Ostwestlich (1)

Es ist oft spannend, welche Wege Gedanken gehen, wie sie sich plötzlich unerwartet kreuzen und wieder im Nichts verlieren. Dennoch der Moment des Kreuzens bleibt dann doch erhalten.

So etwa ging es mir heute Morgen. Etwas erholt von Ichweißnichtwas drängelten Corona und Impfen in meinem Kopf herum. Dann tauchte der Satz auf: Minderheiten scheinen Recht zu haben. Ich dachte an das Ende der DDR, und dass tatsächlich Minderheiten den Stein ins Rollen gebracht haben. Die Andersdenker, die Querdenker von damals.

Aber, das Aber muss ja kommen: Wollten die meisten von ihnen wirklich eine Vereinigte Bundesrepublik? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall nicht alle. Es gibt keine Statistiken. Unabhängig davon: Also hatten diese Minderheiten Recht mit ihrem deutlichen Aufbegehren? Heute bin ich mir sicher, es kam – mangels einer wirklichen Alternative – wie es kommen musste.

Waren die Mehrheiten, die mehr oder weniger still gehalten haben oder auch nur anders gedacht haben, damit im Unrecht? Waren so viele einfach nur dumm und angepasst, Mitläufer?

Nein, das glaube ich nicht. Die Welt ist und die Wahrheiten sind vielfältiger, differenzierter. Damit wäre ich bei den Corona-Impf- und Politik-Diskussionen aller Art. Wird wieder eine Minderheit, die der Impfgegner und Coronaleugner Recht behalten? Sind die Mehrheiten, also die Geimpften wieder nur verängstigte Mitläufer, die sich einschüchtern lassen? Auch das glaube ich wieder mal nicht.

Die Logik wäre doch dann: Corona ist nicht (allzu) ernst zu nehmen. Politik und Virologen haben uns nun fest am Gängelband. Wenn ich mich nicht impfen lasse, gehöre ich später zu den Helden, die es gewusst haben.

Auch daran glaube ich nicht. Ich bekenne, ich bin zweimal geimpft und ich habe den dritten Termin seit Gestern. Nicht aus Angst. Aber weil ich mir ziemlich sicher bin, dass das die entscheidende Chance ist, dem Virus zu begegnen und nicht in weitere Lockdowns zu schlittern.

Übrigens, wenn es um das erfreulicherweise vereinte Deutschland geht, haben wahrscheinlich doch Mehrheiten gesiegt, nämlich die , die die D-Mark, also richtiges Geld wollten und all die Delikatessen und Vorzüge des Westens, nebst dem nebulös dehnbaren Begriff der Freiheit. Ich glaube nicht, dass es DIE Freiheit gibt. Genauso wenig wie DIE Wahrheit.

Der Schluss daraus wieder mal, die einfachen Antworten gibt es nicht. Ich muss die meine finden und verantworten.

Aber, habe ich wirklich nur Verantwortung für mich allein?

Nein? Nein!

Ja, und was dann?

Pandemien haben von jeher ihre eigene Kraft und Dynamik, denen die Menschen nur schwer gewachsen sind. Möglicherweise können wir ihnen heute etwas mehr entgegen stellen als zu Zeiten von Pest und Colera, von Pocken und TBC. Ich glaube, dass wir das, was wir können auch tun sollten…und daran als Menschheit wachsen.

Vielleicht geht es vor allem auch um ein Gleichgewicht. Die Natur hat ihre eigenen Mittel es wieder herzustellen und fragt nicht nach menschlichen Egoismen. Wir haben die Chance nicht gegen, sondern mit der Natur zu agieren. Und unsere Möglichkeiten auszuschöpfen. Ich würde sogar von Pflicht sprechen. Das wäre dann aus meiner Sicht aktuell ein absolutes Ja zum Impfen.

Fazit: An Gedanken-Weg-Kreuzungen ist Innehalten geboten. Mit- und nicht gegeneinander. Innere und äußere Beweglichkeit sind möglicherweise die eigentlichen Herausforderungen.

Geschützter Raum? Mutig ausbrechen, aufbrechen? Doch in welche Richtung? Oder sich in Sicherheit wohlfühlen? Was auch immer…

2 Kommentare zu „Ostwestlich (1)

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