiner Karte…als der Gärtner vorbei kommt: „Das ging doch nicht!“ Das Bargeld reicht gerade so noch mal. Ich bin zutiefst betroffen, von wegen Ewiges Leben und sonstigen Miseren.



Ich spiele gern. Früher mehr als heute mangels Gelegenheit. Ich meine vor allem Spiele am großen Tisch, Brettspiele, wo Freunde und Familie zusammenkommen. Was macht die Magie aus, was lockt mich eigentlich?
Mir macht es Spaß mit anderen zu interagieren. Mich und sie beim Spielen zu beobachten. Kreative Spielideen auszureizen und mich von ihnen anregen zu lassen. Gewinnen möchte schon. Auch das. Dadurch kommt Dynamik ins Geschehen. Ich bin herausgefordert und die anderen auch.
Nur, so ganz wichtig ist mir das Gewinnen nicht. Es ist mehr der Spaß und das Miteinander. Es gibt ja nichts zu verlieren. Außerdem ist der Glücksfaktor im Spiel meist sehr groß.
Freilich, wenn jemand in der Runde unambitioniert spielt, dann wird es schnell langweilig. In einer solchen Situation habe ich es schon erlebt, wie reichlich erwachsene Menschen ausgerastet sind. Soweit so gut oder auch nicht.
Im besten Fall habe ich beim Spielen für mich etwas dazu gelernt, Zusammenhänge begriffen, mein Gedächtnis trainiert. Und das Beste: Ich habe meine Mitspieler ein bisschen besser kennen gelernt. Wer ist clever, wer bedacht, wer vorsichtig. Wer muss gewinnen und wer kann nicht verlieren. Wer versucht es mit Kniffen und kleinen Tricksereien. Auch die Temperamente zeigen sich in vergnüglicher Weise. Es macht einfach Spaß.
Wie wäre es, wenn wir unser Leben etwas spielerischer angehen? Könnten wir nicht einen ganzen Packen an Leichtigkeit, Lebensfreude und Glücksmomenten gewinnen. Was haben wir denn zu verlieren?
Nur, was machen wir mit allen, die partout nicht verlieren können?
Nehmen wir es doch fürs erste alles etwas sportlicher. Das Spielen, das Gewinnen und das Verlieren als eine Chance. Wer weiß was ich dabei gewinne…
Einfach so.
Einfach spielerisch.
